Dietikon

Fruchtbare Gespräche: Beim Thema Verkehr wurde es laut

Gute Laune: Nik Gugger (EVP), Markus Bischoff (AL), Moderatorin Bettina Hamilton-Irvine, Jacqueline Fehr (SP) und Marcel Lenggenhager (BDP).

Gute Laune: Nik Gugger (EVP), Markus Bischoff (AL), Moderatorin Bettina Hamilton-Irvine, Jacqueline Fehr (SP) und Marcel Lenggenhager (BDP).

Vier Regierungsratskandidaten zeigten in einer Diskussionsrunde, wie sie die Zukunft des Limmattals sehen. Die Visionen überschnitten sich dabei häufiger als man hätte denken können.

Das Limmattal steht vor grossen Herausforderungen: Es ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen des Kantons, da braucht es neuen Wohnraum und auch das Strassen- und Schienennetz wird an seine Grenzen stossen. Hier wird der neue Zürcher Regierungsrat Lösungen finden müssen.

Vier der am 12. April antretenden Kandidaten haben am Donnerstagabend im Dietiker Stadtkeller mögliche Lösungen diskutiert. Dabei waren sich Jacqueline Fehr (SP), Markus Bischoff (AL), Marcel Lenggenhager (BDP) und Nik Gugger (EVP) oft erstaunlich einig.

Lieber Bahn statt mehr Strassen

Trotzdem war das Gespräch lebhaft und insbesondere beim Thema Verkehr teilweise leidenschaftlich. Soll der Kanton Zürich 510 Millionen Franken in die Limmattalbahn investieren? Was wird eine dritte Gubrist-Röhre bringen? Diese Fragen von Moderatorin Bettina Hamilton-Irvine, der Stellvertretenden Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung, lösten angeregte Diskussionen aus.

Lenggenhager stand dem Ausbau von Autobahnen generell am positivsten gegenüber. Bischoff, der betonte, neue Strassen würden nur mehr Verkehr generieren, war besonders skeptisch. Durch einen Ausbau werde das Problem nur verlagert, sagte er: So entstünden immer wieder neue Nadelöhre, die ausgebaut werden müssten.

Fehr sieht Strassen als sehr ineffizient, denn «durch Schienenverkehr können pro investiertem Franken viel mehr Leute befördert werden». Man müsse mehr Menschen von der Strasse zum öffentlichen Verkehr bringen.

Gugger, ganz der Optimist, sah das Problem Gubrist als Chance: In den letzten 20 Jahren sei er vom Auto auf die Bahn umgestiegen, weil ihm der tägliche Stau zu viel geworden sei. «Nadelöhre können die Leute zum Umdenken bringen.»

Bei der Limmattalbahn sind sich die vier fast einig: Alle sind im Grunde dafür, jedoch ist Lenggenhager noch nicht sicher, wie er Ende Monat stimmen wird, wenn das Geschäft im Kantonsrat behandelt wird. Bischoff betonte, man müsse umsichtig planen, weil die Bahn die Preis- und Wohnstruktur entlang des Trassees verändern werde.

Fehr sagte: «Wo die Bahn hinfährt, entsteht Mehrwert.» Es gelte aber unbedingt sicherzustellen, dass die Orte, die neu an der Bahnstrecke liegen, nicht zu einer «seelenlosen Agglomeration» würden.

Gegen Leistungsabbau

Auf die Frage, wie der Kantonshaushalt wieder ins Lot gebracht werden könne, antworteten die Politiker generell bis ausweichend. «Sparen darf nicht mit Leistungsabbau verwechselt werden», sagte Bischoff. Wie auch Lenggenhager wies er darauf hin, dass bei den Finanzen eine ruhige Hand wichtig sei; «Hau-Ruck-Übungen» seien nicht angebracht.

Fehr rief zum Umdenken auf: «Zürich ist wohl einer der reichsten Orte des Planeten und hat sehr viel Potenzial. Das müssen wir ausnutzen. Sparen allein nützt nichts.» Investiere man beispielsweise in die Frühförderung der Kinder, spare man später an Massnahmen.

Investiere man in gemeinnütziges und verdichtetes Bauen, spare man später Sozialhilfe- und Sicherheitskosten. Gugger betonte: «Bildung ist der Finanzmotor, dort darf nicht noch mehr gespart werden.»

Gugger sprach sich zudem für verdichtetes Bauen aus. Bischoff kommentierte: «Verdichtetes Bauen darf aber nicht heissen, dass das Schlafzimmer nachher doppelt so gross ist.» Lenggenhager gab ihm recht: «Die Architekten müssen lernen, alles wieder etwas kleiner zu gestalten.»

Alternative Wohnformen wurden von mehreren Kandidaten gelobt. Bischoff brach zudem eine Lanze für den gemeinnützigen Wohnungsbau: «Wenn der Kanton bei neuen Überbauungen einen Prozentsatz an gemeinnützigen Wohnungen verlangt, schafft er Mehrwert, ohne dass er Geld in die Hand nehmen muss.»

Auch das Thema Sozialhilfe liess Emotionen aufkommen: Man dürfe nicht das System für einzelne Fälle von Missbrauch verantwortlich machen, denn Sozialhilfe sei eine Erfolgsgeschichte, hielten Fehr und Bischoff fest.

Bischoff betonte, die Sozialhilfekosten seien seit längerer Zeit auf dem gleichen Niveau, während die Ergänzungsleistungen zu AHV und IV förmlich explodierten. Aber dies zu kritisieren sei halt weniger populär, als Sozialhilfe zum Sündenbock zu machen.

Meistgesehen

Artboard 1