Dietikon
Arbeitgeber werden zum Problem der freiwilligen Feuerwehr Dietikon

Die vielen Einsätz sind für Feuerwehrleute eine Herausforderung - und auch für deren Familien und Arbeitgeber. Im letzten Jahr wurden 180 Einsätze geleistet. Es braucht viel Verständnis von der Familie und dem Arbeitgeber.

Katja Landolt
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Der Einsatz der Freiwilligen der Dietiker Feuerwehr ist gross.

Der Einsatz der Freiwilligen der Dietiker Feuerwehr ist gross.

Limmattaler Zeitung

Ein Ölsperreinsatz, ein Auto, das Benzin verliert, eines, das in Flammen aufgeht, ein Verkehrsunfall, ein Alarm einer Brandmeldeanlage, eine verirrte Entenfamilie auf einem Balkon - lauter Fälle, in denen die Stützpunktfeuerwehr Dietikon ausrücken musste. Und das allein in den vergangenen zwei Wochen. Ein grosser Einsatz, der von den freiwilligen Feuerwehrleuten abverlangt wird.

«Unsere Feuerwehrangehörigen brauchen tatsächlich viel Engagement und Herzblut», sagt Oberkommandant Roland Graf. Im letzten Jahr hat die Stützpunktfeuerwehr Dietikon - das Stützpunktgebiet umfasst alle Gemeinden im Bezirk Dietikon sowie die Aargauer Gemeinden Bergdietikon, Oberwil-Lieli und Rudolfstetten-Friedlisberg - rund 180 Einsätze geleistet. Das ergibt einen Einsatz alle zwei Tage. «Und das längst nicht immer nach Feierabend», sagt Graf und lacht.

Problem für Milizfeuerwehren

Es sind denn nicht etwa die Nachwuchssorgen, die Graf in erster Linie plagen: «Freiwillige wird es immer geben. Aber die Zahl der Arbeitgeber, die das notfallmässige Ausrücken ihrer Angestellten nicht mehr tolerieren, wird zunehmen», sagt er.

Auf die Milizfeuerwehren werde damit ein grosses Problem zukommen, auch wenn die wenigsten Einsätze mehr als eine Stunde Abwesenheit in Anspruch nehmen würden. Doch es sind nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die langen Arbeitswege, die den freiwilligen Feuerwehrdienst verunmöglichen können: Wer Dienst leisten will, arbeitet von Vorteil auch in der Nähe, damit er möglichst schnell auf Platz sein kann. Innert zehn Minuten nach Alarm muss eine Truppe von zehn Mann am Schadensort eintreffen.

Roland Graf, Oberkommandant der Stützpunktfeuerwehr

Roland Graf, Oberkommandant der Stützpunktfeuerwehr

Limmattaler Zeitung

«Diese Vorgabe können wir erfüllen», sagt Graf. Das setzt eine gute Organisation und Einteilung der 105 Feuerwehrangehörigen voraus. Entsprechend breit ist auch die Führungsstruktur gegliedert: «Die Verantwortung wird auf möglichst viele Schultern verteilt, um jederzeit einen Einsatz gewährleisten zu können», sagt Graf. Ist ein Kadermann unabkömmlich, ist stets jemand da, der ihn vertreten kann.

Festhalten an Milizsystem

Was, wenn die Arbeitgeber nicht mehr bereit sind, ihre Angestellten bei Alarm rennen zu lassen, und die Arbeitswege immer länger werden? Wer kann dann noch freiwillig Feuerwehrdienst leisten? Eine Patentlösung hat Graf nicht. «Aber vielleicht müssen wir die Leute künftig nicht mehr nur an den Wohnorten, sondern an den Arbeitsorten rekrutieren.» Wer hier arbeitet, würde für Einsätze tagsüber aufgeboten, wer hier wohnt, nachts. Am Milizsystem festhalten müsse man unbedingt, sagt Graf. Allein schon aus Kostengründen: «Eine Berufsfeuerwehr wäre unbezahlbar.»

«Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit»

Arbeitgeber und Arbeitswege sind das eine, Familien das andere. «Es braucht schon viel Verständnis von Partnern und Kindern, wenn der Vater oder die Mutter beim Znacht oder einem Ausflug wegen eines Alarms davonrennen muss», so Graf. Dazu kommen ausserdem noch die regelmässigen Übungen.

Dass aber jemand der Familie zuliebe aus der Feuerwehr austrete, geschehe eher selten. Graf selbst arbeitet in Killwangen bei der Rapid Technic AG als Lehrlingsbetreuer der Polymechaniker. Sein Arbeitgeber toleriere sein Engagement, da habe es nie ein Problem gegeben. Und auch seine Familie habe das akzeptiert; obwohl sein persönlicher Einsatz - drei bis vier Mal pro Woche - schon ganz schön gross sei. Aber Graf hat das Motto der Stützpunktfeuerwehr Dietikon offensichtlich verinnerlicht: «Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit.»