Dietikon
Auf die Nötzliwiese kommt kein «stilles Örtchen»

Sobald die Temperaturen es erlauben, verwandelt sich die Limmat in ein Farbenmeer. So sind denn auch über Pfingsten am Ufer der Dietiker Nötzliwiese viele Gummiboote gelandet. Der Sicherheitsvorstand weist auf die Gefahren des «Böötlen» hin.

Carla Stampfli
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Bei heissen Temperaturen zieht die Wiese beim Bahnhof in Dietikon «Böötler» magisch an. Kathrin Schneider

Bei heissen Temperaturen zieht die Wiese beim Bahnhof in Dietikon «Böötler» magisch an. Kathrin Schneider

Kathrin Schneider

Sich von der Strömung treiben lassen, Sonne tanken, ein kühles Getränk geniessen und hin und wieder in den erfrischenden Fluss springen.

Sobald die Temperaturen es erlauben, verwandelt sich die Limmat in ein «Farbenmeer». So sind denn auch über Pfingsten am Ufer der Dietiker Nötzliwiese immer wieder Gummiboote gelandet.

Nach der Fahrt, die je nach Strömung und Einsteigeort bis zu zwei Stunden dauern kann, ist manch einer froh, wieder an Land zu sein – denn: Man verspürt ein dringendes Bedürfnis. Doch die nächste öffentliche Toilette ist am Bahnhof, rund 300 Meter entfernt. Der Ruf nach einer WC-Anlage auf der Nötzliwiese wird sowohl bei den «Böötlern» laut wie auch bei denjenigen, die auf der Wiese spielen, grillieren oder das Nichtstun geniessen.

«Eine öffentliche Toilette auf der Nötzliwiese wird es nicht geben», sagt jedoch Heinz Illi, Sicherheitsvorstand der Stadt Dietikon. Denn einerseits liege die Wiese in einem Wohnquartier und andererseits gebe es in Dietikon viele andere schöne Plätze, die über keine öffentliche WC-Anlagen verfügen würden. «Wir wollen nicht, dass die Nötzliwiese zu einem Event-Park wird», so Illi. Die Wiese sei ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Unter anderem könne man den Spielplatz und die Natur geniessen. «Der Ort eignet sich nicht, um eine solche Infrastruktur zu realisieren, da sich das Gebiet nahe an der Wohnzone befindet», erklärt der Sicherheitsvorsteher. Sobald die Stadt eine Anlage anbieten würde, wäre sie auch haftbar dafür.

Der Gefahr nicht bewusst

Das Baden und «Böötlen» bei der Nötzliwiese sei eine neue Modeerscheinung, sagt Illi. Für ihn drängt sich eher die Frage auf, wie die Stadt mit dieser Entwicklung in Zukunft umgehen will: «Ich stelle fest, dass man sich der Gefahr nicht bewusst ist.» Denn teilweise würde auch bis kurz vor das Wehr gefahren, wo unter anderem Wasserwirbel für gefährliche Sogströmungen sorgen würden. Ausserdem komme es häufig vor, dass ohne Schwimmwesten «geböötlet» werde oder mit Schwimmhilfen, die höchstens für das Schwimmbad, nicht aber für den Fluss geeignet seien. «Das ist es, was mir Sorgen macht», sagt Illi. Die Gefahr, die von der Limmat ausgeht, werde unterschätzt, so der Sicherheitsvorsteher. Aus diesem Grund würde man den Betrieb auf der Nötzliwiese weiter beobachten.

Bei warmen Temperaturen ist die Versuchung gross, Alkoholika mitzuführen. Doch seit Anfang dieses Jahres ist das Feiern auf Flüssen und Seen eingeschränkt. Auf dem Wasser gilt nun derselbe Alkoholwert wie auf den Strassen: 0,5 Promille. Wer mit einem Alkoholwert zwischen 0,5 und 0,8 Promille erwischt wird, muss mit einer Verzeigung rechnen. Wer darüber liegt, muss seinen Führerschein auf der Stelle abgeben. Wie die Kantonspolizei auf Anfrage mitteilt, wurde die Kontrollfrequenz auf der Limmat aufgrund der neuen Promillegrenze nicht speziell erhöht. Kontrollen würden jedoch im Rahmen der normalen Tätigkeit durchgeführt, sagt Matthias Portmann, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Die neuen Bestimmungen der Binnenschifffahrtsverordnung gelten für motorisierte wie auch nicht motorisierte Schiffe und Boote – also auch für Hobbykapitäne. Nicht davon betroffen sind kleinere Freizeitgummiboote, die nicht immatrikuliert werden müssen und eine gewisse Grösse nicht überschreiten. Auch bei Badegeräten wie Schwimmringen oder Luftmatratzen, die unter die Kategorie Schwimmhilfen fallen, greife die neue Alkoholgrenze nicht, sagt Portmann.