Fahrweid
Arbeitslose drücken die Gastro-Schulbank

Die Ausbildner von «Hotel & Gastro Formation» machen das Föhrewäldli zu einem Bildungszentrum für Arbeitssuchende. Wie sich zeigt, hat die Branche solche Angebote bitter nötig.

Alex Rudolf (Text und Fotos)
Merken
Drucken
Teilen
Sekunden bevor die Gäste eintreffen, herrscht in der Küche hochbetrieb
16 Bilder
Die letzten Häppchen werden angerichtet
Die Currysuppe wurde ohne Rezept zubereitet
Es muss schnell gehen, wenn die hungrigen Gäste warten
Das Auge isst mit - diese Ausbildungsteilnehmerin fokussiert auf die Anrichtung
Auch den Abwasch übernehmen die Arbeitssuchenden
Nichts verlässt die Küche ohne dass Kochinstruktorin Manuela Schmid einen Blick darauf geworfen hat
Nicht nur die Kompetenzen in der Küche, auch die Deutschkenntnisse werden in der Ausbildung verbessert, sagt Kochinstruktorin Manuela Schmied
Die Arbeitssuchenden erhoffen sich an diesem Anlass einen künftigen Arbeitgeber zu finden
Hier werden die Stellensuchenden im Service ausgebildet
Draussen kommen sie in Kontakt mit Wirten aus dem ganzen Kanton
Das Angebot stösst auf grosses Interesse
Im Föhrewäldli wird der Grundstein für den beruflichen Erfolg gelegt
Gastroformation
Ernst Bachmann, Vizepräsident des Schweizerischen Gastroverbands, weiss, dass gutes Personal immer gefragt sein wird
Impressionen

Sekunden bevor die Gäste eintreffen, herrscht in der Küche hochbetrieb

Limmattaler Zeitung

Fernando* drapiert die frittierten Mini-Frühlingsrollen mit ruhiger Hand auf dem mit Süsssauer-Sauce gefüllten Tellerchen, weiter hinten in der Küche nimmt sich Buru* der Kichererbsenbällchen an. Jedes einzelne durchbohrt er mit einem Zahnstocher und legt es auf ein Schälchen, das mit dampfender, grüner Currysuppe gefüllt ist. Fernando und Buru sind zwei der 18 Teilnehmer der Küchenausbildung «Perfecto Futura», die «Hotel und Gastro Formation» gemeinsam mit den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im Föhrewäldli durchführt.

Während rund fünf Wochen können Stellensuchende mit Erfahrung im Gastrobereich die Küchen- und Serviceausbildung absolvieren und erhalten im Anschluss ein eidgenössisch anerkanntes Diplom. Vergangene Woche feierte der seit Januar im Föhrewäldli laufende Betrieb Einweihung. Rund 100 Wirte aus dem Kanton Zürich liessen sich von den Stellensuchenden verwöhnen.

Ob Fernando, Buru oder andere Teilnehmer der Ausbildung: Sie alle haben das Potenzial zu begehrten Arbeitnehmern zu werden. Denn davon hat es in der Gastrobranche derzeit zu wenig. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Ernst Bachmann weiss. Er präsidiert nicht nur die Verbände Gastro Zürich und Gastro Zürich City, sondern ist auch Vize-Präsident von Gastro Suisse, Kantonsrat für die SVP und selber Wirt eines Restaurants im Zürcher Wollishofen-Quartier. «In Küchen- wie auch in Serviceberufen zeichnet sich ein Nachwuchsmangel ab», sagt er. Dieser sei auf einen Wertewandel der heutigen Jungen zurückzuführen, die mehr Freizeit, niedrigere Hierarchien und grössere Karrierechancen anstreben. «Darauf muss man als Gastronom, soweit möglich, eingehen, wenn man gutes Personal will.»

Schritt in die richtige Richtung

Erschwerend dürfte die Masseneinwanderungsinitiative hinzukommen, da laut Bachmann rund 50 Prozent der Gastro-Angestellten ihre Wurzeln im Ausland haben. «Wir müssen das Potenzial an Arbeitnehmern in der Schweiz ausschöpfen», wenn das Personalproblem langfristig gelöst werden soll. Ausbildungen wie im Föhrewäldli seien ein Schritt in die richtige Richtung. «Dass hier motivierte Arbeitskräfte mit einer Grundbildung zu finden sind, wissen jedoch längst nicht alle Wirte im Kanton», sagt er. So würde er Branchenkollegen, die über Rekrutierungsprobleme klagen, stets auf das Angebot verweisen.

Derweil herrscht in der Küche reger Betrieb. Den Arbeitssuchenden ist anzumerken, dass sie sich darüber freuen, den Gästen ihr Können zu präsentieren. Alle sind wohlgelaunt und freundlich. Eine Note Anspannung ist trotzdem omnipräsent. Denn, wer bei den Gästen einen guten Eindruck hinterlässt, lernt im Föhrewäldli womöglich seinen künftigen Arbeitgeber kennen.

«Die Chefs von Restaurants und Hotels sollen sehen, dass die Absolventen wertvolle Gastromitarbeiter sind», sagt Heinz Gerig, der bei der «Hotel und Gastro Formation» für diese Ausbildung verantwortlich ist. Die Lehrinstitution mit Sitz im Weggis wird von drei Trägern finanziert und bietet Aus- und Weiterbildungen an. Den Futura-Kurs gibt es seit 1996. Dabei gehe es nicht darum, Stellensuchende zu diesem Programm zu zwingen. «Wir wollen Leute, die bereits Erfahrung in der Gastronomie haben und motiviert sind, in dieser Branche weiterzuarbeiten», so Gerig. Bereits in neun anderen Kantonen gibt es «Perfecto Futura»-Kurse.

Auch Deutsch verbessert sich

Manuela Schmid ist stolz auf ihre Schützlinge. Die Ostschweizerin ist seit drei Jahren Kücheninstruktorin bei «Perfecto Futura». Sie sagt, dass sie den Arbeitssuchenden in erster Linie die Abläufe in einer Grossküche mitgeben will: «Sie sollen lernen, wie alltägliche Arbeiten am effizientesten ausgeführt werden.» Doch auch grundlegendes Wissen über das Kochen soll vermittelt werden. «Es gibt 15 verschiedene Garmethoden. Nach dieser Ausbildung beherrschen sie alle», so Schmid. Die grösste Herausforderung im Alltag stellt dabei die Sprachbarriere dar. «In der Küche wird deutsch gesprochen, sodass die Arbeitssuchenden auch das Vokabular in einer Küche lernen.» Dies sei zwar manchmal beschwerlich, doch lohne sich dieses Regime, da sich nach den fünf Wochen die Sprachkenntnisse – auch ausserhalb des Küchenjargons – merklich verbessern würden.

Auch Peter Greif vom regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Dietikon kann diesem Angebot nur Positives abgewinnen, weil die Arbeitssuchenden «eine vertiefte Ausbildung im Frittieren, im Braten und im Servieren» erhalten, sagt er. Somit würden sie für jeden Betrieb interessant. Die Teilnehmer der Ausbildung würden aber nicht nur bei der Stellensuche Vorteile haben, sondern auch danach. «Mit dieser Ausbildungsbestätigung haben sie ein Diplom in der Hand und können dadurch teilweise einen höheren Lohn verlangen oder haben bei der zukünftigen Stellensuche grössere Chancen», so Greif.

Unter dem Vordach des Föhrewäldli sind die Banketttische mit schneeweissen Tischdecken belegt, auf zwei Buffets sind die kleinen Häppchen ausgestellt. Hier zeigt die zweite Gruppe der «Perfecto Futura»-Kursteilnehmer – 18 Stellensuchende machen eine Schulung im Service – ihr können. Elegant mischt sich Cécile* unter die Gäste und bewirbt die Köstlichkeiten, stets hat sie ein freundliches Lächeln auf den Lippen.

*Namen der Redaktion bekannt.