Schlieren

Auf dem Chilbiplatz gibts kein Park’n’Rail

Die Bauvisiere für die SBB-Überbauung lenkten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit Anfang Jahr auf die wegfallenden Parkplätze.

Die Bauvisiere für die SBB-Überbauung lenkten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit Anfang Jahr auf die wegfallenden Parkplätze.

Bürgerliche sind unzufrieden, weil die Parkplätze beim Bahnhofplatz nicht ersetzt werden.

Nun ist es amtlich: Für die Park’n’Rail-Anlage beim Schlieremer Bahnhof wird kein Ersatz geschaffen. Dies ist einer Antwort des Stadtrats auf ein Postulat von Gemeinderat Jürg Naumann (QV) zu entnehmen. Nachdem Anfang Jahr bekannt geworden war, dass die SBB die 52 Parkplätze westlich des Bahnhofgebäudes aufheben, um an ihrer Stelle eine Wohnüberbauung mit Gewerbenutzung zu erstellen, forderte Naumann den Stadtrat auf, nach einem Ersatzstandort zu suchen. Als mögliche Alternative nannte er in seinem Vorstoss das Gebiet beim Chilbiplatz.


In seiner Antwort schliesst der Stadtrat am vorgeschlagenen Standort eine oberirdische Parkierung aber aus. An der Limmattalbahn-Haltestelle Geissweid, die dort 2019 in Betrieb genommen werden soll, sei vielmehr «ein attraktiver, baumbestandener Platz» vorgesehen. Dass die Park’n’Rail-Anlage beim Bahnhof ersetzt wird, ist laut Stadtrat «gar nicht nötig»: Die künftigen kommunalen und regionalen Richtpläne würden einzig definieren, dass nördlich und südlich des Bahnhofs eine Möglichkeit bestehen muss, in der Nähe der Perrons zu parkieren.

«Dies ist aber bereits heute mit der Anlage im Parkside und der bestehenden oberirdischen Park’n’Rail-Anlage an der Rütistrasse sichergestellt», schreibt der Stadtrat. Und gegen die geforderten Parkplätze ist in seinem Bericht auch das Argument zu lesen, dass man den motorisierten Verkehr nicht ins verkehrstechnisch zu entlastende Zentrum lotsen solle.


FDP verweist auf Sicherheit


Im Stadtparlament sind gerade die bürgerlichen Parteien wenig erfreut über den Bericht der Exekutive: Bereits als die SBB Anfang Jahr als Alternative für die wegfallenden Park’n’Rail-Parkplätze das unterirdische Parking in der Parkside-Überbauung vorschlugen, löste dies Kopfschütteln aus. So gab etwa Barbara Angelsberger, die Präsidentin der Schlieremer FDP, zu bedenken, dass Frauen nachts Tiefgaragen wegen des Sicherheitsgefühls ungern nutzen würden.


Ihr Fraktionschef im Parlament, Lucas Arnet, betont auf Anfrage erneut, dass es die Sicherheitsbedenken der Frauen ernst zu nehmen gelte. Die FDP sei «nicht glücklich» mit der künftigen Parkiersituation beim Bahnhof.

Dennoch will seine Partei das Postulat am Montag abschreiben lassen: «Wir glauben, dass der Stadtrat abgeklärt hat, was er gemäss dem Vorstoss abklären sollte», so Arnet. Wichtig sei seiner Partei, dass die Stadtbevölkerung wirkungsvoll auf die weiterhin bestehende Park’n’Rail-Anlage an der Rütistrasse hingewiesen werde, weil diese vielen Schlieremerinnen und Schlieremern noch unbekannt sein dürfte.


Postulant Naumann selbst wollte sich vor der Behandlung seines Vorstosses im Parlament nicht zur Thematik äussern. Es wird sich erst am Montag zeigen, ob er bereit ist, sein Postulat abschreiben zu lassen. Klar ist: Die FDP ist nicht die einzige der bürgerlichen Parteien, die mit dem künftigen Parkier-Angebot beim Bahnhof nicht zufrieden sind.

SVP-Fraktionschef Beat Kilchenmann sagt, dass seine Partei im Grundsatz klar der Meinung sei, «dass es weiterhin den einen oder anderen oberirdischen Parkplatz beim Bahnhofplatz braucht». Im Parlament werde man sich in der Frage, ob das Postulat abzuschreiben sei oder nicht, nach Naumann richten. Kilchenmann glaubt jedoch, dass ein politischer Kampf für oberirdische Parkplätze auf der Seite des Bahnhofplatzes schlechte Erfolgsaussichten hätte.

«Absolut unglücklich» ist die CVP/EVP-Fraktion über den Bericht des Stadtrats, wie Fraktionschef Rolf Wegmüller (CVP) sagt: «Das Sicherheitsgefühl in der Tiefgarage der architektonischen Missgeburt Parkside ist schlicht ungenügend.» Das höre er auch immer wieder in Gesprächen mit Schlieremer Einwohnern. Dennoch sei seine Fraktion bereit, das Postulat abzuschreiben.


Linke findet Park’n’Rail sinnlos


Die Linke stellt sich klar hinter den Abschreibungsantrag des Stadtrats: «Es macht wenig Sinn, bei einem Zentrumsbahnhof wie in Schlieren eine Park’n’Rail-Anlage aufrechtzuerhalten», sagt Walter Jucker (SP), Fraktionspräsident der SP/Grünen. Die Einrichtung führe zu unerwünschtem Verkehr im Zentrum. Der Bahnhof sei mit dem öffentlichen Verkehr oder Velo gut erreichbar.


Ursprünglich war der Baustart auf der SBB-Parzelle in diesen Monaten vorgesehen. Das Baugesuch wurde zwischenzeitlich von der Exekutive bewilligt. Die Bewilligung ist aber bis jetzt noch nicht rechtskräftig, weil ein Rekurs eingegangen ist. Laut Stadtratsbericht sind die Verhandlungen zwischen der Bauherrschaft, der Rekurrentin und der Stadt im Gange.

Rolf Wegmüller, CVP-Gemeinderat

Rolf Wegmüller, CVP-Gemeinderat

«Das Sicherheitsgefühl in der Tiefgarage der architektonischen Missgeburt Parkside ist schlicht ungenügend.»

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