Bruno-Weber-Park

Atelier-Wohnhaus soll unter Schutz gestellt werden

Seit vier Wochen steht am Wohnhaus im Bruno-Weber-Park ein Gerüst. Die grimmigen Blechgesichter drohten den Halt zu verlieren. Derzeit werden sie neu montiert.

Seit vier Wochen steht am Wohnhaus im Bruno-Weber-Park ein Gerüst. Die grimmigen Blechgesichter drohten den Halt zu verlieren. Derzeit werden sie neu montiert.

Antragstellerin Maria Anna Weber strebt ein Sanierungskonzept zusammen mit dem Kanton an und will ein eigenmächtiges Vorgehen der Stiftung verhindern

Vor kurzem wurde ein weiteres Kapitel aufgeschlagen in der langen und unerfreulichen Geschichte von der Zerrüttung zwischen dem «Verein Freunde Bruno Weber Park» und der «Bruno Weber Stiftung», die sich beide dem Erhalt von Webers Kunst verschrieben haben. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte im September die Witwe von Bruno Weber, Maria Anna Weber, bei der Denkmalpflege des Kantons Aargau die Unterschutzstellung des von ihr bewohnten Atelier-Wohnhauses mit Turm im Bruno-Weber-Park beantragt.

Sie ist nicht nur Eigentümerin des Hauses, sondern auch von insgesamt über 75 Prozent des Parkgeländes. Der Wassergarten (etwas über 20 Prozent) ist im Besitz der Stiftung. Weber sitzt im Vorstand des Vereins, mit der Stiftung dagegen hat sie sich überworfen. Dass ihr die Unterschutzstellung ein wichtiges Ziel ist, daraus hat sie seit längerem keinen Hehl gemacht. Jetzt ist sie diesem Ziel ein Stück näher gerückt, denn der Kanton hat eine prinzipielle Schutzwürdigkeit erkannt.

Ende September fand die Begehung durch die Kantonale Kommission für Denkmalpflege und Archäologie statt. In ihrer Stellungnahme vom Dezember nennt sie das Atelier-Wohnhaus einen «Exoten» und verweist auf die Baugeschichte, die den Künstler in den 1970er Jahren in Konflikt mit den Behörden brachte, denn der Bau war ohne Genehmigung erfolgt. Erst 1988 war die nachträgliche Baubewilligung erteilt worden. 2005 erfolgte die Umzonung.

Bei der Begehung anwesend war auch Martin Christen. Er ist Mitglied im Verein und berät Maria Anna Weber. Er übergab den Kommissionsmitgliedern einen Plan mit einem möglichen Schutzperimeter im direkten Nahumfeld des Hauses, welches das Tag- und Nachttor, die Pavillons und den Brunnen mit der Quellgöttin umfasst.

Fazit der Kommission: «Es handelt sich beim Atelier-Wohnhaus um ein Baudenkmal, das den Kriterien für ein Schutzobjekt entspricht.» Auch den Wunsch nach einem Schutzperimeter unterstützt die Behörde. Christen wertet denn auch die Stellungnahme des Kantons sehr positiv. Die Feststellung der Schutzwürdigkeit sei wichtig und bedeutsam, auch für Dietikon.

Eine Unterschutzstellung begrüsst indes auch die Stiftung. Doch: «Diese soll und kann nicht partiell erfolgen, sondern muss das Gesamtkunstwerk Weinrebenpark (der Bruno-Weber-Park, Anm. d. Red.) umfassen», so Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart. Ausserdem müsse eine Unterschutzstellung mit dem Stiftungszweck in Übereinstimmung gebracht werden. «Es ist ausgeschlossen, dass Erben (oder auch Dritte) die Erreichung des Stiftungszwecks behindern, gefährden oder gar verunmöglichen», so Cart.

Ist es das angemessene Instrument?

Der Kanton will nun aber prüfen, ob der kantonale Schutz das angemessene Instrument für den langfristigen Erhalt von Haus und Schutzperimeter ist, «oder ob andere Schutzvorkehrungen der Gesamtanlage besser gerecht werden». Zunächst soll ein unabhängiges kunsthistorisches Fachgutachten über den gesamten Park erstellt werden.

Wie weit dieses schon gediehen ist und welche Instrumente noch zur Verfügung stünden, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden. Simone Strub Larcher, Leiterin Kommunikation beim Departement Bildung, Kultur und Sport: «Die fachlichen Abklärungen sind im Gange. Zu laufenden Verfahren können wir keine Auskunft geben.»

Weber stellt weiteren Antrag

In ihrer Vernehmlassung von Ende März gab Maria Anna Weber ihrer Zufriedenheit Ausdruck. Besonders freue sie, dass der Schutzperimeter auch die Nahumgebung umfassen solle. Gleichzeitig weitete sie ihre Forderungen aber aus und stellte einen weiteren Antrag: Haus mit Turm und Nahumgebung sollen «vorsorglich» unter Schutz gestellt werden.

Ausserdem listete sie 14 auf ihrem Grund stehende Einzelskulpturen und Kunstbauten auf, die ebenfalls unter Schutz gestellt werden sollten, «da sie bedeutende und unverzichtbare Elemente des Skulpturenparks» seien. Weber: «Mit diesem Antrag soll einerseits ein in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz entstandenes Unterhalts-, Restaurierungs- und Sanierungskonzept ermöglicht, andererseits ein eigenmächtiges Vorgehen der Stiftung ohne Beizug von Fachleuten verhindert werden.»

Schon mehrmals hatte Weber der Stiftung vorgeworfen, Unterhaltsarbeiten zugunsten der Planung eines Weiterausbaus zu vernachlässigen. Bei der Stiftung ist man sich sicher, dass der Erhalt des Wohnhauses viel Zeit, Geld und Fingerspitzengefühl erfordere, bevor eines Tages das Haus den Besuchern in Form eines begehbaren Museums präsentiert werden könne.

Die Kantonale Kommission für Denkmalpflege und Archäologie setzt auf Konkordanz. In ihrer Stellungnahme heisst es: «Die Kommission sieht die Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts für den ganzen Skulpturenpark und eine entsprechende Abstimmung zwischen den verschiedenen Eigentümern.»

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