Dietikon

Auch ein Eichhörnchen hört zu: Doppeltes Cello begeistert

Die Solisten Romana Kaiser und Matthias Zadory (vorne) überzeugten mit gutem Zusammenspiel.

Beim Konzert des Streichorchesters Dietikon mit zwei Jungtalenten am Cello standen zwar die bekannten Komponisten Mozart, Händel und Vivaldi auf dem Programm, aber mit unbekannten Stücken. Das wollte sich auch ein tierischer Gast nicht entgehen lassen

«Ich freue mich, Ihnen heute einige Raritäten präsentieren zu dürfen», sagte Dirigent Günther Stückle und lächelte vorfreudig ins Publikum. Ein Blick auf das Programmheft hätte Zweifel am Versprechen des Dirigenten des Streichorchesters Dietikon aufkommen lassen können. Denn eigentlich fanden sich da nur altbekannte Namen: Mozart, Händel und Vivaldi. Trotzdem wurden am Samstag in der reformierten Kirche Dietikon keinesfalls nur Klassiker präsentiert, sondern einige tief verborgene Perlen aus den Schatzkisten jener Komponisten gefischt.

Das ausgefallene Programm war in erster Linie den beiden Solisten zu verdanken, die Streichorchester-Präsidentin Christa Jordi ins Boot geholt hatte. Unverhofft hätten ihr die zwei Angefragten fast gleichzeitig zugesagt, weswegen sie Orchesterwerke mit zwei Solo-Celli habe auftreiben müssen. Keine leichte Aufgabe, greifen die meisten Cellokonzerte doch nur auf ein Solo-Cello zurück.

Den Auftakt machte ein Divertimento von Mozart. Anfänglich zurückhaltend, brach im zweiten Satz eine freche Experimentierfreude durch, die das Genie des damals erst 16-jährigen Mozarts bereits vorausnahm. Nicht genug, dass die Musik nur menschliche Ohren hinriss, sie schien auch tierische zu entzücken. So huschte auf einmal ein Eichhörnchen durch die Kirche und wollte sich beim Orchester niederlassen. Schnell entschwand es in eine dunkle Ecke und konnte da, so mochte man annehmen, ungestört der Musik frönen.

Vitalitätsschub dank Vivaldi

Für das nachfolgende Celli-Konzert betraten die Uitikerin Romana Kaiser und der in Dietikon wohnhafte Matthias Zadory die Bühne. Mühelos spielten sie sich die feierlichen Themen des Barockkönigs Händel zu; nur zu Beginn hätten sie etwas deutlicher aus dem Klang des Streichorchesters hervortreten können. Der zweite Satz – dunkel getönt und in sanfter Melancholie versinkend – wurde sogleich durch ein Allegro abgelöst, in dem die Celli noch einmal selbstbewusst auftrumpfen konnten.

Nach einem etwas gedrückten Concerto grosso von Händel verlieh Vivaldi noch einmal einen Vitalitätsschub. Ein Sausen und Brausen, eine feurige Lebenslust wurde da entfacht. Abgelöst wurde sie von einem intimen Mittelsatz, in dem sich zeitweise nur drei Celli – die zwei Solisten und ein Cello aus dem Orchester – melancholisch flüsternd miteinander austauschten. Schneidig-scharf folgte dann der Finalsatz, dessen nervenaufreibender Impetus geradezu elektrisierend wirkte.

Das zahlreich erschienene Publikum war vom dynamischen Konzert überaus angetan. Geradezu als «Verlängerung der Herbstsonne» wurde das Konzert von Pierre Bataillard aus Weiningen bezeichnet. Er sagte anerkennend: «Hier wurde musiziert, nicht nur Noten gespielt.»

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