Schlieren

Auf den Philippinen braucht es keine Wolldecken

Kritik an Philippinen-Hilfe: Ein Mädchen auf der Insel Negros.

Kritik an Philippinen-Hilfe: Ein Mädchen auf der Insel Negros.

Es mangelt vielmehr an Abfallsäcken, Teller oder Schulmaterial, wie Werner Zaugg, pensionierter Patron der Zaug Emballeur AG in Schlieren, weiss. Er unterstützt ein Waisenhaus von Rita Schneider in der Stadt Bustos, nördlich von Manila.

Obwohl es erst im Frühling so weit ist, stehen schon grosse Holzkisten im Schlieremer Industriequartier bereit. Immer wenn neue Spenden bei der Firma Zaugg an der Ballonstrasse 16 eintreffen, wird fein säuberlich protokolliert, was in diese Kisten kommt.

«Die Ladung, die wir letztes Jahr in die Philippinen schickten, wog 700 Kilo und hatte ein Volumen von 4,5 Kubikmetern», sagt Werner Zaugg, pensionierter Patron der Zaugg Emballeur AG. Er lässt seinen Blick über die Auflistung des Inhalts schweifen. Darauf finden sich scheinbar triviale Gegenstände wie Puzzles und Kaffeetassen. Den grössten Teil macht aber Schulmaterial aus: «Stifte und Papier sind sehr gefragt.» Privatpersonen aus Zauggs Umfeld haben die Sachen gespendet.

Im Frühling 2014 soll die Kiste ihre Reise antreten. Auf Kosten des Unternehmens wird sie auf dem Seeweg nach Manila gelangen, wo Rita Schneider sie in Empfang nehmen wird. «Bereits seit Beginn der 1990er Jahre, zuerst finanziell, seit Neustem auch mit Transporten, unterstützen wir Frau Schneider», erklärt Werner Zaugg. Er schaut auf eine lange Freundschaft mit der gebürtigen Französin zurück. Schneider, heute in Portugal wohnhaft, sammelt Spenden für ein Waisenhaus im philippinischen Bustos, rund 70 Kilometer nördlich von Manila.

Sie ermöglicht Blick hinter Kulissen

Einmal monatlich versendet Schneider einen Newsletter, der alle Spender über die Geschehnisse im Waisenhaus informiert. Durch diese Einblicke sei Zaugg umso glücklicher, dass er mit einer Privatperson zusammenarbeite, zu der er ein Vertrauensverhältnis habe. Neben Anekdoten des täglichen Lebens aus dem Waisenhaus beleuchtet Schneider in ihrem Newsletter Missstände.

So berichtet sie von Produktelieferungen von einem grossen Hilfswerk, die für die Philippinen keinerlei Sinn ergeben. In einem E-Mail, das der Limmattaler Zeitung vorliegt, beschreibt Schneider, dass eine Ladung ausgediente Wolldecken der Schweizer Armee im Dorf verteilt wurde. Sie echauffiert sich: «Wir brauchen bei Nachttemperaturen von 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit keine Wolldecken.

Man kann nicht auf ihnen liegen, da man sich sonst wund scheuert.» Aber auch der Nahrungsmitteltransport weist bei grossen Hilfswerken, deren Namen sie nicht nennen will, Lücken auf. So sei Milchpulver angeliefert worden. «Was sollen wir damit?», fragt Schneider. Die meisten Philippinen würden keine Milchprodukte vertragen, da ihnen ein Enzym im Magen-Darm-Trakt fehle.

Produkte, die in der Region wirklich gebraucht würden, seien derweil Mangelware. So habe es zu wenig 120-Liter-Abfallsäcke, um gebrauchtes Verbandsmaterial abzutransportieren. Ausserdem habe es kaum Teller, die meisten Menschen würden ihre Portionen Reis im T-Shirt nach Hause tragen. Alte Bambusmatten, die als Schlafgelegenheit dienen sollen, und Schulmaterial wie Blöcke und Stifte würden ebenfalls immer gebraucht.

Transporte zu überrissenen Preisen

Nicht nur die gespendeten Waren an sich, auch deren Transporart scheint fragwürdig. Werner Zaugg, der während Jahren enge Beziehungen zu asiatischen Kunden pflegte, kritisiert die teuren Preise. «Dass die dort ansässigen Transportunternehmer Geld verdienen wollen, ist verständlich. Aber sie bieten ihre Dienste zu überrissenen Preisen an», so Zaugg. Die Transportkosten von Manila nach Bustos sind in etwa gleich hoch, wie diejenigen für die Route Schweiz Manila. «Das macht mich einfach hässig, dass man da nichts machen kann», sagt er.

Offerten als Schlüssel

Susanne Stahel vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) kennt diese Probleme. «Wir sind schon seit Jahrzehnten auf den Philippinen aktiv und haben ein Büro vor Ort, das von Einheimischen geleitet wird.» Diese seien sich der Bedürfnisse der Menschen bewusst. Das Heks bringe daher keine Wolldecken oder Milchpulver in den fernöstlichen Raum. Auch überteuerte Preise für landesinterne Transporte kämen vor. «Wir schreiben unsere Dienstleistungen aus und holen mindestens drei Offerten ein, meistens mehr.» Stahel rät Rita Schneider, ebenfalls Offerten einzuholen. Denn als Einzelperson sei es oft schwieriger, effiziente Hilfe leisten zu können.

Leser, die Werner Zaugg und Melek Özer helfen wollen, die Kiste für das von Rita Schneider unterstütze Waisenhaus zu füllen, können sie unter info@zauggag.com Kontakt aufnehmen.

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