«Ich wünschte, ich könnte so gut malen», sagt Geschäftsführer André Sax lachend, als er auf das Ölgemälde an der Wand blickt. Das Bild, das im Sitzungszimmer des Familienunternehmens Sax-Farben AG in Urdorf hängt, hat kein Geringerer als der britische Staatsmann und Hobby-Maler Sir Winston Churchill gemalt – mit Künstlerfarben der Familie Sax.

Doch nicht nur Churchill zählte zu den Kunden, sondern auch der 34. Präsident der Vereinigten Staaten Dwight D. Eisenhower sowie verschiedene Maler, darunter Cuno Amiet, Hans Falk und Oskar Kokoschka. Was 1898 mit der Gründung der Kollektiv-Gesellschaft Sax-Wyss & Cie und fünf Mitarbeitern begann, hat sich mit der Zeit zur führenden Farbenfabrik für Bau und Kunst in der Schweiz entwickelt.

Krisen und Kriege überstanden

Der Weg dorthin war jedoch nicht immer einfach: Da waren der Erste und Zweite Weltkrieg, in denen Rohstoffe zur Mangelware wurden; da war der Maler-Streik im Kanton Zürich in den 60er-Jahren; die weltweite Titanweiss-Knappheit in den 90ern; verschiedene Bau- und Finanzkrisen. Trotzdem: Das Familienunternehmen hielt stand. Heute zählt es 30 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 10 Millionen Franken.

churchill

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«Dadurch, dass wir von der Produktionsgrösse klein und flexibel bleiben, können wir auf äussere Umstände sofort reagieren», sagt André Sax, der das Unternehmen in vierter Generation führt. Zudem setze man auf Dienstleistung und Qualität. Dies sei mitunter ein Grund, warum die Sax-Farben AG als gesundes Familienunternehmen dastehe. Heute ist das Hauptbusiness die Produktion von Farben für das Baugewerbe, «die Künstlerfarben sind hingegen unsere Spezialität», sagt der 58-Jährige. Eine Spezialität, die André Sax’ Grossvater Willy einführte: Der damalige Chef ergänzte das Firmensortiment, das aus Öl- und Mineralfarben für die Baumalerei bestand, mit Künstler-Ölfarben. Infolge dieser Erweiterung wurde das Unternehmen in Kunstkreisen weit über die Schweizer Grenze hinaus bekannt. Amiet, Falk, Churchill, Eisenhower und weitere Persönlichkeiten begannen, mit Sax-Farben zu malen.

«Ich war so nervös»

Maya Sax, die das Familienunternehmen ab 1964 leitete und heute Verwaltungsratspräsidentin ist, erinnert sich: «Mein Vater Willy pflegte Beziehungen zu Künstlern mit Rang und Namen. Viele gingen bei uns ein und aus. Das war eine schöne und sehr interessante Zeit.» Niemals vergessen wird sie auch den Moment, als sie mit ihrem Vater bei Churchill zu Gast war und mit einem Glas Champagner angestossen hat. «Ich war damals 16 Jahre alt und so nervös», sagt Maya Sax lachend. Nebst den geschäftlichen Beziehungen unterhielten ihr Vater und der britische Staatsmann auch eine grosse Freundschaft – das Gemälde, das Churchill gemalt und Willy Sax geschenkt hat, ist nur ein kleiner Beweis dafür.

Seit 40 Jahren engagiert

Obwohl die Geschichten längst der Vergangenheit angehören, die Künstler nicht mehr nur mit Farben, sondern mit verschiedenen Materialien arbeiten, war für André Sax stets klar: Er würde in die Fussstapfen seiner Mutter Maya treten. Der Geschäftsführer treibt nun seit fast 40 Jahren den Geist des Unternehmens mit Qualität und Innovationskraft weiter. Und innovativ ist die Firma immer wieder: So hat Sax die weltweit erste Siliconharzfarbe entwickelt. Die Fassadenfarbe biete optimalen Feuchtigkeitsschutz trage zur Werterhaltung der Bausubstanz bei, sagt André Sax.