Asylunterkunft
Asylsuchende werden in der Zivilschutzanlage untergebracht

Als eine «temporäre Notlösung» bezeichnet der Schlieremer Sozialvorsteher Christian Meier (SVP) die gestrige Nachricht aus dem Stadthaus.

Alex Rudolf
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Christian Meier.

Christian Meier.

Als eine «temporäre Notlösung» bezeichnet der Schlieremer Sozialvorsteher Christian Meier (SVP) die gestrige Nachricht aus dem Stadthaus. Ein Grossteil der zusätzlichen Asylsuchenden, die Schlieren ab Januar aufnehmen und betreuen muss, wird in der Zivilschutzanlage Urdorferstrasse 85 untergebracht. Seit Wochen befindet sich die Sozialabteilung ressortübergreifend auf der Suche nach Wohnraum für die neu 126 anstatt wie bisher 89 Asylsuchenden.

Teure Zwischenphase

«Eigentlich hätten wir genügend Wohnplätze für die zusätzlichen Asylsuchenden, einfach noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt», sagt Meier auf Anfrage. Damit spricht er die neue Asylunterkunft auf dem Werkhofareal an, die voraussichtlich ab Mitte 2016 eröffnet wird und für deren Bau derzeit die Submission läuft. Die bisherige an der Wiesenstrasse – sie ist stark sanierungsbedürftig – wird zu einem unbestimmten späteren Zeitpunkt baulich aufgewertet.

Für die Zwischenphase in der ersten Jahreshälfte 2016 haben sich laut Meier keine anderen sinnvollen Möglichkeiten ergeben: «Die kostspielige Anschaffung von Containern wäre in diesem Fall eine zu langfristige Massnahme, da wir diese ab Mitte des kommenden Jahres nicht mehr benötigen würden», so Meier.

Der Umbau von leerstehenden Geschäftsflächen sei ebenso in Betracht gezogen worden wie die Zwischennutzung von Turnhallen. Doch seien in jedem Fall die Ausgaben für eine rund ein halbes Jahr andauernde Zwischenlösung nicht zu rechtfertigen gewesen.

Für rund 10 bis 15 Asylsuchende konnten Wohnungen gefunden werden. 20 bis 25 ziehen in die Zivilschutzanlage. Dabei ist laut Meier nicht vorgesehen, dass Familien in der Anlage wohnen werden, sondern vornehmlich alleinstehende, männliche Asylsuchende.

43 000 Franken für Security

In der Anlage an der Urdorferstrasse wird derzeit Zivilschutzmaterial gelagert. In den nächsten Tagen soll sie laut Stadtrat geräumt und vorbereitet werden. Auch hier werden Investitionen fällig: Für rund 30 000 Franken wird die Küche aufgewertet und Notwendiges wie Bettlaken gekauft. Die Betreuung der neuen Asylsuchenden übernimmt weiterhin die mit dem Schlieremer Asylwesen betraute Asylorganisation Zürich (AOZ). «Der grösste Ausgabenposten ist jedoch die Sicherheit», wie Meier sagt.

So werde rund um die Uhr ein Sicherheitsfachmann in der Anlage stationiert. Der Gesetzgeber fordere erst bei einer Belegung der Zivilschutzanlagen von über 50 Personen solche Sicherheitsmassnahmen, «doch wir wollen alles dafür tun, damit in dieser Unterkunft ein friedliches Zusammenleben möglich ist.» Die Stadt rechnet mit monatlichen Kosten von rund 43 000 Franken für die Sicherheitsfirma. Wer den Auftrag erhält, stehe noch nicht fest, derzeit würden Offerten eingeholt.

Schlieren ist nach Dietikon bereits die zweite Gemeinde des Bezirks Dietikon, die Asylsuchende in Zivilschutzanlagen unterbringt. Hintergrund ist die vom Kanton Zürich erhöhte Aufnahmequote von Asylsuchenden, die Anfang November bekannt wurde. Ab Januar 2016 müssen Zürcher Städte und Gemeinden anstatt fünf Personen pro 1000 Einwohner deren sieben aufnehmen.