Kloster Fahr
Auch in der Kirche ändert die Mode - nur langsamer

Der kleine Saal, in dem Priska Schmid ihre Kundinnen und Kunden empfängt, wirkt festlich. Hier stellt sie die unterschiedlichsten Gewänder aus: Farbig, kräftig und in Handarbeit hergstellt - Das sind die Markenzeichen ihrer Textilien.

Dominic Kobelt
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Priska Schmid zeigt Stoffmuster aus der Weberei des Klosters Fahr

Priska Schmid zeigt Stoffmuster aus der Weberei des Klosters Fahr

KOB

Die Sonne scheint durch die hohen Fenster und taucht den Holzboden in ein warmes Licht. Schlicht, aber genauso festlich präsentieren sich die Gewänder und Umhänge, die entlang der Wand aufgereiht sind. Einige in kräftigem Rot, Grün oder Violett, andere in zartem Weiss. Der Stoff fühlt sich anders an als die Textilien aus dem Kaufhaus - die Handarbeit ist spürbar. Stolas, Messgewänder, Tuniken, Alben, Dalmatiken, Tauf- und Kommunionkleider, Ministrantengewänder, Altar- und Kelchtücher werden im Kloster Fahr hergestellt.

«Auch bei sakralen Textilien - sogenannten Paramenten - wechselt die Mode», sagt die Textilfachfrau Priska Schmid. Die Entwicklung sei aber viel langsamer als bei der «gewöhnlichen» Mode. «Die Gewänder müssen den heutigen Ansprüchen gerecht werden - ein Gewand repräsentiert auch eine Funktion innerhalb der Kirche», sagt Schmid. Die erste weltliche Leiterin der Fahrer-Paramenten-Werkstatt kleidet Diakone, Priester und Ministranten ein. «Mit der Kirche verändern sich auch die Textilien.» Eine der neuen Anforderungen seien beispielsweise Gewänder für Frauen.

Wissen droht verloren zu gehen

Fachfrau Paramentik ist ein Beruf, den man nicht lernen kann. «Das Fachwissen muss man sich selber aneignen», sagt die diplomierte Handweberin. Neben der Ausbildung zur Sozialarbeiterin hat sie im Kloster Eschenbach als Weberin gearbeitet. Danach arbeitete sie einige Jahre Teilzeit als selbstständige Handweberin. «Man kann davon nicht leben, aber mein Herz schlug immer für das textile Gestalten», sagt Schmid.

Nun arbeitet sie Montag bis Mittwoch im Kloster Fahr und hat Grosses vor: «Ich möchte die Werkstatt in die Zukunft führen.» Damit meint sie nicht nur, sich den Anforderungen anzupassen - sie will auch ein Stück Tradition und Kultur erhalten: «Lange wurde das Wissen, das es für die Herstellung von sakralen Textilien braucht, von den Schwestern nur mündlich weitergegeben», sagt Schmid. Fehle der Nachwuchs, dann gehe dieses Wissen verloren. Deshalb ist Schmid auch mit dem Archivieren und Dokumentieren beschäftigt.

Aber auch wenn das Wissen gerettet werden kann, steht die Paramenten-Werkstatt vor Problemen. «Es ist beispielsweise schwierig, gute Seiden- und Wollgarne zu finden, weil die Textilindustrie bereits zu einem grossen Teil ins Ausland abgewandert ist», sagt Schmid. Dazu komme der Unterhalt der Webstühle - auch hier werde es immer schwieriger, Leute mit dem nötigen Fachwissen zu finden.

Preislich können die Paramente nicht mit industriell hergestellten Produkten mithalten, wie sie teilweise in Deutschland gefertigt werden. Trotzdem sieht Schmid für das Handwerk eine Zukunft: «Es ist ein Spezialgebiet, das mit einer Wertevermittlung verbunden ist - deshalb hat es auch eine Chance», sagt sie.Schmid arbeitet gerne im Kloster. «Die Herstellung von Paramenten ist ein Kulturgut, und dies hat im Kloster seinen Platz», sagt sie. Es sei schon anders, als in einem Atelier zu arbeiten: «Die Schwestern sind alles Teilzeitarbeiterinnen, weil sie noch viele andere Aufgaben zu erledigen haben», sagt Schmid. Gewisse Abläufe seien auch durch den Tagesrhythmus der Schwestern vorgegeben.

Schmid bringt aber auch neue Ideen in ihre Arbeit ein. So haben die Messgewänder jetzt alle ein Etikett im Kragen, ähnlich wie bei einem Mode-Label. «Man erkennt zwar auch an der Machart, woher ein Gewand kommt - falls ein jüngerer Pfarrer das aber nicht mehr erkennt, ist es jetzt angeschrieben», sagt sie.