Bezirksgericht Dietikon

«Asozial und unverfroren»: Kriminaltourist brach in Schlierener Haus ein – die Strafe fällt hart aus

Die Polizei kam einem 23-jährigen Bulgaren rasch auf die Schliche: Noch am Tag seines Einbruchs in ein Schlieremer Einfamilienhaus wurde er geschnappt. Nun muss er für 17 Monate ins Gefängnis (Themenbild).

Die Polizei kam einem 23-jährigen Bulgaren rasch auf die Schliche: Noch am Tag seines Einbruchs in ein Schlieremer Einfamilienhaus wurde er geschnappt. Nun muss er für 17 Monate ins Gefängnis (Themenbild).

Ein Mann ist mit dem Fernbus nach Zürich gereist – kurz darauf steigt er in Schlieren in ein Einfamilienhaus ein: Das Bezirksgericht Dietikon schickt den 23-Jährigen nun länger ins Gefängnis, als dies die Staatsanwaltschaft beantragt hatte.

Die Staatsanwältin bezeichnet den Mann als Berufskriminellen. Und auch dessen Verteidiger weist in seinem Plädoyer darauf hin, dass sein Mandant in seiner Heimat Bulgarien über 13 einschlägige Vorstrafen verfügt und schon im Gefängnis sass. Doch der 23-Jährige sagt, dass er bloss zufällig und aus einer Notsituation heraus in ein Einfamilienhaus im Schlieremer Villenquartier eingebrochen sei. Er habe nie jemanden geschlagen, er nehme keine Drogen, ein eigentlicher Krimineller sei er nicht, macht er geltend.

Die Tat an sich ist dabei unbestritten: Der Bulgare drang am Mittwoch, 7. August 2019, irgendwann zwischen Mitternacht und 14 Uhr durch ein Zimmerfenster ins Haus ein. Dort durchwühlte er die herumstehenden vollen Umzugskartons. Er steckte in seinen Rucksack, was er finden konnte. Polizei und Staatsanwaltschaft listen 51 Gegenstände auf. Darunter befinden sich kleinere Beutestücke wie «1 Sack Haribo», der ein bisschen Münz in fremden Währungen enthielt, eine Stirnlampe und zwei Medaillen vom Engadiner Skimarathon, aber auch diverse wertvolle Schmuckstücke, teure Taschenuhren und Notengeld. Der Einbrecher richtete saftigen Sachschaden an; um seine Spuren zu vernichten, hatte er eine ätzende Flüssigkeit über Fenstersims, Linoleumboden und Holztisch gegossen.

Beim Verkauf aufgeflogen

Dennoch kam er mit seiner Beute – ihr Wert wird mit rund 40'000 Franken angegeben – nicht weit. Als er noch am Nachmittag desselben Tages versuchte, drei Schmuckstücke zu verkaufen, rief der aufgesuchte Goldhändler die Polizei. Ihm war der Mann verdächtig vorgekommen. Seither sitzt der Bulgare im Gefängnis.

Er sei nur in die Schweiz gereist, um hier eine Arbeitsstelle anzutreten, sagte der arbeitslose Bulgare, der sich zuvor mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte, gestern vor dem Dietiker Bezirksgericht. Ein Freund hatte ihm eine Telefonnummer von Rumänen gegeben, die ihn beschäftigen würden. Als er in Zürich aus dem Fernbus gestiegen sei, habe es für ihn keine Arbeit gegeben, nicht einmal schwarz. Er sei verarscht worden; er sei nur eingebrochen, um an Geld für die Rückreise zu kommen, sagte er mehrmals.

Doch diese Geschichte nahm das Gericht dem Mann nicht ab: Denn detaillierte Angaben zur Arbeitsstelle («eine Baustelle irgendwo») oder zu den erwähnten Rumänen («die Nummer habe ich weggeworfen») konnte der Beschuldigte nicht machen. Und dass er nur ein paar Stunden nach seiner Einreise einfach so nach Schlieren fuhr, dort zufällig in einem Villenquartier ein Haus fand, in dem sich niemand aufhielt, und danach in Zürich wusste, wo er die Wertsachen verkaufen könnte, machte das Gericht ebenfalls stutzig. «Es ist schwierig, da an Zufälle zu denken», sagte Richter Benedikt Hoffmann, der den Vorsitz des Gerichts führte.

Geringere Beute, aber höhere Strafe

Umstritten war gestern eigentlich nur, wie gross die Beute nun gewesen war. Der ansonsten geständige Bulgare hatte von Beginn an bestritten, dass er bei seinem Einbruch auch zehn Goldketten, zehn Goldvrenelis, einen Füllfederhalter und eine bestimmte Uhr eingepackt hatte. Während die Polizei bei der Verhaftung des Mannes alle anderen von der Familie als gestohlen gemeldeten Sachen sicherstellen konnte, waren diese Gegenstände nicht im Rucksack zu finden. «Hätte mein Mandant diese vor seiner Verhaftung verkauft, hätte er rund 7000 Franken Bargeld bei sich haben müssen», sagte der Verteidiger. Das Bezirksgericht folgte diesen Überlegungen; mangels Beweisen sprach es den Bulgaren bezüglich Diebstahls dieser Wertgegenstände frei.

Doch dies änderte nichts: Die Deliktsumme sei dennoch relativ hoch, meinte Hoffmann. Er verwies zudem auf das professionelle Vorgehen des Beschuldigten. Der Richter sprach von einem asozialen, unverfrorenen Verhalten. «Das tolerieren wir nicht.» Das Bezirksgericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte 16 gefordert, der Verteidiger 14. Die Strafe wird vollzogen. Angesichts der vielen Vorstrafen sei eine bedingte Strafe ausgeschlossen, meinte Hoffmann. Man komme «nicht in die Nähe einer günstigen Prognose». Der Mann wird zudem für acht Jahre des Landes verwiesen.

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