Urdorf
Auf sympathische Weise einen Sprung in der Schüssel: Die Spielbühne feiert Première

An der Première des neuen Stücks der Spielbühne Urdorf gab es besonders viel zu lachen.

Tobias Bolli
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Première Spielbühne Urdorf
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«Nöd ganz hundert»: Marianne (Alexandra Weber) und Harri Hammer (Peter Gäumann).
«Nöd ganz hundert»: Hans (Stephan Strässle), Brigitte (Ursula Armbruster) und Desirée (Sabrina Landolt).
«Nöd ganz hundert»: Desirée (Sabrina Landolt), Willi (Beat Müller), Charlie (Sabrina Haller), Marianne (Alexandra Weber) und Barbara (Jeannine Hohl).

Première Spielbühne Urdorf

Tobias Bolli

Irre versuchen normal zu sein, während Normale für irr gehalten werden. Angefangen bei Charlie. Ihr Problem: Sie kann ihre Fleischeslust einfach nicht kontrollieren, verzehrt sich derart heftig nach Männern, dass sie auch einmal halb oder ganz nackt zu formalen Treffen erscheint. Und dann packt sie die Gelegenheit beim Schopf und die Herren da, wo sie für ihren Geschmack stets zu wenig vorfindet.

Mit den Enthüllungen dieser Figur startet das Theaterstück «Nöd ganz hundert», das am Samstag im Embri-Saal in Urdorf Premiere feierte. Für die Regie verantwortlich war Walter Riedle, Präsident der Spielbühne. Er hat die Laientruppe grossartig auf den Abend vorbereitet. Wie sich zeigte, konnte er denn auch auf einige Talente zurückgreifen.

Charlie, gespielt von Sabrina Haller, hat es mit ihren unzweideutigen Avancen etwas zu weit getrieben und ist dafür in der Klapsmühle gelandet. Hier wohnt sie zusammen mit anderen Patienten, die alle – auf ihre sympathische Weise – einen Sprung in der Schüssel haben.

Verhängnisvoller Besuch

Mehr oder weniger liesse sich so ja leben, doch plötzlich meldet sich ihre Mutter, Besitzerin einer Hoteldynastie. Sie geht fest davon aus, dass Charlie in einer Villa lebt und will ihr nun spontan einen Besuch abstatten. Um sich vor der feinen Dame – gespielt von Anita Müller – nicht zu kompromittieren, tut Charlie alles, um die Irrenanstalt wie ein Luxusanwesen aussehen zu lassen – und ihre Mitbewohner wie ihre Bediensteten.

Eine gehörige Herausforderung, zumal die Patienten nun wirklich nicht ganz hundert sind. Hans, gespielt von Stephan Strässle, ist etwa ein Zwangsneurotiker mit ausgeprägtem Ordnungssinn. Er lässt keine Gelegenheit aus, hier eine Vase zurechtzurücken und da ein Staubkorn wegzuwedeln. Und wehe, wenn der Pöstler einmal 32 Sekunden zu spät kommt.
Deutlich unverkrampfter unterwegs ist Desirée, eine stets mit dem Pinsel hantierende Malerin. Die von Sabrina Landolt gespielte Figur ist ganz aufgelöst in ihrer Kunst und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. So zuckt sie mit den Schultern, als ihr Mitbewohner eine Tupperware-Verkäuferin k.o. schlägt und diese tunlichst vor der anrückenden Mutter versteckt werden muss.

Willi, der für die Tat verantwortlich zeichnet, scheut eigentlich Menschenkontakt. Stotternd muss er für jeden Halbsatz Anlauf holen. Als Charlies Mutter auftaucht, flüchtet er flugs hinter einen Vorhang. Man muss Beat Müller ein Kränzchen winden, so überzeugend und so liebenswürdig spielt er diesen Soziophoben.

Die illustre Wohngruppe wäre nicht komplett ohne Marianne, berückend gespielt von Alexandra Weber. Sie hat ihren Lebenssinn darin gefunden, auf Wolke sieben zu schweben und verschwenderisch verliebt in Harri Hammer, einen Volksmusikstar, zu sein. Nur widerwillig fügt sie sich in die Rolle, plötzlich als Haushälterin für Charlie auftreten zu sollen.

Und dann eskaliert das Stück

Als diese meint, ein Irrer überfalle sie – kein Bewohner, sondern der Stationsarzt Dr. Dr. Franz Schanz –, eskaliert das Stück. Entsetzt sperrt sie ihn ein, macht aber bald selbst Bekanntschaft mit der Zwangsjacke.

Das Publikum zeigte sich äusserst angetan. «Die Leute sind mit Freude dabei, das sieht man», meinte etwa Egmond Stadtmann aus Buchs. «Ich habe viel gelacht», sagte Manuela Blatter aus Schlieren. Sie war in guter Gesellschaft.

Die Spielbühne Urdorf spielt «Nöd ganz hundert» noch zwölfmal

Die nächsten zwei Aufführungen der Spielbühne Urdorf sind am Freitag, 23. März und am Samstag, 24. März, jeweils um 20 Uhr im Urdorfer Embrisaal.

Weitere Aufführungsdaten sind der 4., 6., 7., 13., 14., 15., 20., 21., 27. und 28. April. Jeweils immer um 20 Uhr, ausser am 15. April, diese Sonntagsvorstellung findet um 15 Uhr statt.