Gubrist
Archäologische Funde: Das Leben vor der Röhre wird gesichert

Landschaftsreparaturen, Lärmschutzwände und Flüsterbeläge auf den Strassen waren noch Zukunftsmusik, als die ersten Menschen auf dem Gebiet der heutigen Autobahn und des östlichen Tunnelportals des Gubrists siedelten.

Sandro Zimmerli
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Die Archäologen legten beim Gubristportal in Regensdorf unter anderem Strassen aus der Römerzeit frei.

Die Archäologen legten beim Gubristportal in Regensdorf unter anderem Strassen aus der Römerzeit frei.

zvg

Unsere Vorfahren schlugen sich mit ganz anderen Problemen rum. Was sie beschäftigte, wie sie lebten und wo ihre Verkehrswege durchführten, versuchen derzeit Mitarbeitende der Kantonsarchäologie Zürich herauszufinden.

Während der Start zum Ausbau der Zürcher Nordumfahrung durch das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weiter hinausgeschoben wird, haben die Archäologen ihre Arbeit auf der künftigen Baustelle vorerst beendet. Letztes Jahr endete die dritte Ausgrabungsetappe an der Affolternstrasse in Regensdorf. Zurzeit werden die geborgenen Fundstücke ausgewertet und präpariert, wie Markus Pfanner, Kommunikationsbeauftragter der Zürcher Baudirektion auf Anfrage erklärt.

Opéra-Türe wird ausgestellt

«Bis die Funde ausgewertet sind, wird es jedoch noch einige Zeit dauern», so Pfanner. Die Fundstücke seien nicht zu besichtigen. Ob sie jemals ausgestellt werden, ist ebenfalls ungewiss. Geplant sei derzeit nichts in diese Richtung, sagt Pfanner.

Bereits in den Jahren 2010 und 2012 haben auf einer rund 4500 Quadratmeter grossen Untersuchungsfläche an der Affolternstrasse zwei Ausgrabungsetappen stattgefunden. In Auftrag gegeben wurden sie vom Bundesamt für Strassen. Dieses plant, auf dem Terrain einen vorübergehenden Installationsplatz für den Ausbau der Nordumfahrung einzurichten.

Die Schatzkammer aus der Bronzezeit Beim Kahlschlag des Waldes im Weininger Hardwald kamen fünf Hügelgräber aus der mittleren Bronzezeit (1500 bis 1300 vor Christus) samt Beigaben zum Vorschein.
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Der älteste in der Schweiz gefundene Gegenstand 1954 wurde in Schlieren ein Faustkeil entdeckt. Das Stück dürfte rund 100 000 Jahre alt sein. Es handelt sich um den bisher ältesten in der Schweiz gefundenen Gegenstand.
Das Bad mit der Fussbodenheizung Aus der Römerzeit stammt die 1800 Jahre alte Badeanlage mit Bodenheizung, die 2003 in Uitikon freigelegt wurde. Sie ist in einem Glaskubus auf dem Hoffnungsplatz ausgestellt.
Das Hausheiligtum aus dem römischen Gutshof Im römischen Gutshof in Dietikon wurde die Statue der Göttin Minerva entdeckt. Sie stammt aus einem Haus, das Mitte des 3. Jahrhunderts einstürzte, und diente wohl als Hausheiligtum.

Die Schatzkammer aus der Bronzezeit Beim Kahlschlag des Waldes im Weininger Hardwald kamen fünf Hügelgräber aus der mittleren Bronzezeit (1500 bis 1300 vor Christus) samt Beigaben zum Vorschein.

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Damals stiessen die Archäologen auf Überreste von eisenzeitlichen Brand- und Körpergräbern, römischen Grabmonumenten, prähistorischen und römischen Siedlungen sowie einen Weg und Strassenreste aus römischer Zeit und dem Hochmittelalter. Die Funde zeugen von Aktivitäten unserer Vorfahren vom Neolithikum (ab zirka 5500 v. Chr.) über die Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.), die Latènezeit (zirka 500 bis 15 v. Chr.) und die römische Epoche (15 v. Chr. bis zirka 450 n. Chr.) bis hin ins Hochmittelalter (10. und 11. Jahrhundert.). Mit der dritten Etappe wurden die archäologischen Ausgrabungsarbeiten im Bereich des geplanten Installationsplatzes nun abgeschlossen.

Laut Pfanner werden solche Ausgrabungen nur dann angeordnet, wenn durch Vorabklärungen gesichert ist oder die grosse Wahrscheinlichkeit besteht, dass Spuren früherer Epochen gefunden werden können. Der grösste Teil der Funde wird im Lager der Kantonsarchäologie archiviert. Nur besondere Fundstücke werden ausgestellt. Ein solches Beispiel ist 5000 Jahre alte steinzeitliche Türe, die bei den Ausgrabungen für das Parkhaus Opéra beim Opernhaus Zürich entdeckt wurde. Sie ist die drittälteste Tür der Schweiz und wahrscheinlich Europas. «Sie ist für die Präparation nach Mainz gebracht worden und soll bald in Bern ausgestellt werden», so Pfanner. Viele Tonscherben oder andere Fundstücke würden für die Öffentlichkeit nicht sichtbar. «Für Ausstellungen sind sie nicht geeignet, da sie für den Laien nichts Besonderes darstellen. Im Gesamtzusammenhang geben sie jedoch interessante Aufschlüsse auf frühere Lebensweisen», sagt Pfanner.