Ein schöner Samstagnachmittag neigt sich dem Ende zu. Die letzten Sonnenstrahlen erhellen den Platz vor der Stadthalle Dietikon. Die Stimmung ist friedlich, es liegt Vorfreude in der Luft. Es ist ein schönes Bild, das sich dem Betrachter zeigt: Es wimmelt nur so von Menschen in farbigen Trachten.

Die Stadtjodler Dietikon, die Alphorngruppe Reussblick und die Gruppo Folk Radici di Calabria Zugo machen sich bereit, um unter dem Motto «Hol dir en Stern» am jährlichen Jodler-Abig aufzutreten. Die kalabrische Tanzgruppe bringt etwas südländischen Schwung ins Programm. Sie jodeln nicht, dafür tanzen sie, was das Zeug hält.

«Sie gehören nach Dietikon»

Von der Aufregung, die im Vorfeld um den Auftrittsort der Stadtjodler herrschte, ist am Anlass wenig zu merken: Nach dem letzten Konzert verkündeten die Stadtjodler, sie könnten sich die Stadthalle nicht mehr leisten und müssten nach 42 Jahren in Dietikon nach Wettingen ausweichen.

Nach einigem Hin und Her und diversen Gesprächen fand man sich aber doch wieder. Am Samstagabend fanden auch viel auswärtige Jodlergruppen und Besucher den Weg nach Dietikon. Sie waren wegen der Liebe zum Jodeln gekommen. Viele sind schon seit Jahren immer wieder in Dietikon dabei.

Dass der traditionelle Jodlerabend immer noch am gleichen Ort stattfinden kann, freute die meisten: «Die Stadtjodler gehören nach Dietikon, schon nur wegen dem Namen», sagte eine ältere Dame, die selbst Mitglied in einem Trachten-Chor ist. Besucher aus Bremgarten fanden, es wäre «himmeltraurig» gewesen, wenn die Stadtjodler nach Wettingen hätten ausweichen müssen. Ein anderer Besucher war sich sicher, dass das Fest «vergheie» würde, wenn es an einem anderen Ort stattfinden müsste.

Die Stadtjodler: «Hol dir en Stärn»

Die Stadtjodler: «Hol dir en Stärn»

In der Moderation des Abends fiel kein Wort über die Schwierigkeiten im Vorfeld. Wally Schneider, Volksmusikerin aus Koppigen, Bern, konzentrierte sich in ihren Ansagen auf eine harmonische, bildhafte Sprache. Als sie die Alphorngruppe Reussblick ankündigte, erzählte sie vom viertgrössten Fluss der Schweiz, der Reuss. «Manchmal ist sie ruhig, manchmal wild, kräftig, quirlig, schäumend, reissend, lebensfreudig. Man könnte sagen: Fantasievoll und wandelbar.»

So habe die Reuss klare Parallelen mit den musikalischen Gästen, die ihren Namen tragen. Die seien auch fantasievoll, wandelbar und lebensfreudig. Und sie hatte recht. Betrachtete man die Instrumente, welche die Alphorngruppe mitgebracht hatte, so war sie kreativste Formation des Abends. Hirtenhörner, Muscheln, Kuhhorn und sogar das seit der Fussball-WM bekannte Vuvuzela-Blasrohr gehörten zu ihrem Repertoire. Zudem hatten sie einen «Schmied» dabei, der den Takt eines Liedes auf seinen Amboss schlug.

Präsent auf der Bühne

Viel Ausdauer bewiesen die Stadtjodler Dietikon, die als Gastgeber auch am häufigsten auf der Bühne standen. Sie sangen als Chor, in Duetten, im Sextett und im Terzett. Unter der Leitung von Ruth Matter Riedi gaben sie «Hol dir en Stärn» von Komponist Alex Eugster zum Besten, «Es Fäscht für mis Härz» von Marie-Theres von Gunten, «Abästärn» von André von Moos und Vieles mehr.

Stadtjodler-Präsident Franz Vogel zeigte sich zufrieden mit dem Anlass. Obwohl man den Eintrittspreis leicht habe anheben müssen, von 15 auf 20 Franken, seien etwa gleich viele Besucher wie in den Jahren zuvor erschienen: rund 500.