Er fällt auf wie ein bunter Hund, wenn er durch Birmensdorfs Strassen geht: Eine orange Leuchtweste am Oberkörper, einen Müllsack in der einen, eine Greifzange in der anderen Hand. Parwiz Ahmadi wohnt in der Asylunterkunft Birmensdorf.

Immer am Mittwochmorgen pünktlich um halb neun beginnt für ihn sein Arbeitseinsatz als Hilfskraft des Werkhofs. Rund zwei Stunden säubert er Strassen, Trottoirs und Wege im Dorf - eine gute Aufgabe, wie er findet: «Ich bin froh, dass ich für die Gemeinde arbeiten darf», sagt Ahmadi, «ohne Arbeit sitze ich den ganzen Tag nur in der Asylunterkunft. Das macht mich wahnsinnig.»

Klar, der Lohn, den er für einen Einsatz erhalte, sei nicht viel. Aber dafür könne er der Dorfgemeinschaft etwas zurückgeben. «Es ist mir nicht recht, wenn der Schweizer Staat für mich bezahlt und ich dafür nichts tue», so Ahmadi. Bei rund 420 Franken, die er monatlich erhalte, sei ein Zustupf immer willkommen.

Derzeit arbeiten in Birmensdorf zwei Asylsuchende für den Werkdienst der Gemeinde. Sie erhalten für ihren wöchentlichen zwei- bis dreistündigen Arbeitseinsatz jeweils 12.50 Franken als «Motivationsprämie». Initiiert wurde das Projekt von der Exekutive.

Die Asylorganisation ORS selektiert die Teilnehmer, zahlt deren Löhne aus und begleitet sie bei ihrem ersten Einsatz. Ziel war es, gemäss Gemeinderatsbeschluss, Männern aus der Asylunterkunft eine gemeinnützige Beschäftigung anzubieten, um ihnen eine minimale Tagesstruktur zu geben, sie in die Dorfgemeinschaft zu integrieren und ihre Sozialkompetenz zu erhöhen. «Sollten sich die Einsätze bewähren und genug Arbeit vorhanden sein, wird die Anzahl der Asylanten auf maximal vier Personen erweitert», schreibt der Gemeinderat.

Die Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung gestaltet sich für die Asylsuchenden bei ihrer Arbeit nicht immer einfach: Auf seiner Tour entlang der Reppisch und der Stallikonerstrasse begegnet Ahmadi immer wieder Passanten. Viele von ihnen grüssen ihn freundlich - er lächelt jeweils nur zurück. «Ich kann leider noch kaum Deutsch», sagt Ahmadi mit beschämtem Blick.

Bereits mehrmals hätten Dorfbewohner das Gespräch gesucht, als er bei der Arbeit war, doch wenn er mit seinem dürftigen Englisch geantwortet habe, hätten sie es wieder aufgegeben. «Ich will mich unbedingt bald verständigen können», sagt er. Warum besucht er nicht den Deutschkurs, der Asylsuchenden am Bahnhof Zürich gratis angeboten wird? «Ich gehe so oft hin, wie möglich. Aber ich bin Raucher und oft reichen die 13 Franken, über die ich pro Tag verfüge, nicht für das S-Bahn-Ticket zum Bahnhof, nachdem ich Essen und Zigaretten gekauft habe», erklärt der 19-Jährige.

Ahmadi verfügt über keine Berufsausbildung. Als sein Vater, ein Paschtune, der im afghanischen Militär diente, vor acht Jahren getötet wurde, floh Parwiz mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern in den Iran. Sie mussten sich vor den dortigen Behörden verstecken, weil sie sonst zurück in ihr Heimatland geschickt worden wären, wo sie nicht sicher waren. Als er entdeckt wurde, und ihm die Ausschaffung nach Afghanistan drohte, beschloss er nach Europa zu fliehen. Über die Türkei und Griechenland gelang er schliesslich am Weihnachtsabend vor einem Jahr nach Zürich, wo er Asyl beantragte.

Vor seiner Flucht arbeitete Ahmadi ab dem vierzehnten Lebensjahr schwarz auf dem Bau, um seiner Mutter zu helfen, die Familie im Iran durchzubringen. Welchen Beruf würde er ausüben wollen, falls er in der Schweiz bleiben kann? «Da ich keine Ausbildung habe, wäre mir jede Arbeit recht. Am liebsten würde ich aber später im Coop oder Migros arbeiten», antwortet Ahmadi.

Viktor Meyer, der Leiter des Werkdiensts, erklärt, dass es ihm wichtig sei, dass die Arbeit der beiden Hilfskräfte aus der Asylunterkunft nicht nicht in Konkurrenz mit derjenigen seiner Angestellten stehe. «Wir haben bereits einen Werkhofmitarbeiter, der für die Strassenreinigung zuständig ist», sagt Meyer. Den beiden Asylsuchenden habe man deshalb Routen zugeteilt, die nicht durch sein Arbeitsgebiet führen. Für die beiden Helfer aus der Asylunterkunft findet er nur lobende Worte: «Sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst.»
Nach dem Ende seines Einsatzes macht sich Ahmadi auf den Heimweg ins Asylzentrum.

Mit gesenktem Kopf geht er der Strasse entlang. Er wirkt nachdenklich. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass seine Augen rastlos über den Boden wandern, ihn regelrecht absuchen. Darauf angesprochen muss Ahmadi lachen: «Seit ich meinen Dienst für die Gemeinde angetreten habe, halte ich unbewusst immer nach Abfall Ausschau, wenn ich auf der Strasse unterwegs bin.»