Unterengstringen
Auf den Lärm folgt der Nachwuchs

Im Mai noch sorgten die Eltern für rote Köpfe. Heute ist Ruhe eingekehrt und kleine Pfauenküken entzücken in der Tierauffangstation Schinzenbrünneli in Unterengstringen.

Carla Stampfli
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Pfauenmama Lourdes mit ihren Küken.
8 Bilder
Wildtierpflegerin Nicole Baumeler mit einem der beiden Küken.
Die Jungen sind vor zwei Monaten geschlüpft.
Pfauennachwuchs
Nicole Baumeler hält eines der beiden Pfauenküken in der Hand.
Die (noch) namenlosen Küken.
Auch der Truthahn hat in der Tierauffangstation Nachwuchs erhalten.
Buddy schnappt sich ein Stück Brot aus der Hand von Nicole Baumeler.

Pfauenmama Lourdes mit ihren Küken.

Carla Stampfli

In der Tierauffangstation Schinzenbrünneli in Unterengstringen ist es an diesem Morgen wie in einem Bilderbuch. Die Enten schwimmen im Teich, die Hunde schleichen zwischen den Tischbeinen des Bistros umher und die drei Pfauen Buddy, Ritschi und Maui haben es sich auf dem Gelände gemütlich gemacht. In der Voliere pickt das Pfauenweibchen Lourdes Futterkörner vom Boden. Hinter dem Federkleid scheint sich etwas zu bewegen. Plötzlich blicken Knopfaugen hervor. Nach und nach zeigen sich zwei Küken in ihrem vollen Federkleid. Auf den ersten Blick deuten nur die Krönchen darauf hin, dass sich aus den beiden flauschigen Jungvögeln einmal stattliche Pfauen entwickeln werden. «Die Krone tragen sie seit einer Woche», sagt die Leiterin der Tierauffangstation, Nicole Baumeler. Noch sind die Küken namenlos, ebenso ist auch das Geschlecht noch nicht bekannt. Das zeige sich, so die diplomierte Wildtierpflegerin, erst nach der Mauserzeit.

Die Pfauen schrien zu laut

Nicht immer war die Stimmung so idyllisch wie an diesem Morgen: Mitte Mai hat ein anonymer Drohbrief die Tierauffangstation erreicht (wir berichteten). Darin beklagten sich «lärmgeplagte Anwohner», dass die Pfauen tagsüber lärmen würden. Auch sei es in der Nacht manchmal so laut, dass an Schlaf nicht zu denken sei. Die anonymen Absender forderten die 43-Jährige auf, die Pfauen abends in die Ställe einzuschliessen, sodass die «Lärmbelästigung aufhört.» Grund für den Lärm war die Balzzeit. In dieser Phase haben die Pfauen Buddy und Ritschi vermehrt nach den Weibchen Maui und Lourdes geschrien. Als Baumeler das Schreiben damals gelesen hat, war sie sprachlos. Einerseits konnte sie sich nicht erklären, warum die «lärmgeplagten Anwohner» nicht das Gespräch gesucht haben. Andererseits fürchtete sie, ihre Pfauen weggeben zu müssen: Im Brief stand weiter, dass «wir alle gesetzlichen Möglichkeiten und andere Mittel ausschöpfen, damit die Belästigung gegenstandslos wird».

Infolge versuchte Nicole Baumeler gemeinsam mit ihrem Freund und ihrem Sohn so gut es ging, die Pfauen abends Richtung Voliere zu jagen. Zudem druckte sie den Brief auf Plakatgrösse aus und stellte ihn an den Wegrand, der durch die Tierauffangstation der Limmat entlang verläuft.

Die Ruhe ist eingekehrt

«Die Balzzeit ist nun vorüber. Die Männchen haben sich wieder beruhigt», sagt Nicole Baumeler. Nur ab und zu würde es zwischen den beiden Männchen einen Rivalenkampf geben. Nachdem auch diese Zeitung auf den Fall aufmerksam gemacht hat, sind bei der Tierauffangstation keine weiteren Drohbriefe eingeflogen. «Vielleicht waren die Absender überrascht, wie ich reagiert habe. Oder sie haben schlicht nicht gewusst, dass sich die Pfauen in der Balzzeit befinden», sagt sie. Vom ganzen Rummel haben die beiden Pfauenküken nichts mitbekommen. Neugierig tapsen sie in der Voliere herum und geniessen die Obhut von Mama Lourdes. «Während der Nacht hält sie die beiden unter ihren Flügeln warm», sagt die Leiterin. Hin und wieder schauen auch die beiden Männchen Buddy und Ritschi an der Voliere vorbei. «Die Erziehung ist aber Weibchensache», sagt Baumeler lachend. Noch gut vier Monate werden die Küken in der Tierauffangstation bleiben, dann wird sie die Jungtiere verkaufen: Rund 150 Tiere umsorgt das «Schinzenbrünneli» bereits, der Platz und auch die finanziellen Mittel sind beschränkt. Und die vier erwachsenen Pfauen? «Die behalten wir. Sie gehören fast schon zur Familie. Ärger hin oder her», sagt Nicole Baumeler.