«Wir haben es hier so schön, ich möchte wirklich nicht tauschen», sagt Rahel Helfenberger, während sie ihren Blick über den Hof schweifen lässt. Man glaubt es ihr sofort: Der Haldenhof in Aesch, den sie seit 15 Jahren ihr Eigen nennt, ist idyllisch gelegen. Hier wohnt die 42-Jährige zusammen mit ihrem Mann Roland Helfenberger und den drei Töchtern und einem Sohn.

Dass sie hier gelandet ist, kann man als eine Rückkehr nach Hause bezeichnen, denn sie ist schon auf dem Hof gross geworden. Nachdem sie die Bäuerinnenschule und eine Lehre als Floristin abgeschlossen hat, hat sie ihrem Vater immer wieder unter die Arme gegriffen und auf dem Hof ausgeholfen. Im Jahr 2002 übergab er ihr dann den gesamten Betrieb. «Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt Helfenberger und fügt hinzu: «Ich glaube, meine Geschwister waren froh, dass sie nicht mussten.»

Sofort loslegen konnte die Familie auf dem Hof allerdings nicht. «Die Anlagen und Geräte waren alle alt und landwirtschaftlich hätte der Hof viel zu wenig abgeworfen», sagt Helfenberger. «Zudem wollte mein Mann auch weiterhin als Förster tätig sein und es wäre nicht möglich gewesen, nebenbei noch den Hof zu betreuen.» In einem ersten Schritt entschieden sie deshalb, eine Umzonung vorzunehmen. Aus dem landwirtschaftlichen Hof sollte ein Reithof werden. Mit diesem Entschluss begann ein langer Weg, verbunden mit viel Geld und Bürokratie.

«Die Bewilligungen, die wir damals brauchten, kosteten ein halbes Vermögen», sagt Helfenberger. «Ohne die Unterstützung von meinem Vater wäre das gar nicht möglich gewesen.» Bald konnte sie die ersten Reitstunden anbieten. Diese finden heute noch an allen Wochentagen von 14 bis 19 Uhr statt. Nachdem ihre beiden ältesten Töchter begeistert aus Reitlager zurückkehrten, kam bei Helfenberger auch der Wunsch auf, solche anzubieten. Zudem müsse man sich seine finanziellen Quellen suchen, wenn man im Besitz eines Hofes sei, sagt sie. Die Rückmeldungen auf die ersten Reitlager waren grossartig. «Heute haben wir bereits Wartelisten.»

Die Natur anbieten

Zu der neuen Herausforderung als Reitlehrerin kam ihre alte Tätigkeit mit Waldspielgruppen hinzu. Schon früher war sie zweimal in der Woche mit Kindern im Wald unterwegs gewesen und verbrachte dort die Morgenstunden. Nach der Hofübernahme beschloss sie, diese Aufgabe wieder aufzunehmen. Nach einer Spielgruppenausbildung folgte die Weiterbildung zur Waldspielgruppenleiterin. Die Arbeit liegt ihr am Herzen: «Es gibt so viele Kinder, denen es nicht möglich ist, in der Natur herumzuspringen», sagt sie und deutet auf das angrenzende Waldgebiet. «Wir haben dort oben unser eigens Znüni-Plätzchen.» Manchmal werden auch die Ponys aus den Ställen geholt und begleiten die Kinderschar.

«Mit den Kindern in den Wald zu gehen, ist so eine schöne Sache. Sie können spielen und werken und entdecken, wie es ihnen gefällt. Es ist herrlich, zu beobachten, wie zufrieden sie dann sind.» Helfenbergers Traumberuf war ursprünglich Kindergärtnerin, aber sie sei «zu wenig schlau gewesen», sagt sie und lacht. Mit den fast hundert Kindern, welche die diversen Angebote auf dem Haldenhof nutzen, erfülle sich der Traum nun doch noch, einfach auf eine etwas andere Weise.

Rückzugsort ist genug vorhanden

Wie schützt sie ihre eigene Privatsphäre, wenn täglich so viele fremde Menschen in ihr Reich kommen? «Das Ganze muss nur gut organisiert sein, dann funktioniert das tipptopp», sagt Helfenberger. Auch ihre Kinder hätten noch nie darüber beklagt, dass sie sich nicht zurückziehen könnten. Ihre beiden grösseren Töchtern, die 16 und 18 Jahre alt sind, sind in der Lehre und sowieso den ganzen Tag unterwegs. Ihre 13-jährige Tochter Michelle blüht richtiggehend auf, wenn sie auf dem Hof ist. «Es ist cool, weil immer etwas läuft», sagt sie. «Es ist immer Action. Und wenn ich mal meine Ruhe will, kann ich in mein Zimmer gehen. Wir haben alle unser eigenes.» Michelle geniesse es, wenn viele Kinder auf dem Hof seien, sagt die Mutter. «Sie hilft bei Reitlagern gerne mit. Und Manuel, mit zwölf der Jüngste, ist, was das Landwirtschaftliche angeht, sehr fleissig.»

Auch für ihn sei es nichts Unangenehmes, wenn viele Kinder anwesend seien. Schon als die Kinder noch klein waren, sei immer jemand vom Landdienst auf dem Hof gewesen und jeweils praktisch ein Teil der Familie geworden. «Ich bin auch so aufgewachsen, dass zu jeder Zeit Leute auf dem Hof waren», sagt Helfenberger. Für ihren Mann, der sich mittlerweile daran gewöhnt habe, sei es eine Umstellung gewesen. Einen Ausgleich zu haben, sei darum wichtig. Helfenberger holt ihren bei den Pferden. Hier kann sie Kraft tanken. «Wenn es stressige Wochen sind und ich nicht zum Reiten komme, macht sich das bemerkbar.»

Stille Nacht

Wenn der Hof meistens voll ist, sei es an Weihnachten schön, nur einmal als Familie zusammen zu sein, sagt Helfenber – obwohl es dann natürlich auch mehr Arbeit gebe. «Dann vermisse ich unsere Angestellten schon», sagt sie und lacht. Neben einer angehenden Pferdefachfrau, einer Reitlehrerin und einer Waldspielgruppenhilfe sind auch ein Hilfsarbeiter und eine administrative Unterstützung auf dem Hof und bieten eine grosse Stütze. Wenn an den Wochenenden alle ihre Freitage einziehen, müsse eben die Familie mehr mitanpacken, sagt Helfenberger: «Mit so einem Hof hat man nie frei.» Aber das sei in Ordnung: «Ich geniesse es, hier zu sein und meiner Arbeit nachzugehen.» Schlaflose Nächte weil sie die Gedanken an ihren Hof wachhielten, hatte sie jedenfalls noch nie. «Dafür bin ich jeden Abend wirklich zu müde.»

Draussen zu Hause: Sarah Wauquiez