Integration
Auch in Dietikon verweigerte ein Schüler den Händedruck - heute verfolgt die Schule eine härtere Linie

Auch Dietikon hatte einen Fall, bei dem ein Schüler aus religiösen Gründen den Händedruck verweigerte. Heute pocht Schulleiter Gerold Schoch auf das Einhalten von Gepflogenheiten

Alex Rudolf
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An der Dietiker Schule wird heute eine härtere Linie verfolgt.

An der Dietiker Schule wird heute eine härtere Linie verfolgt.

schule-dietikon.ch

Das Händeschütteln wird zum Politikum. Weil die Schulbehörde im Basellandschaftlichen Therwil zwei muslimischen Schülern erlaubt, ihrer Lehrerin das Händeschütteln zu verweigern, hagelt es Kritik. Politiker von links bis rechts verurteilen die Handhabung dieses Zwischenfalls. Auch in Dietikon ereignete sich etwas Vergleichbares.

Vor drei Jahren weigerte sich ein Schüler der dritten Sek nach einem Ferienkurs in einer Koranschule, Lehrerinnen die Hand zu geben, wie der Dietiker Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani (SVP) vor einem Jahr, als der Fall publik wurde, gegenüber der Limmattaler Zeitung bestätigte. Der Vorfall sei im Anschluss vom Unterrichtsteam besprochen worden und Lehrpersonen hätten das Gespräch mit dem Vater des Schülers gesucht. Gerold Schoch, Leiter der Dietiker Schulabteilung, verwies darauf, dass man eine Lösung gefunden habe, die für alle stimmte und dass man den Schüler nicht dazu gezwungen habe, Lehrerinnen die Hand zu reichen. «Dabei ist jedoch zentral, dass es sich um einen Einzelfall handelte», so Schoch damals.

«Wir staunen und finden, dass es sich um ein falsches Signal handelt.» Gerold Schoch, Leiter der Dietiker Schulabteilung

«Wir staunen und finden, dass es sich um ein falsches Signal handelt.» Gerold Schoch, Leiter der Dietiker Schulabteilung

Limmattaler Zeitung

Einzelfall ohne Aussagekraft

Seither hat die Dietiker Schule ihre Haltung geändert. Auf Anfrage sagt Schoch heute, dass man die Handhabung des Falls Therwil nicht nachvollziehen könne. «Wir staunen und finden, dass es sich um ein falsches Signal handelt», so Schoch. So seien er wie auch Schulvorstand Balbiani der Ansicht, dass ein Händedruck in unserem Kulturkreis ein Zeichen des Respekts sei. Die heutige klare Positionierung begründet Schoch damit, dass sich die Welt in den vergangenen drei Jahren verändert habe: «Schulen sind heute sensibilisiert auf diese Thematik. Damals war es ein isolierter Einzelfall ohne grosse Aussagekraft.

Mit den Winterthurer Dschihadisten und der Rekrutierung salafistischer Gruppen muss man Signale heute ernst nehmen», so Schoch. So werde, missachtet ein Schüler oder eine Schülerin Anweisungen der Lehrperson, erst das Gespräch mit dem Schüler, dann jenes mit den Eltern gesucht. In Dietikon hätten sich bis anhin stets Lösungen finden lassen. Sanktionen, wie Bussen oder Schulverweise, deren Anwendungsbereich vom kantonalen Schulamt festgesetzt werden, seien in jedem Fall der letzte Schritt. Laut Schoch ist es in Dietikon noch nie dazu gekommen.

Nur wenige haben Mühe mit Kultur

«Es ist wichtig, zu betonen, dass es ein verschwindend kleiner Teil der Schülerschaft aus muslimischen Ländern gibt, die sich nicht an die hiesigen Gepflogenheiten halten möchten», so Schoch. Es handle sich um absolute Einzelfälle. In seinen Augen sollte man solche Ereignisse auch nicht dramatisieren, da Schüler in diesem Alter oft die Grenzen austesten.
Auch Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands, hält das Händeschütteln für ein wichtiges Ritual. Jede Lehrperson müsse selber entscheiden, wie sie die Begrüssung handhaben wolle. Die Einfügung einer speziellen Regelung für muslimische Schüler ist für Lätzsch aber kein Thema: «Es ist schwierig, wenn ein Schüler den Handschlag oder den Augenkontakt verweigert. Mir stellt sich die Frage, ob jene Schüler den Respekt aufbringen können, um Anweisungen der Lehrerinnen während der Schulstunde entgegenzunehmen», so Läztsch gegenüber «Tele Züri».

Sakib Halilovic vom Vorstand des islamischen Dachverbands Zürich (VIOZ) sowie Schlieremer Imam verweist zudem darauf, dass in keiner Passage des Korans der Händedruck zwischen Mann und Frau untersagt ist. «Lediglich Berührungen, die zu Unzucht führen können, sind verboten», so Halilovic. Daher sieht er keinen Grund, das Reichen der Hand gegenüber Lehrerinnen zu verweigern. «Dies, weil es sich um eine kulturelle Gepflogenheit handelt», so Halilovic.