Atomausstieg

Auch das Limmattal will mehr erneuerbare Energie

Arbeiter installieren im Dietiker Quartier Silbern die grösste Photovoltaikanlage des Kantons.  Archiv/NEM

Arbeiter installieren im Dietiker Quartier Silbern die grösste Photovoltaikanlage des Kantons. Archiv/NEM

Unternehmen und Gemeinden im Limmattal äussern sich zu ihren Energieplänen – und sagen, ob sie auf Atomstrom verzichten wollen.

Was haben der Bundesrat und die Schlieremer Firma Geistlich gemeinsam? Was klingt wie der Anfang eines Witzes, ist einfach zu beantworten: Beide können sich den längerfristigen Ausstieg aus der Atomenergie vorstellen. Der Bundesrat gab diesen historischen Entscheid gestern bekannt. Auch Andreas Geistlich, Präsident der Firma Geistlich, beantwortet die entsprechende Frage mit einem klaren «Ja»: So lange die Stromversorgung gesichert sei, könne sich seine Firma gut vorstellen, zukünftig auf Atomstrom zu verzichten.

«Vorstellen können wir uns das»

Das Unternehmen, welches gemäss Geistlich als eines der ersten in der Schweiz eine Zielvereinbarung zur CO-Reduktion umgesetzt habe, will in Zukunft noch stärker auf erneuerbare Energien setzen. So würden die zukünftigen Bauten auf dem Schlieremer Geistlich-Areal an den Wärmeverbund des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) angeschlossen, der Abwärme der Kläranlage Werdhölzli benutze, so Geistlich.

Auch das Spital Limmattal steht einem Verzicht auf Atomstrom prinzipiell positiv gegenüber, wie der Leiter des technischen Dienstes, René Halbherr sagt: «Vorstellen können wir uns das.» Man müsse jedoch zuerst «die allgemeine Marktentwicklung abwarten», so Halbherr. Auf jeden Fall werde es in Zukunft nötig sein, bei der Erzeugung von Warmwasser und Wärme von fossiler Energie auf erneuerbare Energien umzusteigen. Auch für den Spital-Neubau seien erneuerbare Ressourcen ein wichtiges Thema, betont er: «Es werden Möglichkeiten wie Erdwärme und Solarthermie in Betracht gezogen.»

Gaskraftwerke als Alternative

Noch etwas vorsichtiger äussert sich Dietrich Pestalozzi, Präsident der Dietiker Pestalozzi-Gruppe, der sagt, die Firma sei «auf eine sichere Stromversorgung angewiesen». Jedoch heize man in Dietikon bereits ausschliesslich mit Fernwärme und sei bestrebt, «alle Möglichkeiten, weniger fossile Brenn- und Treibstoffe und Strom aus Kernkraftwerken zu verbrauchen», auszuschöpfen. Sollten jedoch Kernkraftwerke nicht ersetzt werden und Alternativenergie nicht ausreichen, schlägt Pestalozzi den Bau von Gaskraftwerken vor – «auch wenn damit mehr CO produziert wird». Er betont aber auch: «Nicht nur in erneuerbarer Energie, auch im Sparen liegt noch ein grosses Potenzial.»

Dieser Aussage kann sich die Schlieremer Firma Zühlke anschliessen. «Erneuerbare Energien sind ohne Reduktion des Energieverbrauchs nicht denkbar», sagt die Kommunikationsverantwortliche Daniela Reinhard. Daher beschäftige man sich intensiv mit den Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

«Grundsätzlich will jeder heraus»

Bereits mit einem Umweltpreis für Massnahmen betreffend der Reduktion von Energie ausgezeichnet wurde die Firma Tesa, zu der Tesa Bandfix in Bergdietikon gehört. «Wir sind am Thema nachhaltiger Energie sehr interessiert», sagt Kurt Walker, CEO von Tesa Bandfix. Deshalb verwende man in Bergdietikon bereits die Abwärme der Produktionsmaschinen zur Heizung und habe die Raumtemperaturen generell gesenkt. «Dadurch konnte die Energiemenge massiv reduziert werden», sagt Walker. Er hat aber auch eine klare Meinung zum Thema Atomausstieg: Dieser sei «auf absehbare Zeit» in der Schweiz unrealistisch.

Pragmatisch äussert sich zu diesem Thema Roger Brunner, Dietiker Infrastrukturvorstand und Präsident der Energiekommission. «Grundsätzlich will jeder aus der Atomenergie heraus», sagt er. Es sei jedoch eine heikle Angelegenheit, die der Stadtrat noch nicht thematisiert habe. Brunner verweist dafür auf die Vorhaben der Stadt im Bereich Energie: So werde dereinst der gesamte Stadtteil Limmatfeld mit Abwärme geheizt, der Energieplan für das Niderfeld sehe eine Beheizung mit Fernwärme vor. Seit 2003 sei man ausserdem Energiestadt und strebe nun das Goldlabel an. Wie man dieses Ziel erreichen wolle, bespreche der Stadtrat in einer Klausur Anfang Juni. «Es sind alles kleine Schritte, aber es sind wichtige Schritte», sagt Brunner.

Solar, Abwärme, Holzschnitzel

Auch andere Limmattaler Gemeinden setzen sich mit der Materie auseinander: «Der Tatbeweis und das Pilotsignal seitens der Gemeinde ist erfolgt», sagt der Uitiker Gemeindeschreiber Bruno Bauder. So werde das Duschwasser im Gebäude des Fussballklubs mit Solaranlagen erwärmt, das Badewasser des Hallenbades mit Abwärme, und die Gebäude des Massnahmezentrums mit Holzschnitzeln. Geplant sei ausserdem eine thermische Solaranlage für zwei Mehrfamilienhäuser der politischen Gemeinde.

«Erneuerbare Energien sind ein grosses Thema», sagt auch Rebecca Bauder, Bereichsleiterin Planung, Bau und Umwelt der Gemeinde Urdorf. Aus diesem Grund gehe die Baubehörde mit Bewilligungen von Gesuchen für den Einsatz von erneuerbaren Energien «grosszügig, aber stets innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten» um. Um seine Wichtigkeit zu unterstreichen habe man das Thema ausserdem ins neu erarbeitete Leitbild aufgenommen. Dort heisst es zum Beispiel: «Wir prüfen die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für die Dachflächenvermietung zur Produktion von Solarstrom.» Wie Bauder sagt, laufen entsprechende Abklärungen bereits.

«Gmeind» soll entscheiden

Schwieriger dürfte dies in Weiningen werden, wie Bauvorstand Wilfried Werffeli sagt: «Der Einsatz von Solarenergie in einem geschützten Ortskern ist nicht einfach zu lösen.» Da erneuerbare Energie der Gemeinde aber wichtig sei, habe man einen Energieplan vorbereitet, den man bald der Gemeindeversammlung unterbreiten wolle, so Werffeli.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1