Vergleich
Auf und ab bei den Spital-Fallkosten – das Spital Limmattal wurde günstiger

Das Spital Limmattal ist günstiger geworden – die Zürcher Stadtspitäler sind am teuersten. Dies geht aus dem neuesten Fallkostenvergleich hervor.

Matthias Scharrer
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Fürs Spital Limmattal geht die Rechnung mit den Fallpauschalen momentan noch auf. (Symbolbild)

Fürs Spital Limmattal geht die Rechnung mit den Fallpauschalen momentan noch auf. (Symbolbild)

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Die durchschnittlichen Fallkosten in den Zürcher Spitälern variieren stark. Das zeigt der Fallkostenvergleich über die stationären Behandlungen, den die kantonale Gesundheitsdirektion am Dienstag veröffentlicht hat. Am günstigsten ist demnach die Klinik Adus Medica in Dielsdorf mit durchschnittlichen Fallkosten von 8253 Franken, am zweitgünstigsten das Spital Limmattal: Hier kostet eine stationäre Behandlung im Durchschnitt 9110 Franken.

Am anderen, teuren Ende der Skala befinden sich die beiden Zürcher Stadtspitäler Triemli und Waid mit durchschnittlichen Fallkosten deutlich über 11 000 Franken. Darüber lägen noch die universitären Spitäler, die die Gesundheitsdirektion aufgrund ihres anders gelagerten Angebots jedoch nicht in den Vergleich einbezieht. Im kantonsweiten Schnitt stiegen die Fallkosten 2016 um 1,2 Prozent an.

Bauliche Investitionen inbegriffen

Vergleicht man die nun veröffentlichten durchschnittlichen Fallkosten 2016 mit jenen des Vorjahres, so fällt auf: Der Gesundheitsmarkt ist in Bewegung. So hat etwa das Spital Limmattal seine durchschnittlichen Fallkosten gegenüber dem Vorjahr um 434 Franken gesenkt. Es ist vom sechst- zum zweitgünstigsten Spital geworden. Einen noch grösseren Sprung hat das Spital Bülach gemacht, nämlich von Platz Platz 13 auf Platz 4. Deutlich teurer wurden hingegen das Spital Affoltern, die See-Spitäler in Horgen und Kilchberg sowie die Zürcher Stadtspitäler Triemli und Waid.

Der Kostenvergleich ist laut Gesundheitsdirektion «schweregradbereinigt». Es spielt jedoch eine Rolle, wie umfassend der jeweilige Leistungsauftrag des Spitals ist. Auch Abschreibungen baulicher Investitionen spielen in die Fallkostenrechnung mit hinein, wie zuletzt etwa der Bau des neuen Bettenhauses im Zürcher Triemli-Spital.

Das weiss auch Thomas Brack, Direktor des Spitals Limmattal. «Wir haben sehr engagiertes Personal, das mitdenkt und Prozesse eigenverantwortlich stetig vereinfacht», erklärt er die zuletzt gesunkenen durchschnittlichen Fallkosten. Er betont, die Prozesse seien nicht auf Kosten der Patienten vereinfacht worden. Als Beleg führt er die trotz Baustelle und alter Infrastruktur gewachsenen Fallzahlen an.

Fürs Spital Limmattal resultierte letztes Jahr ein Gewinn von 9,5 Millionen Franken. Dennoch sagt Brack: «Die Fallpauschalen sind zu tief.» Um grössere bauliche Investitionen wie den laufenden Neubau des Spitals Limmattal mittelfristig zu refinanzieren, würden sie für viele Spitäler nicht ausreichen.

Die geltende Fallpauschale für Spitäler mit Notfallstation liegt derzeit im Kanton Zürich bei 9650 Franken. Spitäler mit tieferen durchschnittlichen Fallkosten, wie zum Beispiel das Spital Limmattal, können daher satte Gewinne einstreichen.

Doch schon vor einem Jahr monierte Daniel Kalberer, Geschäftsleiter des Verbands Zürcher Krankenhäuser: «Nur die Allerwenigsten können mit den Fallpauschalen auch bei allgemein versicherten Patienten kostendeckend arbeiten.» Diese Aussage wird nun durch den Fallkostenvergleich 2016 gestützt: 13 von 19 dabei berücksichtigten Zürcher Spitälern haben durchschnittliche Fallkosten, die höher liegen als die Fallpauschale. Zum Teil werden diese allerdings durch Zusatzversicherte gedeckt. Wenn nicht, legen die jeweiligen Spitaleigentümer drauf.

Aus Sicht der Zürcher Gesundheitsdirektion liegt die geltende Fallpauschale für Zürcher Spitäler «auf einer angemessenen Höhe», wie die Direktion von Regierungsrat Thomas Heiniger (FDP) festhält. Spitäler mit zu hohen Fallkosten seien gefordert, kostensenkende Massnahmen zu ergreifen. Heiniger verweist auf den nationalen Fallkostenvergleich. Demnach liegt die Zürcher Fallpauschale von 9650 Franken im unteren Mittelfeld der Fallkosten in Schweizer Spitälern. Sie wurde für die Jahre 2016 bis 2018 festgelegt. Die für drei Jahre unveränderte Fallpauschale deklarierte Heiniger seinerzeit als Beitrag in Höhe von 130 Millionen Franken zum kantonalen Sparpaket Lü 16.

Der Kanton zahlt im Rahmen der Fallpauschalen 55 Prozent an jede stationäre Spitalbehandlung; die Versicherer begleichen den Rest. 2016 belief sich der Kantonsanteil gemäss der gestern veröffentlichten Mitteilung auf 1,5 Milliarden Franken.