Oberengstringen

Auf der Modelllandschaft spiegeln Eisenbahnamateure die Schweiz wider

Seit dreissig Jahren bauen Eisenbähnler an ihrer Miniaturwelt. Auf der 100 Quadratmeter grossen Modelllandschaft der Eisenbahnamateure Oberengstringen (EAO) sind der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt.

Feuerwehrleute bekämpfen mit blinkendem Blaulicht den Wasserrohrbruch, ein paar Meter weiter sind Rettungskräfte der Rega im Einsatz. Ein Gleitschirmflieger verhedderte sich beim Landeanflug in einem Baum. Diese Szenarien spielen sich alle im Estrich des Schulhauses Rebberg in Oberengstringen ab. Auf der 100 Quadratmeter grossen Modelllandschaft der Eisenbahnamateure Oberengstringen (EAO) sind der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt. Die Ideen für immer neue Szenarien nehmen Präsident Martin Sieber, sein Vize Peter Suter und die 87 Mitglieder aus dem Leben, aus Magazinen oder von anderen Modellen.

Allesamt sind die Mitglieder detailverliebt. So sehr, dass das einzige Hindernis der Massstab sein kann. «Es gibt hin und wieder feingliedrige Elemente – wie Finessen an einem Dachgiebel –, die wir nicht präzise umsetzen können, weil der von uns verwendete Massstab von 1 zu 87 dafür zu gross ist», sagt Sieber und man merkt, dass ihn dies fuchst. Sagt er doch, nach dem Grund für dieses Hobby gefragt, dass ihn die Präzision, die Genauigkeit interessiere. Er fügt an: «Je genauer und feiner ein Detail ist, desto besser. Das Grobe, das kann jeder.»

Jeden Dienstag finden sich rund zehn Mitglieder beim Modell ein und frönen ihrer Leidenschaft. Man mag dem ruhigen Präsidenten Sieber und seinem gar wortkargen Vize Peter Suter nicht ganz glauben, wenn sie sagen, dass auch teilweise hitzige Diskussionen über Verbesserungen und Weiterentwicklungen am Modell entstehen können: Man fände aber immer einen gemeinsamen Nenner, versichern die Herren.

Mit ernster Miene verweist Sieber auf «heisse Zwergsignale», deren Montage eine heikle Sache sei. Das könne nicht jeder. Daher gibt es für die Eingefleischten, den innersten Kreis des EAO, «Geheimstunden». Dann werden knifflige Aufgaben angegangen wie Montage der Rangiersignale oder der Verkehrsschilder. Für Pfusch wäre die 100 Quadratmeter umfassende Landschaft, die vor dreissig Jahren erbaut wurde und seither der Aussenwelt angepasst wird, viel zu wertvoll. Kaufen die SBB einen neuen Zug, ändert sie ihre Signalisation oder gibt es neue Strassenschilder, dann sind diese auch schon bald hier zu finden. Sozusagen ein Spiegelbild der Schweiz und ihrer Lebensadern, dem Verkehr.

Einen Unfall gab es erst einmal. Eine S-Bahn entgleiste, Schäden entstanden keine, weder an den Styropor-Bergen noch an den Minifiguren. Die erst kürzlich installierte Gahler+Ringstmeier-Steuerung soll Unfälle künftig verhindern. Mit ihr kann analog und digital gefahren werden, dies über knapp 200 Meter Gleislänge.

Die Idee bei der Gründung des Vereins: «Wir wollten eine Modelllandschaft erbauen, die niemand von uns zu Hause aufstellen kann», so Sieber. Gefragt, ob man auch Gelüste nach einer räumlichen Expansion der Miniwelt habe, schütteln Präsident und Vize synchron den Kopf. «Diese Fläche mit dem höchsten Niveau der Professionalität auf dem neusten Stand zu halten, ist Anforderung genug», so Suter.

Die neuste Anschaffung des Klubs ist ein Strassenreinigungsfahrzeug, eines in dieser Art gebe es auf dem Modellzubehörmarkt nicht mehr. Beim Stichwort Putzen stellt sich die Frage, wie die filigrane Anlage von Staub und Schmutz befreit wird. Die Antwort fällt simpel aus: Ein Damenstrumpf wird über einen Staubsauger gestülpt, sodass Kleinteile nicht abhandenkommen. Aber auch hier zeigt sich der Hang der beiden Herren zum Perfektionismus. Denn Sieber verweist darauf: «Die Anlage richtig säubern, das kann nicht jeder.»

Morgen (10 bis 17 Uhr) und Sonntag
(11 bis 17 Uhr) feiern die Eisenbahnamateure ihr 30-Jahr-Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür in ihrem Klublokal im Schulhaus Rebberg.

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