Energie
Auf den Stromlandstrassen wird es allmählich eng

Regionale und lokale Verteilnetze müssen intelligenter werden. Eine der grössten Herausforderungen dabei ist, dabei den Datenschutz nicht aus den Augen zu verlieren.

Sophie Rüesch
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Regionale und lokale Verteilnetze müssen intelligenter werden. (Archivbild)

Regionale und lokale Verteilnetze müssen intelligenter werden. (Archivbild)

Keystone

Der Schweizer Stromversorgung steht eine Revolution bevor. Noch wird in Bern zwar darüber gestritten, wie die Energiestrategie 2050 genau umgesetzt werden soll. Eines hingegen ist klar: Dem Ausbau erneuerbarer Energien wird dabei grosse Bedeutung zukommen.

Aufgrund der hierzulande hohen Siedlungsdichte heisst das notgedrungen auch: Die Stromversorger müssen sich auf neue, dezentrale Wege, Strom ins Netz zu speisen, vorbereiten. Bei der Solarenergie etwa liegt das Potenzial in der Summe vieler kleiner bis mittelgrosser Photovoltaikanlagen. Die so gewonnene Energie muss aber erst mal ihren Weg ins Netz finden.

«Die Energiewende passiert auf den kleinen ‹Landwegen› der Stromverteilung», erklärte der Energiespeicher-Spezialist der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), Michael Koller, anlässlich der Generalversammlung der Standortförderung Limmattal am Mittwochabend.

Mit «Landwegen» meint Koller lokale, regionale und überregionale Verteilnetze. Bislang funktionierte die Stromverteilung nämlich überwiegend «von oben nach unten», also von den grossen nationalen Übertragungsnetzen auf die kleineren Verteilnetze. Doch nun kommen vermehrt dezentrale Stromerzeuger dazu — zum Beispiel die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Eigenheims.
Um diesen «Gegenverkehr» auf den Stromlandstrassen bewältigen zu können, müsse eine intelligente Stromplanung her, so Koller.

Umso mehr, als die vom Bund geförderten Energiequellen teils starke Schwankungen aufweisen: Nachts und im Winter können etwa Sonnenkollektoren naturgemäss wenig bis gar nichts leisten. Damit die Energie möglichst effizient einsgesetzt werden kann, muss eine intelligente Stromplanung auch auf schwankende Bezugsmuster abgestimmt werden.

Nutzerprofile: Fluch oder Segen?

Die EKZ haben die neuen Herausforderungen früh erkannt. Bereits 2010 haben sie in 1000 Dietiker Haushalten das Pilotprojekt «Smart Meter» begonnen. Dabei zeichnet ein Gerät den Stromverbrauch digital auf und ersetzt damit den herkömmlichen Stromzähler. Wie die Bilanz ein paar Jahre später zeigte, hält sich das erhoffte Stromsparpotenzial zwar arg in Grenzen, wie Urs Rengel, CEO der EKZ, einräumte.

2013 teilten die EKZ trotzdem mit, Smart Metering flächendeckend einzuführen. Für die Planung des Verteilsystems der Zukunft sind die dabei erhobenen Daten nämlich Gold wert: Nur mit detaillierten Nutzerprofilen können die Versorger bei der Entwicklung dieses hoch komplexen «Smart Grids» den Kundenbedürfnissen Rechnung tragen, indem sie Versorgungsengpässe identifizieren und Lösungen dafür suchen. Zudem könnte man so künftig auf den individuellen Strombezug besser abgestimmte Tarife setzen.

Ganz unbedenklich ist das aber nicht, wie der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür in Dietikon erläuterte — zumindest in der Theorie. Thür ist zwar überzeugt, dass Smart Metering datenschutzkonform umsetzbar ist. Doch dafür müssten klare gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und der Privatsphäre her. Werden die Daten zu detailliert — also zum Beispiel in zu kurzen Intervallen — erhoben, könne das Verhalten eines einzelnen Konsumenten bis ins privateste Detail nachverfolgt werden. «Technisch ist es heute möglich, sehr präzise Aussagen über das Verhalten eines Haushalts zu machen.»

Das birgt nicht nur ein Risiko in Hinsicht auf jederzeit mögliche Hackerangriffe. Auch die Datensammler selbst könnten die sensiblen Daten zu ihrem eigenen Nutzen auslegen. EKZ-CEO Urs Rengel pflichtete Thür aber bei: «Natürlich dürfen wir nur die Daten sammeln, die wir wirklich brauchen.»