Limmattaler Schulen
Arsenbelastete Präparate werden sicher gelagert

Die Limmattaler Schulen haben ausgestopfte Tiere, die mit Arsen belastet sind. Sie werden kaum mehr verwendet.

Thomas Mathis
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Dieser Marder sollte nicht berührt werden, wenn er mit Arsen belastet ist.

Dieser Marder sollte nicht berührt werden, wenn er mit Arsen belastet ist.

Getty Images/iStockphoto

Tierpräparate wurden früher mit Arsen behandelt, um sie vor Schädlingen zu schützen. Wie die Messung in einem Winterthurer Schulhaus im Mai dieses Jahres zeigte, übersteigt die Belastung mit der toxischen Substanz die Grenzwerte zum Teil massiv. Auch im Limmattal halten die Schulen solche arsenbelasteten Tierpräparate. Das zeigt eine Umfrage bei den Schulleitungen.

In Uitikon wurden die ausgestopften Tiere vor einigen Jahren von einem Präparator begutachtet. «Er hat bestätigt, dass unsere Präparate im üblichen Masse arsenbelastet sind, dies jedoch innerhalb der definierten Grenzwerte», sagt Schulleiter Amadé Koller. Die Tiere würden laut dem Spezialisten fachgerecht aufbewahrt und die Lehrpersonen seien informiert, dass die Präparate nur zu Anschauungszwecken dienen und nicht angefasst werden sollten.

Grund für diese Regel ist, dass die krebserregende Substanz nur über Berührungen oder durch das Einatmen von belastetem Staub gefährlich wird. Werden die Präparate nicht berührt, können sie im Unterricht also bedenkenlos eingesetzt werden. Wenn die toten Tiere nicht verwendet werden, empfiehlt es sich, sie wegzuschliessen oder hinter einer Glasscheibe zu lagern.

Belastung wurde nicht abgeklärt

Diesem Ratschlag kommen die Limmattaler Schulen nach, so auch die Schule Rebberg-Gubrist in Oberengstringen: «Unsere Präparate werden gut verschlossen aufbewahrt und werden kaum mehr verwendet», sagt Schulleiterin Esther Solimine. Als das Volksschulamt 2013 mit einem Schreiben auf die Arsenbelastung bei Tierpräparaten hingewiesen habe, habe sie im Lehrerzimmer zudem Verhaltenstipps aufgehängt.

Ob die Tierpräparate im Limmattal mit Arsen belastet sind, wurde bisher an den wenigsten Schulen abgeklärt. «Wir haben eine ganze Vitrine voll», sagt Schulleiter Beda Durschei von Unterengstringen. Diese seien in den vergangenen Jahren aber nicht auf die Belastung mit Arsen getestet worden. Durschei will demnächst mit der Schulpflege diskutieren, welche Massnahmen zu treffen sind. Konkretere Pläne gibt es bereits in Urdorf.

Hans Karrer, Leiter der Schulverwaltung, hatte bereits Kontakt mit dem kantonalen schulärztlichen Dienst. An der nächsten Sitzung der Schulpflege wird er das weitere Vorgehen besprechen und Regeln für den vorsichtigen Umgang mit den Präparaten vorschlagen. «Ich finde es schade, wenn wir die ausgestopften Tiere entsorgen müssen. In Glaskasten lassen sie sich ohne Bedenken ausstellen», so Karrer. Wichtig sei, dass man von der Schädlichkeit des Arsens wisse und mit den Präparaten entsprechend umgehe.

Der Unterricht hat sich gewandelt

In der Primarschule Birmensdorf wurde die Sammlung kürzlich gereinigt und staubfrei gemacht, sodass kein Arsenstaub in die Luft gelangen dürfte. An anderen Schulen wurde die Sammlung reduziert oder ganz aufgegeben. An der Primarschule Weiningen beispielsweise wurden wegen Platzproblemen vor Jahren diverse Präparate weggegeben, weil sie im Unterricht nicht mehr benötigt wurden. «Tierpräparate werden nur noch selten eingesetzt, zum Beispiel für die Waldprojektwoche oder bei Vorträgen», sagt Schulleiterin Susan Baader.

Im Geroldswiler Huebwis sind die wenigen noch vorhandenen Präparate seit 2013 eingeschlossen. Auch diese Tiere werden kaum mehr verwendet. «Beamer und Internet haben die Ansichtsexemplare verdrängt», sagt Schulleiter Lorenzo Conte. Werden die Präparate im Unterricht gebraucht, gelte die Regel, dass sie nicht angefasst werden dürfen. Ob alle Präparate geprüft werden sollen, werde nach den Sommerferien entschieden.

Tierpräparate sind auch in den Dietiker Schulen zu finden. Wie Sprecherin Esther Pioppini sagt, halte man sich an die Empfehlungen des Volksschulamtes. «Die Tierpräparate werden nur unter Aufsicht im Unterricht verwendet», sagt sie. Zudem seien die Kinder angewiesen, die Präparate nicht zu berühren. Die Schule Schlieren wollte vor den Ferien keine Stellung nehmen.

Nachgefragt bei Experte Beat Häring: Sind arsenbelastete Tiere gefährlich?

Welcher Gefahr waren die Kinder durch die Tierpräparate in den Schulhäusern ausgesetzt?
Beat Häring: Kommt man in Kontakt mit Arsen, durch Berühren oder Einatmen, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man an Krebs erkrankt. Allerdings liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 1:100 000, sie ist also relativ gering. Wie stark die Kinder in den Schulhäusern der Gefahr ausgesetzt waren, hängt aber auch stark davon ab, wie die Lehrer mit den Präparaten umgegangen sind.

Wäre Entgiften eine Variante?
Nein, das ist nicht möglich. Das Arsen wird an der Innenseite der Tiere aufgetragen, und von dort diffundiert es auf das ganze Tier.

Seit wann ist bekannt, dass Tierpräparate giftig sein können?
Arsen ist mindestens seit zwanzig Jahren verboten, seit bekannt ist, dass es krebserregend ist. Im Leitfaden des Zürcher Volksschulamts steht seit 2013, dass im Umgang mit Tierpräparaten Vorsicht geboten ist, dass man sie nicht berühren sollte, ausser mit Handschuhen.

Dieser Leitfaden wird nun überarbeitet. Warum?
Gemäss Suva-Grenzwertliste ist der Kontakt mit Arsen grundsätzlich so gering wie möglich zu halten. Falls aber keine Alternativen bestehen, darf der Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Kubikmeter in der Luft nicht überschritten werden. Bei Schulen bestehen die Alternativen, Präparate in Vitrinen einzuschliessen oder mit ungiftigen zu ersetzen. Tierpräparate, die weniger als 1000 Milligramm Arsen pro Kilogramm enthalten, gelten als völlig unbedenklich.

Sie sind an der Überarbeitung des Leitfadens beteiligt. Werden dort arsenhaltige Präparate in Schulen verboten?
Ich werde darauf hinarbeiten, dass im Leitfaden, der schweizweit gelten soll, drinsteht, dass diese Tiere entweder ersetzt werden oder in eine Vitrine gestellt werden müssen.

Einige Lehrer sagen, der pädagogische Wert von Tierpräparaten bestehe darin, dass die Kinder sie anfassen dürften. Was ist die Lösung?
Man kann die Tiere durch ungiftige ersetzen. Heute ist das Präparieren mit ungiftigen Stoffen möglich, es kostet einfach etwas mehr. Eine Krähe kriegt man etwa für 600 bis 800 Franken. (Deborah Stoffel)