Schlieren
Auf der Suche nach Kuriositäten in Schlieremer Schrebergärten

Um einen Obstbaum zu veredeln, reichen schon ein fünf Zentimeter langes Stück eines anderen Zweiges und etwas Geduld. Dies und andere Tipps und Kuriositäten entdecken Sie bei unserer Sommerserie.

Katja Landolt
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Nach Kuriositäten gesucht – in Ernesto Caminis Garten im Schlieremer Betschenrohr fündig geworden
10 Bilder
Ernesto Camini legt seine Birnen auch mal in Likör ein
Eine mutige Blaumeise frisst die Pinienkerne vom Gartentisch
Gaetano Puzzo nennt seine Salatgurken Migros-Gurken
Ernesto Caminis Garten in den Familiengärten Betschenrohr
Ernesto Camini züchtet an seinen Obstbäumen gleich mehrere Sorten auf einmal
Die Aprikosen sehen zum Anbeissen aus
Kaspar Mock, Präsident des Familiengartenvereins Betschenrohr in Schlieren
Damit kein Durcheinander entsteht, schreibt Camini alles sorgfältig an
Bei Gaetano Puzzo wächst alles, sogar Auberginen

Nach Kuriositäten gesucht – in Ernesto Caminis Garten im Schlieremer Betschenrohr fündig geworden

Katja Landolt

Mit einem Rüstmesser ritzt Ernesto Camini ein Kreuz in die grüne Rinde, hebt mit der Klinge die Ecken leicht an. An einem anderen Rosenzweig zwackt er ein Auge ab, und schiebt das Stück unter die aufgeschnittene Rinde, Schnittstelle auf Schnittstelle. Im nächsten Frühling wird hier ein neuer Rosenzweig wachsen - mit Blüten in einer anderen Farbe als der Stock. Das nennt sich Rosenokulation.
«Das ist alles ganz einfach», sagt der Mann mit Brasilien-Käppi und Edelweiss-Hosenträgern und lacht. «Das schaut man sich an und probiert es aus; und dann klappt es meistens.» Ab und zu misslinge auch ihm ein Versuch; mal ist das Wetter zu kalt oder zu nass, oder der Baum oder Stock zu schwach. Wenn nicht, sei das weiter auch nicht schlimm. «Das ist mein Hobby; wenn es einmal nicht klappt und die Schnittstellen nicht zusammenwachsen, versuche ich es im nächsten Jahr einfach wieder.»
Rosen, Äpfel, Birnen, Kirschen
In Caminis Garten in den Familiengärten Betschenrohr auf Schlieremer Boden treiben nicht nur die Rosen verschiedenfarbige Blüten. Auch die Apfel-, Birn- und Kirschbäume tragen unterschiedliche Früchte. Da trägt ein einziger Apfelbaum schon mal die Sorten Florina, Granny Smith, Idared und Empire - von unten nach oben. Damit es bei den Sorten kein Durcheinander gibt, schreibt Camini alles sorgfältig mit kleinen, gelben Täfelchen an. Bloss gemischt wird nicht: Äpfel und Birnen können nicht am selben Baum wachsen.
Um einen Obstbaum zu veredeln, reichen schon ein fünf Zentimeter langes Stück eines anderen Zweiges und etwas Geduld. Der Zweig wird angeschrägt, an den Grundbaum angepasst und dann für drei bis vier Monate mit einem Gummiband auf die Schnittfläche gezurrt. Danach hält der neue Zweig; die neue Obstsorte wächst am alten Stamm.
Gelernt hat Ernesto Camini das Veredeln als Siebenjähriger von seinem Vater in Brasilien. Dort lebte die Familie auf dem Land, das Helfen im Garten gehörte dazu. Vor fast 44 Jahren kam Camini in die Schweiz, arbeitete zehn Jahre in der Landwirtschaft und 25 als Lagerist. Seit zwölf Jahren hat er hier sein Reich auf 160 Quadratmetern, kommt fast täglich für ein, zwei Stunden vorbei. «Ich hatte immer mit der Natur zu tun, ich brauche das», sagt er. Um die Kunst des Veredelns und Okulierens zu perfektionieren, hat er einige Kurse besucht und sich in anderen Gärten umgeschaut. «Das muss man ausprobieren, das kann man nicht in der Schule lernen», sagt er, steht von seinem Gartenstuhl auf und geht ins Häuschen. Als er zurückkommt, streut er eine Handvoll Pinienkerne auf die Granitplatte. Dann zeigt er in die Apfelbäume.
Schlitzohrige Blaumeisen
Unter den Blättern sitzen zwei Blaumeisen; Caminis Kollegen. Ein Männchen und ein Weibchen. Die Köpflein nicken aufgeregt nach links und rechts, das Männlein hüpft mutig auf die Blumentöpfe. Nach einer eingehenden Lagebeurteilung landet es auf der Tischplatte und schnappt sich einen Kern. «Die Pinienkerne sind weicher, das mögen sie lieber», sagt Camini. Die Sonnenblumenkerne, die er vorher auf den Boden gestreut hat, lassen die Meisen links liegen. Camini beobachtet die Vögelchen gerne, kommt ihnen manchmal ganz nah. Er glaubt sogar, dass sie verstehen, was er ihnen erzählt. Schlitzohren seien das, die Meisen. «Wenn ich das Häuschen offenstehen lasse, bedienen sie sich sogar drinnen von den Kernen.»