Schlieren
Auf dem Stadtplatz sind Politik und Marroni erlaubt, Tanzen und Singen soll man woanders

Der Stadtrat regelt genau, welche Nutzungen auf dem Schlieremer Stadtplatz erlaubt sind und welche nicht.

Alex Rudolf
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Der Schlieremer Stadtplatz dient als Kulisse eines Werbespots für einen grossen Versicherer.

Der Schlieremer Stadtplatz dient als Kulisse eines Werbespots für einen grossen Versicherer.

Screenshot/ Youtube

Drei Kinder, alle im Primarschulalter, patrouillieren auf dem Schlieremer Zentrumsplatz. Ein Passant nähert sich mit Kopfhörern in den Ohren. Als er die Strasse überquert, betätigen die Kleinen ihre Trillerpfeifen, erschrecken den Passanten und weisen ihn zurecht. Er solle nicht Musik hören, sondern auf den Verkehr um sich herum achten: «Luege, lose, laufe.» Diese und ähnliche Szenen aus dem Schlieremer Stadtzentrum zeigt der Versicherer Allianz in einem Werbespot. Damit will er in Erinnerung rufen, dass nicht nur Autofahrer, sondern auch Passanten durch Achtlosigkeit in Gefahr geraten können. Wurde der Zentrumskreisel als Drehort auserwählt, weil es sich um einen schönen Ort handelt? Oder steht er sinnbildlich für viele Verkehrsknotenpunkte, die für Passanten gefährlich werden können? «Wohl eher das Zweite. Der Zentrumskreisel ist zwar überhaupt nicht hässlich, aber halt doch vor allem ein Ort mit viel Verkehr», sagt der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pascal Leuchtmann (SP). Er sei froh, dass das Problem von abgelenkten Fussgängern thematisiert werde. «Weil der Spot in Schlieren spielt, werden ihn möglicherweise besonders Einheimische aufmerksam anschauen», so Leuchtmann. Dies sei positiv.

Während der Stadtplatz als Kulisse für Werbefilme dient, wurde jüngst dessen Nutzung genau geregelt. Oder wie Leuchtmann es ausdrückt: «Wir haben in unserer Stadtplatzverordnung festgehalten, was wir schon seit seiner Fertigstellung vor zwei Jahren leben.» Bis die Verordnung in Kraft tritt, handelt es sich beim Stadtplatz nämlich um öffentlichen Grund, der von allen genutzt werden kann. Dass der auch als Parkplatz missbraucht werden kann, will der Stadtrat damit verhindern. «Wir führen explizit aus, welche Nutzungen erwünscht sind und welche nicht.» Namentlich sind etwa Märkte samt mobilen Marktkaffees, politische Standaktionen und Unterschriftensammlungen willkommen. Auch politische Kundgebungen oder Mahnwachen sowie ein Marroni-Häuschen dürfen mit Erlaubnis der Stadt durchgeführt werden. «Tanzveranstaltungen oder musikalische Aufführungen sehen wir lieber auf dem westlich angrenzenden Kulturplatz oder auf der ‹Pischte 52›», so Leuchtmann. Die Kosten richten sich nach der Gebührenverordnung der Stadt, der zu entnehmen ist, dass monatlich sechs Franken pro Quadratmeter zu entrichten sind.

Nicht jeder Platz erhält ein eigenes Reglement

Drei Arten der Nutzung werden dabei unterschieden. Für die Erste, den Gemeingebrauch, ist keine Bewilligung nötig und sie ist gebührenfrei. Darunter dürfte etwa ein privates Picknick fallen. Bei der zweiten Nutzungskategorie, dem gesteigerten ­Gemeingebrauch, wird die Nutzung des Platzes für andere Benutzer beeinträchtigt. Stark ­beeinträchtigt oder gar ausgeschlossen wird die Nutzung des Platzes durch andere, wenn eine Sondernutzung, die dritte Kategorie, vorliegt. Besonders sticht heraus: Weder das Dach noch die Säulen dürfen genutzt werden. Und an Ruhetagen und während der Nachtruhe soll es auch auf dem Platz ruhigbleiben. Leuchtmann dürfte in seiner Funktion als Sicherheitsvorstand jedoch Ausnahmebewilligungen erstellen.

«Es ist nicht beabsichtigt, dass in Zukunft jeder Platz in Schlieren ein eigenes Reglement erhält», sagt Leuchtmann. Höchstens die Nutzung der «Pischte 52» oder die der Grünen Mitte, dem künftigen Stadtpark, könnten als Ganzes in einer Verordnung geregelt werden. «Dies allerdings erst nach Abschluss der aktuell laufenden Testphase, also frühestens in zwei bis drei Jahren.»

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