Wohnraum für 3000 Einwohner und 6000 neue Arbeitsplätze sollen in Dietikon im Gebiet Silbern/Lerzen/Stierenmatt (SLS) entstehen, teilweise in Hochhäusern. Das Gebiet ist «von höchster Priorität für die Entwicklung Dietikons und ein Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung», wie Andreas Geistlich (FDP, Schlieren) gestern im Kantonsrat sagte. Allein: Die Entwicklung ist blockiert, obwohl die Dietiker Stimmberechtigten dem SLS-Gestaltungsplan im März 2012 knapp zustimmten.

Damit es endlich vorangeht, verlangt nun der Kantonsrat vom Regierungsrat, «schnellstmöglich» eine Schutzverordnung für das Flachmoor entlang der Limmat im Gebiet SLS zu erlassen. Ein entsprechendes Postulat der SP-Kantonsrätinnen Sabine Ziegler (Zürich) und Rosmarie Joss (Dietikon) fand gestern die Unterstützung aller Parteien ausser der EDU. Nur mit der Schutzverordnung gäbe es die nötige Planungssicherheit, um das Gebiet zu entwickeln, sagte Joss.

Ziegler erinnerte daran, dass Flachmoore in der Schweiz seit 1994 geschützt sind. Bis 1997 hätte der Kanton gemäss Bundesvorgaben eine Schutzverordnung erlassen müssen. Doch der Regierungsrat habe es über all die Jahre versäumt, dies zu tun. «Noch ist ein Rekurs des Schweizerischen Vogelschutzes gegen den SLS-Gestaltungsplan hängig», sagte Ziegler. «Aber eigentlich sprechen wir von einem Versäumnis des Regierungsrats.»

EVP-Kantonsrat Markus Schaaf (Zell) doppelte nach: «Eine Schutzzone würde den Weg freimachen für die Umsetzung des Gestaltungsplans. Der Kanton hat seit 20 Jahren seine Hausaufgaben nicht gemacht.»

Das Versäumnis zu beheben, sei «ein komplexer Prozess», räumte Ziegler ein. Schliesslich sei das Schutzgebiet entlang der Limmat «umringt von Megastores und Gebäuden». Dennoch müsse der Regierungsrat die Aufgabe dringend an die Hand nehmen. Denn: «Hier geht es um die Umsetzung eines nationalen Gesetzes.»

Auch von bürgerlicher Seite fand das Postulat Zuspruch, wenn auch «ohne Begeisterung», wie seitens der SVP Rochus Burtscher (Dietikon) einräumte. Zwar sei die Verwaltung bereits dabei, einen Vorschlag zu erarbeiten, doch das Postulat könnte diesen Prozess beschleunigen, meinte Burtscher.

Ein Interesse daran, dass es mit dem Entwicklungsgebiet SLS vorangeht, habe nicht nur Dietikon, betonte Franco Albanese (CVP, Winterthur): «Es ist für Zürich als Wohnort und für den Kanton als Wirtschaftsstandort wichtig.» Auch für FDP-Kantonsrat Geistlich wäre es «zweckdienlich, wenn die Schutzverordnung an die Hand genommen wird». Der Abstand der geplanten Gebäude zum Moor müsse vergrössert werden.

Baudirektor Markus Kägi (SVP) erklärte, das Amt für Landschaft und Natur sowie das Amt für Raumentwicklung seien «intensiv mit der Stadt Dietikon im Gespräch zu diesen Themen». Doch die Moorschutzverordnung und der SLS-Gestaltungsplan müssten kombiniert behandelt werden.

«Der Plan ist es, den Gestaltungsplan aufzuteilen in einen Teil, der nahe beim Moor ist, und einen Teil, der nicht vom Moorschutz betroffen ist», erklärte Kägi. Wann mit Resultaten zu rechnen sei, könne er nicht abschätzen, so der Baudirektor gegenüber der «Limmattaler Zeitung». Die Umweltschutzverbände würden sich gegen das Vorhaben sträuben.

Vogelschutz bleibt hart

«Wir stellen uns nicht grundsätzlich dagegen», sagte dazu auf Anfrage Christa Glauser vom Schweizerischen Vogelschutz. «Aber zuerst müssen die Moorschutzfragen geklärt werden, auch in dem Teilgebiet, das eingezont werden soll.»

Dabei gehe es zum einen um die Beeinträchtigung des Grundwassers durch Neubauten, zum anderen um das Problem, dass das Naturschutzgebiet nicht einfach zum Naherholungsgebiet für 10 000 Menschen werden dürfe. Der Regierungsrat hat nun maximal zwei Jahre Zeit, einen Bericht zur Umsetzung des gestern überwiesenen Postulats zu erstellen.