Es waren solche Eigenheiten, die sein öffentliches Bild eines korrekten Bürgers prägten. Einer breiteren Öffentlichkeit war Naumann als Gemeinderat bekannt. Seit 1978 war er Mitglied des Stadtparlaments, das nur vier Jahre zuvor ins Leben gerufen worden war. Bei den Wahlen 2014 war er nicht mehr angetreten. Naumanns Partei, deren prägende Figur er über die Jahrzehnte geworden war, ist eigentlich gar keine, wie schon der Name sagt: Quartierverein.

1973 gegründet, sah sich der Verein als eine Art Sammelbecken für Schlieremerinnen und Schlieremer, die sich nicht in einer der bekannten Parteien aufgehoben fühlten. Der Quartierverein war in der Stadt verwurzelt, politisierte nicht über deren Rand hinaus. Naumann war nicht der einzige Vertreter des Quartiervereins im Stadtparlament, aber als dessen langjähriger Präsident immer auch eine Art Doyen.

Auf Naumann traf die Parteiparole von 1990 perfekt zu: «Gradlinig, mutig, unabhängig.» Er blieb seinem Stil treu – und zwar über all die Jahrzehnte, politischen Moden und Strömungen zum Trotz. Er scheute sich nicht zu sagen, was er dachte. Er blieb ein unabhängiger Geist, vor keinen Lobby-Karren gespannt, nur der Bevölkerung verpflichtet.

Der Quartierverein entstand in den 1970er-Jahren aus einem Bürgerprotest. Die Planung der Zürcherstrasse im Mülligenquartier war Anlass dafür. Dieser Protest blieb für Naumann irgendwie Programm. Zeitlebens schaute er dem Stadtrat sehr genau auf die Finger, kritisch, scharfsinnig, manchmal auch pedantisch. «Es ist immer wieder möglich, Verbesserungen vorzuschlagen», liess er in einem Wahlkampf wissen. Dass dies möglich ist, zeigte er im Stadtparlament bei vielen Gelegenheiten.

Arthur Naumann verstarb am 22. Februar nach schwerer Krankheit 81-jährig.