Limmattal

Arbeitsprogramme sind beliebt, stehen aber nicht allen Asylsuchenden offen

Auch Oberengstringen will Flüchtlingen Arbeit anbieten (Symbolbild).

Auch Oberengstringen will Flüchtlingen Arbeit anbieten (Symbolbild).

Nachdem Dietikon die Plätze im Beschäftigungsprogramm für Asylsuchende aufgestockt hat, will nun auch Oberengstringen seine Flüchtlinge beschäftigen.

Sie «fötzeln» auf Dietiker Strassen oder gehen dem Personal des Schlieremer Altersheimes zur Hand. Im Bezirk Dietikon gibt es für Flüchtlinge mit dem Status N, deren Asylentscheid noch nicht gefällt wurde, bereits vereinzelte Arbeitsprogramme. Bald kommt ein Neues hinzu.

«Wir sind mit verschiedenen Organisationen – unter anderem Solinetz – im Gespräch für die Schaffung eines Beschäftigungsprogramms», sagt der Oberengstringer Sozialvorsteher Kurt Leuch (PFE). Zwar habe das Erlernen der deutschen Sprache noch immer oberste Priorität, doch seien geregelte Tagesstrukturen enorm wichtig. «Je länger man untätig herumsitzt, desto schwieriger fällt es, wieder einen geregelten Tagesablauf aufzunehmen», so Leuch. Im Laufe dieses Jahres soll ein konkretes Projekt vorliegen.

Sein Angebot für Asylsuchende bereits ausgebaut hat Dietikon im vergangenen Sommer. Das von der Firma ORS Service AG im Auftrag der Stadt durchgeführte Programm «Für ein sauberes Dietikon» wurde zuvor für 20 Teilnehmer angeboten, neu stehen den Asylsuchenden 26 Plätze zur Verfügung. Mit gelben Vesten ausgestattet befreien sie zweimal wöchentlich während 45 bis 90 Minuten Strassen und öffentliche Plätze von Unrat und erhalten dafür 12.50 Franken als sogenannte Motivationszulage.

Laut ORS-Sprecherin Simona Gambini komme das Angebot bei den Asylsuchenden sehr gut an und es müssten gar Wartelisten geführt werden. Der Dietiker Sozialvorsteher Roger Bachmann (SVP) sagt auf Anfrage, dass der Werkhof mit seinen Ressourcen für Strassenreinigung an seine Grenzen gestossen sei. «Besonders an Wochenenden und während der Sommermonate hat das Littering stark zugenommen», sagt er. Der Ausbau des Arbeitsprogramms sei daher eine Win-win-Situation.

Wird flächendeckend beschäftigt?

Wie viele Asylsuchende, die noch nicht vorläufig aufgenommen wurden und deren Antritt einer Stelle im ersten Arbeitsmarkt somit stark reglementiert ist, für Arbeiten bei Städten und Gemeinden eingesetzt werden sollen, wird derzeit heiss diskutiert. Erst im vergangenen Sommer hat die Stadt Uster damit angefangen, ihre Asylsuchenden flächendeckend für Arbeiten einzusetzen. Holzfällen im Wald, im Winter Schneeschaufeln, aber auch Malerarbeiten oder das Bewachen von Velostationen können Aufgabengebiete sein. Fast alle erwachsenen Flüchtlinge nehmen Teil und arbeiten wöchentlich drei bis vier Halbtage für die Stadt.

Die Zwischenbilanz fällt sehr positiv aus: So hätten die Asylsuchenden Fortschritte in Deutsch gemacht, es komme zu weniger Konflikten untereinander und eine Tagesstruktur sei ohnehin gesünder, sagt Jörg Schilter, Leiter der Ustermer Asylkoordination, gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Kritisch beäugt diese Entwicklung jedoch der Zürcher Regierungsrat. Zum einen befürchte er, es könnten andere Arbeitskräfte verdrängt werden. Zum anderen will er verhindern, dass sich die Asylsuchenden integrieren, bevor über ihr Gesuch entschieden ist. Trotzdem haben sich offenbar bereits etliche Gemeinden nach den Erfahrungen bei der Ustermer Sozialvorsteherin Barabara Thalmann (SP) erkundigt.

Die Reaktionen auf den Ausbau der Arbeitseinsätze fallen bei den Verantwortlichen der Limmattaler Gemeinden verhalten aus. Claude Chatelain, Leiter Abteilung Soziales der Stadt Schlieren, weist darauf hin, dass mit solchen Einsätzen hohe Kosten verbunden sind. «Für Instruktion und Betreuung bräuchte es zusätzliches Personal. Aufwand und Ertrag würden sich nicht die Waage halten», sagt er. Das Fehlen einer geregelten Tagesstruktur bei den Asylsuchenden sieht er nicht als grosses Problem. «Die Mehrheit gestaltet ihren Tagesablauf selbstständig», so Chatelain. Für traumatisierte Personen, welche dies nicht können, bietet die Stadt das Programm «Engagiert» an. Etwa im Freibad, im Altersheim oder in der Schule können rund 20 Asylsuchende Einsätze leisten. «Ein Ausbau von ‹Engagiert› ist derzeit nicht geplant.»

Auch für Bachmann ist das Modell Uster in Dietikon keine Option. «Für uns steht fest, dass die Menschen erst integriert werden sollen, wenn der definitive Asylentscheid vorliegt.» Auch er nennt die Kosten als einen der Hauptgründe. «Darüber hinaus gibt es diverse Angebote von privater Seite, wie etwa Spazierengehen oder kirchliche Kaffee-Treffs, welche die Asylsuchenden in Anspruch nehmen können.»

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