Schlieren

Auf Balkon gebrütet: Enteneier fielen dem Marder zum Opfer

Die Entenfamilie im letzten Jahr (links). Heinrich Lüthi zeigt, wo die Stockente gebrütet hat.

Die Entenfamilie im letzten Jahr (links). Heinrich Lüthi zeigt, wo die Stockente gebrütet hat.

Seit fünf Jahren brütete eine Stockente auf dem Balkon von Heinrich Lüthi ihre Jungen aus. Dieses Jahr ging die Geschichte traurig aus: Die Eier wurden gefressen.

Heinrich Lüthi schiebt die Äste des Strauchs zur Seite und zeigt auf die leere Stelle, wo vor drei Wochen noch eine Ente genistet hat. Die Geschichte liess viele schmunzeln: Ein pensionierter Schlieremer Metzger, der sich fürsorglich um eine alljährlich wiederkehrende Stockente kümmert.

Bereits zum fünften Mal hat sich das Tier dieses Jahr auf seiner Terrasse eingenistet, um geschützt vor Wildtieren ihre Eier ausbrüten zu können (wir berichteten). Doch dieses Jahr nimmt die Geschichte leider ein trauriges Ende: In zwei Nächten hat ein Marder den Weg auf Lüthis Terrasse gefunden und alle zwölf Eier gefressen.

Das Netz half nichts

«Als ich am ersten Morgen auf den Balkon ging, sass die Ente nicht wie üblich in ihrem Nest, sondern stand im anderen Topf. Vor ihr lagen drei Eier», erzählt Lüthi. Das Nest daneben war leer. «Es war, als wollte sie mir sagen, dass ihre Eier geholt wurden.» Als die Ente wegflog, habe er die drei Eier wieder ins Nest gelegt. Da Lüthi nicht wusste, ob Raubvögel das Nest geplündert hätten, spannte er ein Netz um den Strauch, unter dem die Ente nistete. «Am darauffolgenden Morgen waren aber auch die übrigen Eier weg», so Lüthi.

Dass Krähen oder andere Wildvögel die Eier gefressen hätten, schliesst er inzwischen aus. «Raubvögel sind tagaktiv. Das Nest wurde aber in der Nacht geplündert, tagsüber hätte ich sicher etwas bemerkt.» Lüthi vermutet, dass ein Marder, der in den leerstehenden Fabrikanlagen neben seinem Haus lebt, die Eier geholt hat. «Am Fuss der Feuerleiter, die zur Terrasse führt, hat es einen Spalt im Gitter. Dort ist das Tier vermutlich durchgekrochen.» Die Feuerleiter sei der einzige Ort, den Lüthi nicht gesichert habe. «Mir ist die Lücke beim Gitter vorher nicht aufgefallen.»

«Ich warte auf nächstes Jahr»

Man merkt Lüthi an, dass ihm die Geschichte nahe geht. «Ich habe dieses Tier sehr lieb gewonnen.» Er sei immer schon ein tierliebender Metzger gewesen, sagt er. «Es hat mir auch in meinem Beruf immer wehgetan, Tiere schlachten zu müssen.» Auch für den Marder habe er Verständnis: «Der muss schliesslich auch von etwas leben.» Nächstes Jahr will sich Lüthi deshalb besser vorbereiten. «Ein Förster hat mir eine Marderfalle versprochen», sagt er. «Damit verschaffe ich mir wenigstens die Gewissheit, dass es tatsächlich ein Marder war.» Denn dass die Ente nächstes Jahr wieder kommt, davon ist Lüthi überzeugt.

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