Geht man der Bühlstrasse entlang, fällt die schwarze Fassade kaum auf. Die Laubbäume und Föhren verdecken die Sicht auf das Haus. Dabei handelt es sich um ein architektonisches Unikat. Nun soll das Haus des Schweizer Architekten Hans Demarmels in Geroldswil unter den Hammer kommen.

Leidenschaftlicher Anhänger Le Corbusiers

Demarmels verstarb 2010 im Alter von 79 Jahren. Er war nebst Schreiner, Maurer und Bauzeichner vor allem eines: ein leidenschaftlicher Anhänger des Stararchitekten Le Corbusier. Er bewunderte ihn so sehr, dass er ihn 1953 in Paris treffen wollte, um mit ihm zu arbeiten. Als Le Corbusiers Mitarbeiter dem jungen Demarmels mitteilten, der Meister-Architekt befände sich zur Zeit in Indien für den Bau von Chandigarh, packte Demarmels kurz entschlossen seine Vespa und fuhr ihm hinterher.


Doch statt in Indien anzukommen, brauste er durch Spanien, Italien und Griechenland, mit Gelegenheitsjobs als Barbier oder Koch hielt er sich über Wasser. Nach Griechenland reiste der junge Architekt weiter in Richtung Türkei. Im Libanon fand er schliesslich eine neue Heimat. Er baute einige Siedlungen und Häuser, doch die Oktoberrevolution 1959 beendete seinen Aufenthalt im Nahen Osten abrupt. Fluchtartig verliess er das Land und kam zurück in die Schweiz. Hier widmete er sich wieder der Architektur. Bekannt ist aus dieser Zeit insbesondere sein eigenes Atelierhaus in Zürich Höngg sowie ein Haus in Obersiggenthal und Jenes in Geroldswil. Demarmels war nie Leiter eines grossen Architekturbüros. Vielmehr war er Architekt und Baumeister zugleich. «Seine Baupläne erzählten stets eine Geschichte», schreibt das Architekturmagazin Hochparterre.

Relax-Zone und Indoorpool

Auch im 45-jährigen Haus an der Bühlstrasse erkennt man die Handschrift Demarmels klar. «Das Spezielle an diesem Haus ist, dass die Architektur auch im Inneren den Ton angibt», sagt Daniela Bellm, CEO der Bellugo AG, die das Haus nun an einen neuen Besitzer bringen soll. Die Halbstockwerke geben den Eindruck, dass alle Räume ineinanderfliessen. Das Haus hat zudem eine sogenannte Relax-Zone mit fixen Betonsofas. Eine Halbetage höher befindet sich ein weiterer Wohnbereich, daraufhin ein Wellnessbereich mit Indoorpool.


Rund um das Haus befinden sich viele Terrassen mit Blick über das Limmattal. «Das Haus an der Bühlstrasse ist ein Unikat», so Bellm. Das Bijou des verstorbenen Architekten besticht durch klare Strukturen und den Einsatz einfacher Materialien. Der Einfluss Le Corbusiers ist insbesondere im Brutalismus der Sichtbetonwände zu sehen, doch Demarmels durchbrach diese mit Fenstern und Luken, die Licht- und Schattenspiele entstehen lassen. Zwischen 2007 und 2010 liessen die Besitzer das Haus dem Design entsprechend, aber modern interpretiert, sanieren. «Das Wesen der Architektur Demarmels blieb», so Bellm.


Um das Bijou zu erwerben, muss der Käufer jedoch einiges auf den Tisch legen: Das Anwesen ist momentan für rund drei Millionen ausgeschrieben. Nebst der Bonität sei es den Besitzern aber auch wichtig, dass die Nachfolger die architektonische Besonderheit des Hauses wertschätzen, sagt Bellm.