Limmattal
Auch im Limmattal: Mehr Lehrstellen als Lehrlinge

Freie Lehrstellen und gleichzeitig hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt es auch im Limmattal. Beim BIZ Urdorf, dem Berufsinformationszentrum für die Bezirke Dietikon und Affoltern, zählt man für den Bezirk Dietikon noch rund 80 offene Stellen.

Katja Landolt
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Berufe im technischen oder handwerklichen Bereich bleiben teilweise lange unbesetzt. AZ-Archiv

Berufe im technischen oder handwerklichen Bereich bleiben teilweise lange unbesetzt. AZ-Archiv

Limmattaler Zeitung

Mehr Lehrstellen als Lehrlinge – diese Nachricht hat letzte Woche schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Lehrstellenbarometer des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie zeigt, dass 2011 rund 81 000 Lehrstellen nur 77 000 Lehrstellensuchenden gegenüberstehen.

Freie Stellen gibt es auch im Limmattal: Beim BIZ Urdorf, dem Berufsinformationszentrum für die Bezirke Dietikon und Affoltern, zählt man für den Bezirk Dietikon noch rund 80 offene Stellen. Die noch recht hohe Zahl bestätigt auch Sasa Karalic vom Lehrstellenportal www.lehrstellen-limmattal.ch: «Derzeit sind bei uns noch rund 100 offene Lehrstellen aufgeschaltet. Das ist viel für eine Region wie das Limmattal.»

Überangebot wird wachsen

Die Gründe für das Überangebot an Lehrstellen sind vielschichtig, liegen unter anderem aber im geburtenschwachen Jahrgang: Während 2008 im Bezirk noch fast 850 Schulabgänger gezählt wurden, sind es dieses Jahr nur noch 750. «Dazu kommt, dass die Unternehmen in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen haben, um mehr Lehrstellen zu schaffen», sagt Christine Viljehr, Leiterin des BIZ Urdorf. Diese Bemühungen würden jetzt fruchten.

Karalic glaubt sogar, dass das Überangebot noch grösser werden könnte: «Beliebte Berufe wie beispielsweise Kaufmann, Dentalassistentin oder Verkäufer gehen weg wie warme Weggli, unbeliebtere Berufe aus dem technischen Bereich bleiben über Monate unbesetzt.»

Viljehr betrachtet diese Entwicklung entspannt: «Es ist ein Markt; auf einer Seite herrscht immer ein Überangebot. So bleibt er attraktiv.» Dass grosse Unternehmungen durch die frühe Lehrlingsrekrutierung die Crème de la Crème abschöpfen würden und KMU kaum noch an tüchtige Lehrlinge käme, glaubt sie nicht.

Auch im Frühling gebe es auf dem Arbeitsmarkt viele Topleute. «Die Jugendlichen sind mitten in der Pubertät und durchlaufen intensive Entwicklungsphasen. Manche Diamanten sind im Herbst vielleicht noch ungeschliffen, strahlen aber im Frühling.»

Noch immer keine Lehrstelle

Auch wenn noch viele Lehrstellen offen sind – viele Schulabgänger stehen noch ohne Lehrvertrag oder Übergangslösung da. Hopfen und Malz sind aber noch längst nicht verloren. «Wer bis jetzt noch nichts gefunden hat, muss einfach am Ball bleiben und lässt sich am besten von Profis beraten», sagt Viljehr.

Trotzdem gibt sie zu bedenken, dass der schulische Rucksack mit den Anforderungen der Ausbildung übereinstimmen muss. In die gleiche Kerbe schlägt auch Karalic: «Wer bisher nur Absagen bekommen hat, muss seine Ansprüche und Fähigkeiten vielleicht überdenken und bereit sein, Kompromisse einzugehen, beispielsweise mit einer Anlehre oder einem Zwischenjahr.»

Jugendarbeitslosigkeit hoch

Nicht nur Schul-, sondern auch viele Lehrabgänger sind momentan noch auf der Suche nach einer Anschlusslösung. Im Bezirk Dietikon sieht die Situation nicht gerade rosig aus.

Die Arbeitslosenquote des Bezirks Dietikon lag im Mai 2011 bei den 15- bis 19-Jährigen bei 4,9 Prozent und bei den 20- bis 24-Jährigen bei 4,3 Prozent – die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Bezirk bei 3,6Prozent. Zum Vergleich: Im kantonalen Schnitt liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 2,2 beziehungsweise 2,8 Prozent.

«Möglicherweise handelt es sich um Jugendliche und junge Erwachsene mit schulischen und anderen Defiziten, die ihnen den Einstieg ins Berufsleben erschweren», sagt Irene Tschopp vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Die Zahlen werden nach Tschopps Einschätzung sogar noch höher: «Das ist ein saisonales Muster: Die Zahlen steigen nach den Sommerferien.» Dieser Trend halte in der Regel bis zu den Herbst-, sogar bis zu den Wintermonaten an. Dann sinken die Zahlen wieder. «Rund 80 Prozent der Betroffenen dieser Altersklassen finden innert sechs Monaten eine Stelle.»

«Keine Lehrstelle - was tun?»

Veranstaltung im biz Urdorf für Schulabgänger ohne Lehrstelle. Mittwoch, 6. Juli, 14 Uhr. Anmeldung erforderlich Tel. 043 259 91 80

Das BIZ Urdorf bietet auch ein spezielles Beratungsangebot («SOS 20 Plus») für junge Erwachsene ohne Stelle an. «Wir werden aber derzeit nicht überrannt», sagt Viljehr. Die Nachfrage verschiebe sich auch hier gewöhnlich auf die Zeit nach den Sommerferien.

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