Ist das der Duft von Pilzen? Oder einfach der feuchter Erde? Die Pilzkenner in den bunten Regenjacken halten die Nase in die Luft und sind sich nicht einig. Es riecht erdig, frisch. Es riecht nach Freiheit.

Es ist Samstagmorgen. Pilzkenner des Pilzvereins Dietikon und Neugierige sind vom Kloster Fahr aus in den Chlosterwald bei Unterengstringen spaziert. Dort wollen die Kenner fündig werden und ihr Fachwissen an die Laien weitergeben. Doch nicht nur das: Das eigentliche Ziel der Exkursion ist es, einen neuen, unbekannten Pilz zu finden.

Ab ins Unterholz

Im Chlosterwald angekommen, teilt sich die 17-köpfige Gruppe auf. Wer Pilze finden will, muss vom Weg abkommen und an den dunklen, feuchten Stellen suchen. Das Spazieren auf den dünnen Trampelpfaden durchs Unterholz geht in kleinen Gruppen deutlich einfacher. Die Grüppchen schlagen sich in die Büsche. Mit dabei ein Korb, ein Pilzmesser, Wissen und Erfahrung. Das ist alles, was es für das Pilzen braucht. Vielleicht noch etwas Geduld. Als Gegenleistung winken Pilze in allen Formen und Farben, giftig oder bekömmlich – und eben: dieses Gefühl von Freiheit, wenn man die frische Waldluft einatmet.

Die Gruppe wird begleitet vom erfahrenen Vereinspräsidenten Robert Andreoli und dem Pilzspezialisten Walter Leibundgut. Sie unterstützen die Gruppe mit den nötigen Kenntnissen. «Jahrelange Erfahrung ist das A und O, wenn man aus der Ernte eine feine Kost zubereiten möchte», sagt Walter Leibundgut. Er ist bereits seit 1973 im Pilzverein Dietikon. Und noch heute freut es ihn, wenn er einen Pilz findet, den er trotz seines Erfahrungsschatzes noch nicht kennt.

Wie viele Pilzarten gibt es?

Teublinge, Helmlinge oder Scheidenstreifling. Champignons, Steinpilze oder sogar Morcheln; das natürliche Angebot ist vielfältig. Trotzdem werden die Pilzler, die mit gekrümmten Rücken den Waldboden absuchen, nur selten fündig. Das ist zwar schade, macht es aber leichter, den kantonalen Richtlinien zu entsprechen: Eine Person darf pro Tag nicht mehr als ein Kilogramm Pilze sammeln.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Pilzarten es gibt; aber die Zahl geht in die Tausende. Viele sind sich zum Verwechseln ähnlich; und währen die einen geniessbar sind, kann der Genuss der andern zu schweren Vergiftungen führen.

In der Hauptsaison des Pilzwachstums – zwischen Mitte August bis Ende Oktober – bietet der Verein deshalb Pilzbestimmungsabende an, um die Kenntnisse der Pilzkunde weiter zu vertiefen. Die aufliegenden Pilzfruchtkörper werden dann anhand einschlägiger Literatur, mittels Chemie, Prismenlupe oder dem Mikroskop bestimmt.

«Mit viel Genuss verbunden»

Während der Sucherei bleibt Zeit für ein paar Gespräche über das «Pilzeln». Hanspeter Nehmer schätzt sein Hobby noch immer, auch wenn er bereits seit Jahrzehnten im Pilzverein dabei ist: «Es ist ein schöner Zeitvertreib, bei dem man völlig frei ist. Und – zum Teil zumindest – ist das Pilzen auch mit sehr viel Genuss verbunden».

In einem sind sich alle Besucher einig: Die Nähe zur Natur, der Geschmack des Waldes und der Pilze und die Freiheit – das ist das, was das Pilzen ausmacht und wodurch es zu einer Leidenschaft wird.