Urdorf
Auf dem Weg zum Profi: Sandro Koster ist in Schweden persönlich und sportlich gereift

Trotz Schulterverletzung hat das Urdorfer Eishockeytalent Sandro Koster in Schweden spannende und lehrreiche Monate erlebt.

Christian Murer
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Zwischen Sandro Kosters Vorbildern hängt auch ein Poster von ihm aus der vergangenen Saison an der Wand (Mitte oben).

Zwischen Sandro Kosters Vorbildern hängt auch ein Poster von ihm aus der vergangenen Saison an der Wand (Mitte oben).

Christian Murer

Ende Juli zog der junge Urdorfer Sandro Koster nach Schweden, um sich seinen Traum als Eishockeyprofi zu erfüllen. Obwohl er bisher noch nicht so häufig wie erhofft auf dem Eis stehen konnte, habe er in Sundsvall bereits viel gelernt, erzählt der 17-Jährige, der über die Festtage Familie und Freunde in Urdorf besuchte. «In dieser starken Nachwuchsmannschaft habe ich mich während der wenigen Monate persönlich und sportlich weiterentwickelt», sagt Koster.

Nachdem er in der Hafenstadt am Bottnischen Meerbusen angekommen war, absolvierte er ein paar Testspiele mit den U18- und U20-Teams vom IF Sundsvall Hockey. Mit über 600 Mitgliedern gehört der Verein, dessen erste Mannschaft in der dritthöchsten Spielklasse ­aktiv ist, zu den grössten Eishockeyklubs von Schweden. Bis zu zehn Trainingseinheiten absolviert Koster pro Woche. «Als die Meisterschaft anfing, verletzte ich mir beim dritten Spiel das rechte Schultergelenk. Dann konnte ich sieben Wochen nicht mehr aufs Eis», sagt er.

Nach zwei Wochen mit anhaltenden Problemen zweifelte er am Heilungsverlauf und flog in die Schweiz, um sich in der Schulthess-Klinik in Zürich untersuchen zu lassen. Dort entdeckten die Spezialisten eine angerissene Sehne im Schultergelenk. In der Folge fokussierte sich Koster vor allem auf die Physiotherapie, um wieder zu genesen. Im Oktober reiste er zurück nach Schweden und konnte endlich wieder auf dem Eis trainieren. Aber die Freude währte nur kurz: «Dann stoppte Corona den Trainingsbetrieb und der Verband verbot die Abendspiele», sagt Koster, der seine Eishockey-Leidenschaft beim EHC Urdorf entdeckt hatte. Bereits mit vier Jahren stand er auf der Weihermatt erstmals auf dem Eis. Mit neun Jahren folgte er dem Weg vieler anderer EHCU-­Ausnahmetalente wie Dean Kukan oder Chris und Phil Baltisberger und wechselte zur Jugendabteilung der ZSC Lions. Dabei könnte NHL-Spieler Kukan gleich doppelt zum Vorbild werden: Nach seiner Zeit in Zürich zog es ihn ebenfalls nach Schweden, wo er sich erfolgreich für die beste Liga der Welt empfehlen konnte.

Nachdem Koster das Angebot aus Sundsvall erhalten hatte, kündigte er seine Lehrstelle bei der Gemeinde Urdorf, um sein Hobby zum Beruf zu machen. Damit er sich seinen Traum auch finanziell ermöglichen konnte, sammelte Koster im Juli auf «I believe in you», einer Crowdfunding-­Plattform für Sportler, 5410 Franken.

Schwedische Fluchwörter beherrscht er bestens

Zurzeit wohnt Koster in einem Appartement zusammen mit einem gleichaltrigen Schweden und einem Slowaken. «Wir teilen die Küche und das Badezimmer. Ansonsten haben wir eigene Schlafzimmer und einen separaten Wohnraum», erzählt er. Dort hat er schon viel Zeit verbracht: Wegen Corona musste er seine Schulausbildung in Schweden bislang vor allem von zu Hause aus absolvieren. «Das war für mich etwas schwierig. Vor allem um richtig schwedisch zu lernen», betont er. Nur um gleich darauf lachend zu bekennen: «Die schwedischen Fluchwörter beherrsche ich in der Zwischenzeit aber bestens.»

Trotz seines Verletzungspechs hat Koster den Beginn seines Abenteuers in Schweden äusserst positiv empfunden. «Ich bin viel selbstständiger ­geworden», sagt der Urdorfer. Sich im Alltag selbst zu organisieren und für die Gestaltung des eigenen Tagesablaufs verantwortlich zu sein, sei ein ­prägendes Erlebnis gewesen.

Auch auf dem Eis habe er schon einige kleine Höhe­punkte erlebt, erzählt Koster. So konnte er etwa beim Training mit der ersten Mannschaft wertvolle ­Erfahrungen sammeln und in vier Testspielen mit der U18 und der U20 bereits einige Tore erzielen. «Auch was ich beim Carfahren mit dem Team schon alles erlebt habe, ist für mich sehr eindrücklich und nachhaltig», sagt Koster.

Und trotz Schulterverletzung ist auch die sportliche Perspektive des ursprünglich mit einem Einjahresvertrag aus­gereisten Urdorfer Talents sehr positiv, wie er erzählt. «Ich habe vom Nachwuchschef bereits das Angebot für eine ­weitere Saison in Sundsvall ­erhalten.»