Albumtaufe

Auch ein musikalischer Gag lag drin

150 Stücke aus dem Fundus von Hanny Christen hat die Hanneli-Musig um den Birmensdorfer Ueli Mooser schon vertont – das ist erst ein Prozent der Sammlung.

Die Hanneli-Musig begann mit einer Entdeckung und viel Arbeit. Cellist Fabian Müller stiess 1991 im Archiv der Universitätsbibliothek Basel auf einen Fundus an volkstümlichen Musiknoten, den Hanny Christen (1899—1976) hinterlassen hatte. Christen war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der ganzen Schweiz herumgereist, um Schweizer Volksmusik aus allen Regionen zusammenzutragen. Der Birmensdorfer Ueli Mooser, eine Koryphäe der Schweizer Volksmusik, hat Müller dabei geholfen, die Sammlung aufzuarbeiten. 2002 entstanden daraus zehn Bände mit 12 000 Musikstücken.

Ueli Mooser und seine Frau Chatrina gründeten nach getaner Arbeit zusammen mit Fabian Müller, Dani Häusler, Johannes Schmid-Kunz, Markus Flückiger und Christoph Mächler das sechsköpfige Ensemble Hanneli-Musig, das sich der Musik aus der Hanny-Christen-Sammlung widmet. Mittlerweile hat die Formation 150 Stücke vertont und aufgenommen, was erst rund ein Prozent der ganzen Sammlung ausmacht. Am Sonntag taufte die Hanneli-Musig vor einem 110-köpfigen Publikum ihr siebtes Album «Über Stock und Stei» im Zürcher Restaurant Falcone. Das Album umfasst Volksmusik aus St. Gallen, Glarus und Graubünden. «Passend zu diesen gebirgigen Regionen haben wir das Stück ‹Über Stock und Stei› als Titel fürs Album gewählt», sagte Mooser.

Der heute 72-Jährige studierte nach einer Lehrerausbildung am Konservatorium Kontrabass und Klarinette. Zudem arbeitete er lange als Musik-Redaktor bei Radio SRF 1. 2010 erhielt er eine der wichtigsten Auszeichnung im Volksmusikgenre: den Goldenen Violinschlüssel. Mooser beherrscht rund 20 Instrumente. Während der zweistündigen Albumtaufe spielte er Klarinette, Saxofon, Gitarre, Kontrabass, Perkussion, Melodica – und einen balinesischen Frosch, ein exotisches Kratzinstrument, welches Rhythmus macht.

Ueli Mooser und seine Hanneli-Musig spielen volkstuemliche Musik die Hanny Christen vor rund 100 Jahren gesammelt hat

Ueli Mooser und seine Hanneli-Musig spielen volkstuemliche Musik die Hanny Christen vor rund 100 Jahren gesammelt hat

Stillsitzen ist schwierig

Mit dem Einsatz des Froschs gelang ihm ein musikalischer Gag. Ein Zuschauer, sichtlich überrascht, flüsterte: «Was spielt er da für ein Instrument?» Dass die Hanneli-Musig überrascht, ist durchaus Programm: In den Musiknoten spüren die Musiker bewusst Möglichkeiten für humorvolle, musikalische Einlagen auf. «Ich vermute, dass die Musiker vor 200 Jahren auch Humor hatten», so Mooser, der auch schon eine kurze, fremde Musiksequenz aus «Da obe ufem Bergli» in die «Zickzack-Polka» einbaute, ohne dass seine Kollegen dies bemerkten.

Das Konzert enthielt volkstümliche Tänze wie Ländler, Schottisch, Galopp, Walzer, Mazurka und Polka. Mal war es leichtfüssig verträumt, mal gefühlvoll melodiös, dann wiederum temporeich. Dem mehrheitlich älteren Publikum gefiel es. Gegen Ende jubelten einige gar wie Jugendliche. «Ich mag vor allem die lüpfigen und rassigen Mazurka-Stücke», verriet Zuhörerin Gaby Heidelberger. Ihre Kollegin Ursula Meier sagte, es sei schwierig, bei diesen schnellen Stücken, still zu sitzen: «Über dem Tisch scheinen alle ruhig zu sitzen, unter dem Tisch sieht es jedoch anders aus.»

Volksmusikfan Rosmarie Köhler verfolgt Moosers Arbeit seit 50 Jahren. «Er hat sich von einem klassischen Volksmusiker zu einem kreativen, modernen Volksmusiker entwickelt», sagte sie und lobte das hohe musikalische Niveau des Ensembles. Dies zeigte sich auch, als die Musiker spontan Stücke aus dem Fundus spielten, ohne sie zuvor geprobt zu haben. Der Unterschied war für den Laien nicht hörbar.

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