Vor knapp einem Jahr geschah es: Bei einer Schiessübung der Armee auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal in Birmensdorf drückt ein Soldat ab – das Geschoss aus seinem Sturmgewehr trifft aber nicht die Zielscheibe, sondern wird abgelenkt und verletzt einen anderen Armeeangehörigen, der sich in einem Waldstück abseits des Zielhanges aufhält. So wird der Schiessunfall vom 26. März in einer Untersuchung der Militärjustiz geschildert, die vor Kurzem abgeschlossen wurde. Der Getroffene hat Glück im Unglück: Die Kugel verliert auf ihrer Flugbahn viel Tempo und tritt nicht in seinen Körper ein, fügt ihm aber ein Hämatom im linken Beckenbereich zu.

Die Schiessübung wurde laut Tobias Kühne, Mediensprecher der Militärjustiz, nach dem Vorfall umgehend abgebrochen. Der Unglücksschütze sei nach der Untersuchung disziplinarisch bestraft worden. «Dies, weil er entweder zu tief oder zu hoch geschossen haben muss, damit es zu einem so abgelenkten Schuss kommen konnte», so Kühne. Damit habe er sich eines leichten Falls von Verletzung der Dienstvorschriften schuldig gemacht.

Das Strafmass in einem solchen Fall liegt laut Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) im Ermessen des vorgesetzten Kommandanten. Es kann von einem Verweis bis zu einer Arreststrafe von maximal zehn Tagen reichen. Welche Strafe gegen den Schützen beim Schiessunfall in Birmensdorf ausgesprochen wurde, wollte die Kommunikationsabteilung Heer auf Anfrage nicht sagen.

Richter empfiehlt Verschärfung

Um künftig ähnliche Vorfälle oder gar Schlimmeres zu verhindern, empfiehlt der mit der Untersuchung betraute Untersuchungsrichter dem Kommandanten eine Anpassung der Sicherheitsmassnahmen. Konkret soll in Zukunft während der Schiessübungen ein gewisser Waldbereich neben dem Zielhang zeitweilig gesperrt werden, so Kühne.

Josef Bach von der Waffenplatzverwaltung erklärte gestern, dass seit dem Unfall bis heute keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden: «Das Sicherheitskonzept blieb unverändert.» Gemäss diesem ist während der Schiessübungen von Militär oder Polizei das ganze Gebiet des Waffenplatzes für die zivile Nutzung gesperrt. Dann weisen jeweils Schiessplatzpublikationen sowie Strassensperren und Schilder auf den Wegen, die ins Tal führen, auf die Gefahr hin. Wer diese passiert, betritt das Gebiet auf eigene Gefahr.

Laut VBS ist das Kommando des Waffenplatzes nun daran, die Empfehlungen des Untersuchungsrichters umzusetzen. «Die Massnahmen werden bald ergriffen. Eine Umsetzungsfrist ist aber keine vorgegeben», wie die Kommunikationschefin Heer Kirsten Hammerich auf Anfrage sagt. An die Öffentlichkeit gelangte der Unfall wegen der Schliessung des Wanderwegs von Egg über das Ober-Reppischtal zum Hafnerberg. Dieser befindet sich zwar schon seit der letzten Revision nicht mehr im kantonalen Richtplan, signalisiert wurde dies jedoch erst Ende Juni des vergangenen Jahres. Der Grund: Um das Sicherheitsdispositiv im Reppischtal zu verstärken, wurde der Weg in Absprache mit der technischen Leitung der Zürcher Wanderwege noch vor Abschluss der Untersuchung des Schiessunfalls offiziell geschlossen, wie Damian Casanova vom Waffenplatzkommando letzten Juli erklärte.

Leute im Zielhang: Übungsabbruch

Grundsätzlich stellten die Schiessübungen keine Gefahr für Armeeangehörige und Zivilisten dar, solange man sich an die Sicherheitsbestimmungen halte, sagt Bach von der Waffenplatzverwaltung: «Wir mussten zwar schon Übungen abbrechen. Dies jedoch nur, weil Leute die Abschrankungen nicht berücksichtigten und sich im Bereich des Zielhangs aufhielten.» Gegen ein solches Verhalten sei auch das Sicherheitskonzept des Waffenplatzes Reppischtal nicht gewappnet, so Bach.