Die Flusseite zu wechseln, ist heute kein Problem mehr. Brücken hat es einige, um die Limmat zu überqueren. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war es wesentlich umständlicher, von Unterengstringen nach Schlieren zu gelangen. Zwischen Zürich und Wettingen existierte damals keine einzige Brücke über die Limmat. Die Leute waren deshalb auf die Fähre beim Kloster Fahr angewiesen.

Obschon sich seither einiges geändert hat, ist die Fähre nicht gänzlich verschwunden. Seit 1981 betreiben der Wasserfahrverein Schlieren und die Seepfadi Zürich mit viel Engagement einen Fährdienst zwischen Schlieren und dem Kloster Fahr. Jeweils an Sonn- und Feiertagen bei guter Witterung transportiert die «Maurizius» zwischen 13 und 17 Uhr Spaziergänger über den Fluss. Am Karfreitag startet die diesjährige Fährsaison und endet nach dem eidgenössischen Bettag, also nach dem 20. September.

Passagiere können sich dann in längst vergangene Zeiten zurückversetzen lassen. Es wird angenommen, dass eine Fähre bereits vor der Gründung des Klosters 1130 existierte. Damals errichtete ein Freiherr von Regensberg eine Stiftung zuhanden des Klosters Einsiedeln, mit der Verpflichtung, auf dem Grund ein Kloster zu bauen. Der Name Fahr oder «Vare» respektive «Var», wie es in der Stiftungsurkunde heisst, deutet darauf hin, dass sich bereits zuvor eine Fährstelle an diesem Ort befand. Allerdings wird vor 1569 kein Fährmann urkundlich erwähnt.

Einen frühen Hinweis darauf, dass die Fähre dennoch wesentlich früher existierte, liefern die Propstsiegel. Auf dem ältesten aus dem Jahr 1243 erscheint ein Schifflein mit zwei Rudern. Ab 1344 zeigt es dann nur noch die gekreuzten Ruder. 1356 verwendet Propst Markward von Grünenberg ein neues Siegel. Statt der zwei gekreuzten Ruder sind nun zwei gekreuzte Fährstachel zu sehen.

Zu den Passagieren der Fähre zählten ganz unterschiedliche Leute. So dürften Pilger aus dem Schwarzwald auf ihrem Weg nach Einsiedeln die Übersetzmöglichkeit genutzt haben. Auch für Unterengstringer Bauern war die Fähre ein wichtiges Transportmittel, denn seit Alters her besassen diese Land auf der linken Limmatseite. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente das Boot auch dem Verkehr mit der Klostermühle, die zu jener Zeit ihre Blüte erlebte.

Auch Schüler mussten die Fähre nutzen, um zur Schule zu kommen. Das erste kantonale Schulgesetz von 1832 schaffte klare Hierarchien für die Volksschule. Für die Grundschule aller Kinder wurden die Gemeinden verantwortlich. Anders war es bei den Sekundarschulen. Der Kanton legte 50 zentrale Sekundarschulen fest. Obschon es in Oberengstringen damals einen geeigneten Schulraum gehabt hätte, wurden die rechtsufrigen Gemeinden Schlieren zugeteilt.

In Unterengstringen wurde aber schon bald der Wunsch nach einer Brücke nach Schlieren laut, weil es dauernd zu Problemen mit dem Fährmann kam. Oft kamen die Sekundarschüler zu spät zum Unterricht. 1844 wurde schliesslich die Unterengstringer Brücke eingeweiht, die Fähre verlor ihre Bedeutung.