Limmattal

Aufklären statt büssen: Sicherheitsdirektor Mario Fehr begleitet Coronapatrouille

Halt am Bahnhof Dietikon: Dominique Gottschalk, Polizeikommandant Bruno Keller, Charlotte Bucher und Sicherheitsdirektor Mario Fehr.

Halt am Bahnhof Dietikon: Dominique Gottschalk, Polizeikommandant Bruno Keller, Charlotte Bucher und Sicherheitsdirektor Mario Fehr.

Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) begleitet Kantonspolizisten auf ihrer Coronapatrouille im Limmattal.

Als die aus der Bahnhofunterführung hochkommende Frau die Polizisten vor sich erblickt, holt sie sofort eine Maske hervor und zieht sie über. «Bitte Maske aufsetzen», sagt Kantonspolizistin Charlotte Bucher zu einer Jugendlichen dahinter, die ebenfalls ohne Gesichtsschutz unterwegs ist. Sie reagiert umgehend. Ansonsten tragen an diesem Sonntagabend die meisten Leute auf dem Bahnhofareal in Schlieren eine Maske. Nur ein Mann, der auf dem Perron wartet, benötigt noch eine Erinnerung. Er leistet Folge, aber nicht, ohne zu betonen, dass er die Regeln «ein bisschen doof» findet. Als die Polizisten wieder von dannen ziehen, flucht der Mann noch ein wenig hinter seiner Maske vor sich hin.

Im Migrolino in der Nähe erzählt die Verkäuferin, dass die Maskentragpflicht von den meisten ohne Probleme eingehalten werde und sie noch nie die Polizei rufen musste wegen Zwischenfällen. Auch einem Restaurant im Zentrum statten die Polizisten einen Besuch ab. Gleich am Eingang weist eine Infotafel auf die geltenden Regeln hin. «Sieht gut aus», konstatiert Polizist Dominique Gottschalk. «Wir geben uns Mühe», antwortet der Besitzer.

Gewöhnungsphase nach neuen Massnahmen

Die Kantonspolizisten führen genauso wie die Gemeindepolizeien immer wieder Kontrollen durch, um die Einhaltung der geltenden Coronamassnahmen zu prüfen. Dieses Mal sind Bucher und Gottschalk nicht alleine unterwegs, sondern werden von Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) und Polizeikommandant Bruno Keller begleitet. Derzeit sei er am Wochenende häufig mit Patrouillen unterwegs, um sich einen Überblick zu verschaffen, sagt Fehr. Vor allem nach Inkrafttreten von neuen Massnahmen sei in der Bevölkerung immer eine gewisse Gewöhnungsphase festzustellen. Die Maskentragpflicht in Zügen werde inzwischen gut eingehalten, aber auf Bahnhofsarealen, wo die Pflicht erst kürzlich eingeführt wurde, bestehe noch Verbesserungspotenzial, sagt Keller.

Das zeigt sich auch in Dietikon. Mehrmals weisen die Polizisten Passanten auf die geltende Pflicht hin. Alle Zurechtgewiesenen setzten sich widerstands- und kritiklos eine Maske auf. Fehr fragt einen Transportpolizisten der SBB, der gerade aus einer S-Bahn gestiegen ist, wie die Lage in den Zügen sei. «Sind sie von der Presse?», will dieser wissen. «Nein, ich bin der Polizeidirektor», entgegnet Fehr. Der Mann erzählt kurz, dass die soziale Kontrolle gut funktioniere und es in den Zügen ruhig geworden sei.

Die meisten Menschen würden besonnen und verständnisvoll reagieren, wenn sie auf Fehlverhalten angesprochen werden, erzählt Polizistin Bucher. Das beruht auf Gegenseitigkeit: Natürlich müssten die Regeln bestimmt durchgesetzt werden, sagt Keller. Aber es sei wichtig, immer freundlich und verständnisvoll zu bleiben.

Nachkontrollen bei zwei Restaurants

Mario Fehr betont am Abend immer wieder, dass es bei den Polizeikontrollen keineswegs darum gehe, Menschen zu büssen, sondern sie aufzuklären und an die gesellschaftliche Solidarität und Verantwortung zu erinnern. «Wenn die Menschen nicht bereit sind, mitzumachen, bringen die Massnahmen nur wenig», sagt er. Die Bevölkerung im Kanton Zürich setze dies bisher gut um, lobt Fehr. «Die meisten haben ein hohes Mass an Selbstverantwortung.»

Neben den Bahnhöfen und Zentren beider Städte im Bezirk statten die Kantonspolizisten auch zwei Restaurants zwecks Nachkontrolle einen Besuch ab. In einem Lokal im Raum Dietikon fehlten am Tag zuvor die fürs Contact-Tracing vorgeschriebenen Nummern auf den Tischen. Inzwischen ist alles regelkonform. Nicht ganz so reibungslos ist der Besuch in einem Restaurant rechts der Limmat, wo am Vortag ebenfalls Tischnummern fehlten und die Bar zu eng bestuhlt war. Am Tresen ist mittlerweile jeder zweite Hocker als Sperrzone markiert. Aber Tischnummern fehlen am Sonntagabend immer noch. Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, dass es sich wohl um ein Missverständnis gehandelt hat. Polizist Gottschalk erklärt die Regeln zur Sicherheit noch mal in aller Deutlichkeit und kündigt sich für den kommenden Abend erneut an. Sei beim dritten Mal immer noch nicht alles in Ordnung, werde der Betreiber des Restaurants an das Statthalteramt verzeigt, sagt Keller. Es sei wichtig, massvoll vorzugehen und nicht gleich zu büssen, betont Fehr erneut. «Wir wollen ja nicht, dass das Restaurant schliessen muss.»

Der Regierungsrat ist mit dem Rundgang durchs Limmattal zufrieden: «Wir wollen im Kanton Zürich Einschränkungen, wie sie bei uns im Frühling umgesetzt wurden und nun in Österreich oder Frankreich gelten, verhindern», sagt er. Das sei nur möglich, wenn die Bevölkerung die Massnahmen auch längerfristig mittrage und Verantwortung übernehme.

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