Asyl
Asylsuchende: Die Lage im Limmattal ist unter Kontrolle

Jüngst gab der Kanton bekannt, dass er für 2016 mit 2500 zusätzlichen Asylsuchenden rechnet. Er erhöhte die Aufnahmequote für die Gemeinden. Ab Januar müssen diese pro 1000 Einwohner nicht mehr fünf, sondern sieben Asylsuchende aufnehmen.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Gesamthaft werden ab kommendem Jahr rund 170 zusätzliche Asylsuchende in den Gemeinden des Limmattals leben. Hier ein Szenenbild aus der Asylunterkunft Birmensdorf aus dem Jahr 2013.

Gesamthaft werden ab kommendem Jahr rund 170 zusätzliche Asylsuchende in den Gemeinden des Limmattals leben. Hier ein Szenenbild aus der Asylunterkunft Birmensdorf aus dem Jahr 2013.

Anika Bütschi

Unter den Gemeinden mit geringer Einwohnerzahl gibt es im Bezirk Dietikon solche, die das Soll bereits jetzt überschreiten. Mit derzeit vierzehn Asylsuchenden übertrifft Oetwil sein Kontingent gar um zwei Personen. Wie Sozialvorsteherin Rahel von Planta (FDP) sagt, würden daher nur zwei der eigentlich vier zusätzlichen Personen aufgenommen werden müssen. «Wir suchen derzeit nach Lösungen», so von Planta. Sie sei zuversichtlich, dass dies ohne grössere Hindernisse gelinge.

Bis vor einer Woche beherbergte auch Uitikon einen Asylsuchenden mehr, als es eigentlich müsste. Anstatt der geforderten 20 wohnten 21 in der Gemeinde, im kommenden Jahr werden es 28 sein. Gemeindeschreiber Bruno Bauder gibt zu bedenken, dass – falls sich die Kontingente weiter erhöhen – die zusätzlichen Asylsuchenden nicht mehr problemlos aufgenommen werden können. «Allenfalls muss man sich dann mit einer Containerlösung helfen», so Bauder.

Schlieren sucht Wohnungen

Ruhig ist die Lage auch in Unterengstringen. Laut Sozialvorsteherin Gisela Biesuz (SVP) kommen sieben zusätzliche Asylsuchende auf die Gemeinde zu, derzeit sind ihr deren 17 zugeteilt. Die Gemeinde ist nicht im Besitz einer Asyl-Massenunterkunft, sondern setzt auf angemietete oder gemeindeeigene Wohnungen. Das Anmieten von zusätzlichen Wohnungen sei jedoch im Moment nicht nötig, so Biesuz: «Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer Umverteilung alle 24 Asylsuchenden in den bestehenden Wohnungen unterbringen können», so die Sozialvorsteherin.

Gisela Biesuz-Strebel (SVP, bisher) 58-jährig, Treuhänderin, seit 1980 in Unterengstringen wohnhaft, Mitglied der Rechnungsprüfungskommission Unterengstringen, seit 2006 Gemeinderätin.

Gisela Biesuz-Strebel (SVP, bisher) 58-jährig, Treuhänderin, seit 1980 in Unterengstringen wohnhaft, Mitglied der Rechnungsprüfungskommission Unterengstringen, seit 2006 Gemeinderätin.

ZVG

Auch in Schlieren zeichnet sich durch die Änderung im Verteilschlüssel keine Platznot ab. Läuft der Baufortschritt planmässig, müsste die neue Asylunterkunft auf dem Werkhof-Areal Mitte 2016 eröffnet werden. Für 2,8 Millionen Franken wird dort ein Modulbau für 48 Bewohner erstellt. «Zwar ist die Lage bei uns nicht so ernst wie in anderen Gemeinden, doch hoffen wir, dass die zusätzlichen Asylsuchenden über das Jahr hinweg gestaffelt auf die Gemeinden verteilt werden», sagt Claude Chatelain, Abteilungsleiter Soziales.

Er rechnet damit, dass mit dem neuen Verteilschlüssel zu den bisherigen 89 Personen 34 bis 35 zusätzlich hinzukommen. «Derzeit ist eine Strategie in Erarbeitung, die in den nächsten Tagen der Exekutive vorgelegt wird», so Chatelain. Bis anhin werden Asylsuchende in der bestehenden Unterkunft mit 25 Betten und in 13 angemieteten Wohnungen untergebracht. «Die Unterkunft ist aber sanierungsbedürftig und die Wohnungen sind teilweise nur befristet nutzbar – daher sind wir weiterhin auf der Suche nach geeignetem Wohnraum», so Chatelain.

Claude Chatelain

Claude Chatelain

Hansjörg Sahli

Dass irgendwo in einer Industriehalle in Dietikon – nach Aargauer Vorbild – bald Ikea-Hütten aufgebaut werden, ist nicht auszuschliessen. Der Bezirkshauptort rechnet für das kommende Jahr mit 50 Asylsuchenden, die zu den 130 bisher hier lebenden hinzukommen: «Das ist ein grosses Wachstum in sehr kurzer Zeit», sagt Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) auf Anfrage. So seien die angemieteten Wohnungen für Asylsuchende sowie die Grossliegenschaft an der Zürcherstrasse ausgelastet. In einer Task-Force, bei der neben der Sozialabteilung auch Vertreter der Schule, der Sicherheitsabteilung und der mit dem Asylwesen betrauten Firma ORS Service AG teilnehmen, sollen in den kommenden Wochen Lösungen gesucht werden.

Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau

Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau

Keystone

Dass dabei etwa Zivilschutzanlagen oder die Ikea-Haus-Variante zum Zug kommt, ist laut Bachmann nicht unwahrscheinlich.
Bis vor kurzem hatte Dietikon mit einem anderen Problem zu kämpfen: Diejenigen Asylsuchende, die den Status zu vorläufig Aufgenommenen wechseln, werden dem Kontingent der Gemeinde nicht mehr angerechnet. «Da diese Menschen jedoch oft Probleme bei der Wohnungssuche haben, da sie weder gute Deutschkenntnisse vorweisen noch wirtschaftlich unabhängig sind, bleiben sie oft länger in den für Asylsuchende vorgesehenen Unterbringungen der Stadt. «Wir konnten für die vorläufig Aufgenommenen zwar andere Unterbringungen finden, doch mit der Zuweisung von neuen Asylsuchenden beginnen die Probleme jeweils wieder von vorne und die Situation verschärft sich zunehmend», so Bachmann.

Dieses Problem kennen auch Gemeinden rechts der Limmat. So erfüllt Geroldswil sein Pflichtkontingent von 24 Asylsuchenden derzeit nicht, obwohl es 24 Personen eine Unterkunft bietet. «Es werden nur 18 Personen dem bestehenden Kontingent angerechnet», so Beat Meier. Der Grund: Diese 6 Personen gelten als vorläufig aufgenommen. «Trotzdem sind wir derzeit voll belegt, weil diese Probleme bei der Wohnungssuche hätten, würden sie noch immer in den Asylplätzen der Gemeinde wohnen. Mit dem neuen Quotienten erwartet der Kanton von Geroldswil die Aufnahme von 34 Asylsuchenden. «Unsere Sammelunterkunft in der Fahrweid ist mit 18 Asylsuchenden voll belegt. Gesamthaft können wir ab Anfang 2016 aber Unterkünfte für 32 Personen anbieten», sagt Meier. Dem Soll komme man damit sehr nahe.

Ähnlich sieht es beim Nachbarn Weiningen aus. Dort wird das aktuelle Kontingent von 22 auf 31 aufgestockt. Sozialvorstand Reto Beutler (FDP) war von der Kontingenterhöhung überrascht: «0,6 Prozent hatten wir erwartet, doch mit 0,7 hatten wir nicht gerechnet.» Bis im vergangenen August erfüllte auch Weiningen sein Kontingent nicht. «Vor allem wegen einiger Statusänderungen vorläufig Aufgenommener mit Flüchtlingsstatus», so Beutler. So sucht die Weininger Sozialabteilung derzeit nach Wohnungen für die zusätzlichen neun Asylsuchenden, die eine Bleibe benötigen.

Knapp werden die Platzverhältnisse auch in Birmensdorf. Neu wird die Gemeinde zusätzlich zwischen 12 und 13 Personen aufnehmen müssen, was einem künftigen Total von 42 bis 43 Asylsuchenden entspricht. Wie Sozialvorsteherin Annegret Grossen-Gabriel (FDP) sagt, biete die Container-Unterkunft Platz für 24 Personen, aktuell wird diese von bloss 21 bewohnt. Der Rest lebe in Wohnungen. «So müssen wir allenfalls die 9 neuen Personen in Wohnungen unterbringen. Dies dürfte schwierig werden», so Grossen-Gabriel. Eine Erweiterung der Container sei nicht geplant.

Eigentlich hätte Urdorf laut kantonalem Verteilschlüssel 46 Asylsuchende aufzunehmen. Doch auch mit der Erhöhung auf das kommende Jahr auf theoretisch deren 65 überflügelt Urdorf diese Auflage mit 95 Asylsuchenden bei weitem. Der Grund dafür liegt bei der Notunterkunft (Nuk) an der Werkhofstrasse, wo vorwiegend Asylsuchende mit negativem Bleiberechtsentscheid leben. «Diese werden dem von unserer Gemeinde zu tragenden Kontingent abgezogen», sagt Urs Tanner, Bereichsleiter Soziales. Daneben werden noch 15 Asylsuchende mit dem Status vorläufig Aufgenommen von der Gemeinde beherbergt. Wie Tanner sagt, seien diese noch vor dem Jahr 2008 als die Nuk eröffnete, Urdorf zugeteilt wurden. Dass Gemeinden mit einer Notunterkunft ihre vom Kanton geforderten Kontingente übertreffen sei normal: «In Adliswil, Kemptthal oder Uster zeigt sich ein ähnliches Bild.»

Aufenthaltsraum zum Schlafen

Speziell ist die Lage auch in Oberengstringen. Just auf Anfang 2016 kündigte die Gemeinde das Mandat mit der Asylorganisation Zürich (AOZ) und gliedert derzeit das Asylwesen wieder in die eigenen Verwaltungsstrukturen ein. Neben zu hohen Kosten begründete die Gemeinde diesen Schritt auch damit, dass den Asylsuchenden eine intensivere Betreuung zukommen soll. «Der Zeitpunkt für diese Erhöhung des Kontingents ist natürlich unglücklich für uns,» sagt Sozialvorstand Kurt Leuch (Politisches Forum Engstringen). Er rechnet mit einer anteilsmässigen Erhöhung des Kontingents um 12 bis 13 Asylsuchende auf neu deren 45 bis 46. «Wir kündigten das Mandat mit der AOZ, weil wir bei gleichen Kosten mit engerer Betreuung eine bessere Integration erbringen wollten», sagt Leuch. Es bleibe zu hoffen, dass dies in Anbetracht der Kontingenterhöhung gelinge. Für die Beherbergung habe man nur noch eine minimale Ausbaureserve in der Asylunterkunft Lanzrain. «Ein Aufenthaltsraum kann dort zu einem Schlafraum umfunktioniert werden», sagt Leuch. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten für die zusätzlichen Asylsuchenden seien in Abklärung.