Dietikon

Asylsuchende setzen sich für ein sauberes Dietikon ein – allerdings für weit unter normalen Löhnen

Die Integrationsprogramme bedingen eine gute Zusammenarbeit vieler verschiedener Stellen: AOZ-Projektbegleiter Hubert Steiner, Berater Arbeitsintegration Dino Elia, Sozialvorstand Philipp Müller (FDP), Leiter Abfallwesen Torsten Hartmann und Infrastrukturvorstand Lucas Neff (Grüne).

Die Integrationsprogramme bedingen eine gute Zusammenarbeit vieler verschiedener Stellen: AOZ-Projektbegleiter Hubert Steiner, Berater Arbeitsintegration Dino Elia, Sozialvorstand Philipp Müller (FDP), Leiter Abfallwesen Torsten Hartmann und Infrastrukturvorstand Lucas Neff (Grüne).

Von den Programmen Sauberes Dietikon und Travo sollen die Teilnehmenden und die Bevölkerung profitieren.

Ob an der Limmat, im Stadtzentrum oder in der Grunschen: Immer wieder stechen die Menschen mit den markanten gelben Leuchtwesten ins Auge. Die Putzteams sind Teil der Bestrebungen der Infrastrukturabteilung, die Stadt Dietikon sauber zu halten. Dabei erhält sie Unterstützung von der Sozialabteilung. Denn auch Sozialhilfeempfänger und Asylsuchende sind dank zwei Integrationsprogrammen in den Westen mit der Aufschrift «Sauberes Dietikon» unterwegs. «Für uns stehen die soziale Integration sowie das Prinzip der Gegenleistung im Vordergrund»», sagt Sozialvorstand Philipp Müller (FDP).

«Sauberes Dietikon» heisst auch das Beschäftigungs­programm, bei dem erwachsene Asylsuchende, die im Kanton Zürich wegen ihres Aufenthaltsstatus keine Arbeitsbewilligung erhalten, in Gruppen mehrmals pro Woche für einige Stunden den öffentlichen Raum in ­Dietikon reinigen. Obwohl es sich primär an Asylsuchende richtet, beteiligen sich auch vorläufig Aufgenommene an den Einsätzen. Einen anderen Hintergrund hat das Integrationsprogramm Travo, das sich an ­Sozialhilfebeziehende richtet, die wegen ihres Alters, ihrer Gesundheit oder ihrer tiefen Bildung keine Arbeit finden und wenig Aussichten auf eine rasche Integration haben. Der Einsatz für den Werkhof Dietikon, bei dem Sozialhilfebeziehende Strassen und öffentliche Plätze reinigen, ist nur eine von vielen Möglichkeiten im Rahmen von Travo.

In beiden Programmen erhalten die Teilnehmenden eine Integrationszulage als finanzielle Entschädigung. Diese liegt aber weit unter einem normalen Lohn. «Die Zusammenarbeit ist gerade im Sommer für uns eine grosse Arbeitserleichterung», sagt Leiter Abfallwesen Torsten Hartmann. Damit könnten gerade Aufwandspitzen gut aufgefangen werden. «Wir könnten die Arbeit zwar auch alleine bewältigen, aber die beiden Programme sind zu einem wichtigen Standbein für die Infrastrukturabteilung geworden», sagt Infrastrukturvorstand Lucas Neff (Grüne).

Rund 15 Asylsuchende regelmässig auf Putztour

Derzeit leisten rund 15 Asylsuchende regelmässig Einsätze für «Sauberes Dietikon», sagt Projektbetreuer Hubert Steiner von der Zürcher Fachorganisation AOZ. Seit diesem Jahr arbeitet die Stadt mit der AOZ zusammen. Ihre Offerte sei günstiger und ihr Konzept überzeugender gewesen, begründete die Stadt damals ihren Entscheid, die Zusammenarbeit mit dem vorherigen Anbieter ORS Service AG nicht fortzusetzen.

Weil die neue Asylunterkunft noch am Entstehen ist, sei das Asylkontingent von maximal 135 Personen derzeit nicht ausgeschöpft, sagt Sozialabteilungsleiterin Sandra Walther. Zudem sei die Asylquote seit 2015 wieder gesunken. Deshalb seien aktuell weniger Putzkräfte für das niederschwellige Angebot «Sauberes Dietikon» im Einsatz als in den vergangenen Jahren. Ein weiterer Faktor sei, dass Geflüchtete mit einer vorläufigen Aufnahme mit Deutschlernen beschäftigt seien und deshalb bessere Zukunftsper­spektiven haben, ergänzt Steiner. Kommen neue erwachsene Asylsuchende nach Dietikon, werden sie nach kurzer Zeit von den Sozialarbeitenden für einen Einsatz angefragt.

Vergangenen Frühling war Littering an beliebten lokalen Treffpunkten wegen des Lockdowns noch grassierender als üblich. Das Problem: An den besonders betroffenen Wochenenden, wenn von der Infrastrukturabteilung nur eine Person für die Reinigung zur Verfügung steht, pausierte «Sauberes Dietikon». Obwohl es vertraglich nicht vorgesehen war, habe man nun eine praktische Lösung gefunden, freut sich Steiner. Er ernannte einen Mann aus Sri Lanka zum Vorarbeiter, der die Wochenendeinsätze koordiniere und dafür einen zusätzlichen Zustupf erhalte. Von Freitag bis Montag sind die Putzteams jeweils rund zwei Stunden täglich auf festgelegten Routen unterwegs. Die höchste Priorität kommt dabei der Parkanlage Grunschen an der Reppisch zu, wo sich der Müll um die Grillstellen regelmässig türmt.

Entlang der Limmat kümmerten sich während der wärmeren Jahreszeit zwischen Kraftwerk und Allmend Glanzenberg drei Sozialhilfebeziehende um Ordnung und Sauberkeit. Aktuell sind zwei Personen bei der Infrastrukturabteilung beschäftigt. Im Gegensatz zum Programm für Asylsuchende bieten die Travo-Einsätze bessere Zukunftsperspektiven: «Es ist schön, Menschen, die aus dem gesellschaftlichen Raster gefallen sind, Chancen für den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu bieten», sagt Infrastrukturvorstand Neff. Insgesamt arbeiten rund 35 Personen im Rahmen von Travo bei verschiedenen – vorwiegend Limmattaler, aber auch Stadtzürcher – Betrieben, wie Dino Elia, Berater Arbeitsintegration, ausführt. Travo ist eines von diversen Angeboten der Sozialabteilung und verfolgt das Ziel, den Teilnehmenden eine Alltagsstruktur zu bieten und ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu verbessern.

Arbeitsintegration wird früher thematisiert

Seit diesem Jahr habe die Stadt bei der Sozialhilfe die Abläufe verbessert, sagt Sozialvorstand Müller. Wenn Menschen in die Sozialhilfe kommen, werde bei den Gesprächen mit den Sozialarbeitern inzwischen gleich zu Beginn auch eine Vertretung von der Arbeitsintegration beigezogen, um den Prozess zu beschleunigen.

Die Stadt suche stets nach möglichen neuen Arbeitgebern, um Travo-Einsätze anzubieten, sagt Elia. Typische Arbeitsbereiche seien Pflege, Logistik, Gebäudereinigung und Hauswirtschaft. «Die meisten Teilnehmenden schätzen ihre Einsätze als gutes Sprungbrett, um zurück ins Arbeitsleben zu finden», sagt er. Es sei wichtig, dass die Travo-Arbeitsplätze nicht andere Stellen konkurrenzieren oder von Unternehmen als bloss als willkommene Gratisarbeit gesehen werden, sagt Walther.

Nicht nur für die Involvierten sei der Einsatz für ein saubereres Dietikon positiv, sagt Leiter Abfallwesen Hartmann. Die Sichtbarkeit der Putztruppe mit Leuchtwesten sei wertvoll und führe zu positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Sozialabteilungsleiterin Walther ergänzt: «So können auch Berührungsängste zu Menschen am Rande der Gesellschaft abgebaut werden.»

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