Wohnungsmieten
Auch im Limmattal werden viele Mieten sinken – aber nicht alle

Der tiefere Referenzzinssatz wird sich auch im Limmattal auswirken. Die Mieter sollen die Senkung der Mieten vom Vermieter nicht scheuen, heisst es beim Zürcher Mieterverband. Fast jeder habe auf eine Senkung Anspruch.

Tobias Hänni
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Die Entwicklung des Referenzzinssatzes.

Die Entwicklung des Referenzzinssatzes.

Limmattaler Zeitung

Der Maileingang des kantonalen Mieterverbands (MV) platzt derzeit aus allen Nähten. Einen Tag, nachdem das Bundesamt für Wohnungswesen den hypothekarischen Referenzzinssatz von 2 auf 1,75 Prozent gesenkt hat (Ausgabe von gestern), haben sich beim Verband bereits über 500 Mieterinnen und Mieter gemeldet. Das sagt Felicitas Huggenberger, Geschäftsleiterin des Zürcher Mieterverbands, auf Anfrage.

Denn mit der Senkung des Zinssatzes, von der Immobilienbesitzer profitieren, müsste grundsätzlich auch eine Reduktion der Mieten einhergehen – nach der jüngsten Anpassung des Zinssatzes um 2,91 Prozent. Hemmungen, diese Senkung vom Vermieter einzufordern, sollten die Mieter nicht haben, sagt Huggenberger: «Fast jeder hat nun Anspruch auf eine Senkung.»

«Bis Ende Juni Senkung fordern»

Die MV-Geschäftsleiterin erwartet die kommenden Tage eine erhöhte Anfrage bei der lokalen Mietrechts-Beratung, die der Verband auch in Dietikon anbietet. Gerade im Limmattal sei der Anteil der Bevölkerung, der in Mietwohnungen lebe, hoch, sagt Huggenberger. «Und viele kennen ihre Rechte als Mieter nicht.» Wichtig sei, die Mietreduktion so schnell wie möglich einzufordern, rät Huggenberger. Denn bei den meisten Mietverhältnissen gebe es zwei feste Kündigungstermine – Ende März und Ende September –, an denen gleichzeitig eine Reduktion wirksam werde. «Will man ab dem 1. Oktober weniger Miete zahlen, sollte die Forderung bis Ende Juni beim Vermieter eingetroffen sein», sagt Huggenberger. Sie empfinde den Rat des Hauseigentümerverbandes, mit einer Senkungsforderung abzuwarten, als Taktieren. «Die Vermieter setzen darauf, dass die Mieter die Frist für eine Reduktion verpassen.»

Nach Vorgabe der Eigentümer

Eine Nachfrage bei einigen grösseren Immobilienverwaltungen, die im Limmattal aktiv sind, zeigt: Die Weitergabe des Referenzzinssatzes an die Mieter wird unterschiedlich gehandhabt. Gabriela Wiederkehr, Geschäftsführerin der in Dietikon ansässigen Josef Wiederkehr Immobilien AG, sagt: «Wir geben die Senkung des Referenzzinssatzes diesmal automatisch an die Mieterschaft weiter. Ausgenommen sind jene Immobilien, bei denen in letzter Zeit wertvermehrende Investitionen gemacht wurden.»

Bei der Privera AG wird auf die Wünsche der Hauseigentümer verwiesen, in deren Auftrag die national tätige Immobilienfirma auch im Limmattal Wohnungen vermietet. Die Privera AG handle nach Vorgabe der jeweiligen Eigentümer, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme. Veränderungen des Referenzzinssatzes sowie deren Auswirkungen auf die Mietzinse würden jeweils aktiv mit den Hauseigentümern besprochen. «Über die Weitergabe einer allfälligen Mietzinssenkung an die Mieter entscheidet schlussendlich die Hauseigentümerschaft.»

Ähnlich tönt es bei einer in Schlieren ansässigen Immobilienverwaltung, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Anpassung der Miete nach einer Senkung des Referenzzinssatzes werde von Kunde zu Kunde unterschiedlich gehandhabt, heisst es dort. «Einige Eigentümer beauftragen uns, die Zinseinsparung automatisch weiterzugeben», sagt der Geschäftsleiter. «Bei anderen muss die Mieterschaft die Senkung hingegen selber einfordern.»

Allerdings halte sich das Ausmass an Forderungen seitens der Mieter normalerweise in Grenzen. «Vielleicht haben die Mieter Hemmungen. Oder der Aufwand scheint ihnen zu gross zu sein», erklärt sich der Geschäftsleiter die Zurückhaltung. Aber es gebe natürlich auch Mieter, die mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Wohnung einfach zufrieden seien.

Rechtsberatung im Dietiker Stadthaus

Mit der jüngsten Senkung auf 1,75 Prozent befindet sich der Referenzzinssatz auf einem neuen Tiefstand. Die meisten Mieter haben nun Anspruch auf eine Reduktion ihrer Miete. Diese Reduktion fällt höher aus, wenn ein Vermieter auch länger zurückliegende Anpassungen des Zinssatzes nicht weitergegeben hat. Wer eine Senkung beantragen will, kann auf www.mieterverband.ch abklären, ob ein Anspruch darauf besteht. Auf der Seite findet sich auch ein Musterbrief – die Forderung sollte schriftlich an den Vermieter geschickt werden. Verweigert dieser die Senkung, können sich Mieter in einem nächsten Schritt an die Rechtsberatung des Mieterverbands wenden. Im Dietiker Stadthaus wird jeweils am Mittwochabend, 17.30 bis 19 Uhr, eine solche Beratung angeboten.