Dietikon
Auf der Agglo-Alp tanzt es sich besser

Clubs in der Peripherie haben es generell schwer. Das Alpenrock hat es mit seinem urchigen Konzept trotzdem geschafft und feiert sein 20-jähriges Bestehen.

Flurina Dünki
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Alpenrock 1

Alpenrock 1

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Der Schauplatz: Der Dorfkern eines typischen Schweizer Bergdörfchens. Festbänke säumen den Dorfplatz, die Leute feiern und tanzen. Doch ein Detail verwirrt an diesem Bild: Anstelle von geröteten Firnen leuchten Neonlichter zwischen den Chalets und Ställen hindurch. Die Szene spielt sich lediglich 388 Meter über Meer ab, im Dietiker Silbern-Areal. Dorthin ist der Tanzclub Alpenrock vor drei Jahren gezogen, der heute sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Zum Standort Silbern kam der Club über einen Kunden. 17 Jahre lang war das Alpenrock in Kloten, angrenzend ans Flughafengelände, angesiedelt. Wegen des Überbauungsprojekts «The Circle» mussten die Betreiber 2013 einen neuen Standort für ihren Mix aus Disco und Bergidylle finden.

Wayne van Rooyen, Geschäftsführer «Dank der Unternehmensdichte im Limmattal ist die Zahl der Firmenanlässe seit dem Umzug des Alpenrocks angestiegen»

Wayne van Rooyen, Geschäftsführer «Dank der Unternehmensdichte im Limmattal ist die Zahl der Firmenanlässe seit dem Umzug des Alpenrocks angestiegen»

Zur Verfügung gestellt

Als die Firma Lyreco bei deren Weihnachtsessen im Alpenrock davon erfuhr, schlug sie eines ihrer ehemaligen Hochregallager in Dietikon als Mietobjekt vor. «Im Rahmen des Umzugs prüften wir mehrere Standortoptionen in Flughafennähe, doch waren wir von keiner wirklich überzeugt», sagt Geschäftsleiter Wayne van Rooyen. Das Dietiker Objekt hingegen habe ihnen mit 1400 Quadratmetern ein Flächenausmass nach Alpenrock-Geschmack geboten.

Aargauer Kundschaft

Noch einen Vorteil bot das Limmattal: «Schon in Kloten reisten neben den regionalen Gästen ein grosser Teil der Clubbesucher aus dem Kanton Aargau an. Mit dem Standort Dietikon können wir diesen Teil der Kundschaft sogar noch besser bedienen», so van Rooyen. Der Anteil an Firmenanlässen sei seit dem Zuzug dank der hohen Unternehmensdichte im Limmattal gar noch gewachsen.

Schon 15 Jahre ist van Rooyen Teil der Alpenrock-Leitung, über die Hälfte davon als operativer Leiter. «Mittlerweile habe ich zwei kleine Kinder, da kann ich mit dem Nachtleben nicht mehr so mithalten.» Als Geschäftsführer hat der 40-Jährige nun seit sechs Jahren familienfreundlichere Arbeitszeiten.

An derselben Dietiker Adresse hatten vor dem Alpenrock bereits zwei andere Clubs ihre Türen geöffnet und wieder geschlossen. Der Grund, weshalb viele Agglomerations-Clubs wieder eingehen, sei die falsche Vorstellung bezüglich des Zielpublikums. Dies sagt der Nightlife-Experte Alex Flach, der selber bereits Nachtlokale in der Peripherie der Stadt Zürich beraten hat.

«Die meisten dieser Clubs begehen den Fehler, dass sie einfach das Konzept eines städtischen Tanzlokals kopieren», so Flach. Dabei würden sie es unterlassen, die Bedürfnisse ihrer zukünftigen Zielkundschaft zu eruieren. Diese sei gerade nicht an einem urban geprägten Club interessiert. «Statt grau-schwarzem Interieur will die typische Agglomerations-Kundschaft Farbe, statt Techno will sie Musik aus der Hitparade hören.»

Mit der Idee, die Partygänger in urchiger Bergkulisse tanzen zu lassen, hätten die Alpenrock-Betreiber diese Bedürfnisse von Anfang an richtig erkannt.

20 Jahre Alpenrock

Heute vor 20 Jahren konnten sich die ersten Tanzhungrigen zwischen nachgebauten Miniatur-Chalets die Nacht um die Ohren schlagen. Zum Jubiläum veranstaltet der Club heute ab 22.30 Uhr eine Geburtstagsparty. Die Gäste tanzen zur Musik der Band Patchwork, die Rock und Pop der letzten 60 Jahre spielt und von DJ Vitamin S. Im Restaurant kann zudem ab 18 Uhr gespeist werden.