Birmensdorf
«Auf der Tuba muss ich weniger üben»

Hermann Huber spielt seit fünfzig Jahren in Musikvereinen mit. Vor sechs Jahren wechselte er erstmals das Instrument, doch alte Liebe rostet bekanntlich nicht.

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«Hermi» Huber stemmt seine Instrumente in den Himmel über Birmensdorf.

«Hermi» Huber stemmt seine Instrumente in den Himmel über Birmensdorf.

Florian Niedermann

Hermann Hubers Körper ist wie für sein Instrument geschaffen: Sein breiter, kräftiger Rumpf und seine starken Arme fallen einem sofort auf, wenn man ihm begegnet. Er ist auf ihn angewiesen. «Meine Tuba wiegt etwa 10 Kilogramm, da trägt man bei längeren Auftritten schon schwer daran», sagt Huber.

Das grosse Blechblasinstrument spielt er erst seit sechs Jahren. Zuvor war er dem Euphonium 44 Jahre lang treu. Auch heute noch flirtet er ab und an mit seiner alten Liebe, die einen höheren Grundton hat und sechs Kilogramm weniger auf die Waage bringt als eine Tuba. «Ans Sechseläuten nehme ich zum Beispiel lieber das Euphonium mit. Die Tuba ist einfach zu schwer, um sie den ganzen Tag herumtragen zu können.»

Der 66-Jährige hält die beiden Instrumente in die Höhe und lässt seinen Blick zwischen ihnen hin und her pendeln. Der Grund für seinen Wechsel zur Tuba finde sich nicht etwa im Klang oder in der Rolle, die das Instrument in den Arrangements einnehme, erklärt Huber und schmunzelt: «Ich muss darauf einfach nicht ganz so viel üben wie auf dem Euphonium.»

«In die Hand gedrückt bekommen»

Ursprünglich hatte «Hermi», wie Huber genannt wird, das Euphonium nicht selbst gewählt. «Als ich vierzehn war, haben mir meine Eltern erlaubt, in der Musikgesellschaft Stallikon mitzuspielen. Dort wurde mir das Instrument einfach in die Hand gedrückt», sagt Huber. Die Ausbildung am Instrument, die er damals genossen hatte, könne man eigentlich nicht «Unterricht» nennen. Man sei einmal pro Woche zusammengekommen, und sobald man ein paar Tonleitern spielen konnte, habe man mitmachen können. «Das ist heute viel professioneller», sagt Huber.
Wirklich spielen gelernt hat er erst in der Trompeter-Rekrutenschule, die der gelernte Landwirt ab 1966 besucht hat. Der dortige Adjutant war der bekannte Dirigent und Gründer des Schweizer Blasmusik-Dirigentenverbandes Fridolin Bünter. Huber erwähnt diesen Namen nicht ohne Stolz: «Wir haben in der Armee eine gute musikalische Ausbildung genossen.»

Seit 40 Jahren in der Harmonie

Vor vierzig Jahren zog Huber aus dem väterlichen Hof in Stallikon aus, und schlug seine Zelte in Birmensdorf auf. Bald trat er hier in die Harmonie ein und spielt seither in diesem Verein. Über mehrere Jahre übernahm er im Vereinsleben Verantwortung in verschiedenen Ämtern, so etwa als Präsident, Vizedirigent, Mitglied der Musikkommission oder Notenverwalter.
Am Samstag wird Huber für seine Verdienste in den beiden Vereinen geehrt: Er erhält für seine 50 Jahre als Aktivmitglied das kantonale Veteranenabzeichen. «Ich freue mich auf diesen Tag. Es ist schön, eine solche Anerkennung des Musikvereins und des Verbands zu erhalten», sagt Huber. Das gemeinsame Anstimmen des Veteranenliedes, die feierliche Totenehrung, die Übergabe des Abzeichens in Uniform - Huber kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Am meisten freue er sich aber darauf, gemeinsam mit seinen Kollegen aus seinem Verein und der Militärmusik zu feiern.

Fast wie eine Familie

Die beste Zeit in der Harmonie hat er in den Neunzigerjahren erlebt. Der Verein zählte damals über fünfzig Mitglieder. «Auf diese Zeit schauen wir gerne zurück. Wir werben auch heute noch aktiv um Nachwuchs», erklärt Huber. Schön sei an einem Musikverein ja gerade auch die Altersdurchmischung. «Manchmal ist die Harmonie so etwas wie eine Familie», sagt der zweifache Vater.

Plötzlich wird er nachdenklich, legt die Stirn in Falten: Wer so lange dabei sei wie er, habe auch schon den einen oder anderen Todesfall erlebt, erklärt Huber. «Das geht einem jeweils nahe: Man erinnert sich daran zurück, was man erlebt hat.» Hat er selbst schon ans Aufhören gedacht? «Nein», antwortet der Pensionär bestimmt, «ich spiele so lange, wie es die Gesundheit zulässt.»