Peter Rosenasts Energievorrat scheint nicht enden zu wollen. Gleich zu Beginn des Gesprächs erzählt er im Zusammenhang mit seinen soeben beendeten Seniorenferienwochen von einer Teilnehmerin und deren Sohn, der den Waldbränden von Portugal knapp entronnen ist. Der Geroldswiler hofft auf die zugesagte Unterstützung der EU, und wenn dies nicht klappen würde, «müsste man halt von hier aus ein Projekt lancieren», sagt er. Es scheint, als hätte der frisch pensionierte Sozialdiakon das Gefühl, noch lange nicht genug getan zu haben. Dabei hat er in den 38 Jahren seines Schaffens für die reformierte Kirchgemeinde Weiningen viel bewirkt. Nun ist er pensioniert worden.

Ursprünglich wollte Rosenast Sekundarlehrer werden. Doch die Idee habe er bald darauf in den Wind geschossen und sich stattdessen dazu entschieden, Religionslehrer zu werden, erzählt er. «Ich wollte auf keinen Fall immer wieder dasselbe tun», so Rosenast. «Zudem ist man auch stets mit dem Druck von oben und unten konfrontiert. Ich war überzeugt, als Religionslehrer die grössere Erfüllung zu finden.»

Herausforderungen gesucht

Im Dezember 1978 begann er als Jugendarbeiter in der Kirchgemeinde Weiningen, zu der auch Unterengstringen, Geroldswil und Oetwil gehören. Schon im ersten Jahr gründete er mit jungen Leitern die Bueben-Cevi, während seine Frau die Mädchen-Cevi führte. Wenig später ging es in erste Kurse und Lager. Anfänglich gab er daneben auch Religionsunterricht an der Oberstufe Weiningen. Weil er vielseitig begabt war, erhielt er auch organisatorische, handwerkliche und zunehmend Informatik-Aufgaben. Unter anderem war er für die Erstellung der Kirchgemeindezeitung zuständig.

Nach fast 20 Jahren entschied sich Rosenast, eine Veränderung anzustreben. Den Wechsel zur Kirchenpflege und der Seniorenarbeit empfand er als spannende Herausforderung. Um optimal vorbereitet zu sein, besuchte er sogar extra noch ein dreijähriges Seminar für Altersarbeit.
Eines der ersten Projekte, das er im Rahmen seiner neuen Tätigkeit in Angriff nahm, war ein regelmässiges Treffen von in der Seniorenarbeit aktiven Gruppen der Kreisgemeinde wie Pro Senectute, Seniorenclubs und Seniorenrat. Dort wurden Angebote koordiniert, was zur Folge hatte, dass Anlässe gemeindeübergreifend wurden.

Die Kunst, gelassen zu bleiben

Das Vertrauen der Senioren zu gewinnen, sei eine Frage der positiven Erlebnisse, die man miteinander mache, sagt Rosenast. Es sei auf jeden Fall nützlich, wenn man in Krisensituationen gelassen bleiben könne. «Ich habe immer probiert, den Weg zu suchen, der im Moment der hilfreichste ist», sagt Rosenast.

Es sei ihm wichtig gewesen, stets ein offenes Ohr zu haben, sagt er. «Wenn jemand in mein Büro kam, was oftmals der Fall war, dann hatte ich immer Zeit. Und wenn ich gerade mit einer Arbeit zugange war, erledigte ich sie einfach später.»

Seine Tätigkeit habe ihn viel Gelassenheit gelehrt. Und wie wichtig es sei, stets authentisch zu bleiben. Seine Arbeit sei für ihn ein «Traumjob» gewesen, sagt Rosenast. «Der Aufgabenbereich war überaus vielseitig und es war möglich, spontan und kreativ zu sein.» Gerade während der Seniorenferien habe er immer die Freiheit der Gestaltung genossen. «Wir hatten unterwegs keinen Zeitplan, der uns einschränkte. Wenn es uns an einem Ort gefiel, dann blieben wir einfach eine halbe Stunde länger. Und bei schlechtem Wetter fuhren wir mit unseren Mietbussen an ein sonnigeres Plätzchen. Ich plante da immer Fluchtmöglichkeiten ein.»

Warum Rosenast fast vier Jahrzehnte bei der Kirchgemeinde geblieben ist, erklärt er mit einfachen Worten. «Es hat mir hier gefallen, und ich hatte bald gute Beziehungen zu den Menschen.» Fünf Monaten nach seinem Antritt habe er geheiratet. «Meine Frau hat mich immer unterstützt und mir den Rücken freigehalten.»

Begegnung auf Augenhöhe

Dass er manchmal selbst zu kurz gekommen sei, bestreitet er. «Was heisst, zu kurz gekommen? Wenn ich mit den Menschen Freude erlebe, ist das für mich Erfüllung.» Das Bedürfnis, einen ganz anderen Weg zu gehen, habe er nie verspürt. Hindernisse habe es manchmal schon gegeben. «Aber im Gespräch fanden wir immer eine Lösung.» Auch darauf basiert Rosenasts Philosophie: «Es ist mir wichtig, dass man einander auf der gleichen Ebene begegnet.» Er freut sich darauf, auch nach seiner Pensionierung in der Seniorenarbeit aktiv zu sein, und darauf, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Mit sieben Enkeln werde es ihm nicht langweilig, sagt er schmunzelnd.