Schlieren

Arbeiten müssen sie immer — Bauarbeiter erzählen, wie sie den Winter erleben

Die Bauarbeiter beim Färberhüslitunnel in Schlieren erzählen, wie sie den Winter auf der Limmattalbahn-Baustelle erleben.

«Dieser Winter ist nicht schlimm», sagt Sven Jung, Maurer im dritten Lehrjahr. «Solange es nicht stark regnet oder schneit, geht es gut.» Nachdem das Sturmtief «Petra» über das Limmattal hinweggefegt war und es kurzzeitig geschneit hatte, waren die Temperaturen zuletzt wieder angenehm warm – zu warm für diese Jahreszeit. Auf der Baustelle beim Färberhüslitunnel in Schlieren gingen einige Angestellte der Klotener Baufirma Specogna Bau AG ihrer Arbeit sogar kurzärmlig nach. Am Morgen sei es auch jetzt kalt, sagt Jung. Danach werde es jedoch schnell wärmer. «Das macht immer ein bisschen k.o.», erzählt er. Trotzdem arbeite er gerne mit dem Team draussen. Untereinander hätten sie es immer lustig. Das gebe ihm Kraft. Jung freut sich schon auf den Frühling: «Dann ist es nicht zu kalt und nicht zu heiss.»

Die Decke des Tunnels wird Schritt für Schritt gebaut

Momentan erstellen die Bauarbeiter etappenweise die Betondecke des Färberhüslitunnels. Ab Ende 2022 soll die Limmattalbahn durch diesen Tunnel zwischen dem Spital Limmattal und der Badenerstrasse fahren. Für den Bau wurde zwischen mehreren Wohnblocks eine talförmige Baugrube ausgehoben. In der Grube bohrten die Bauarbeiter ab November 2019 in zwei parallelen Reihen säulenförmige Löcher in die Erde, die mit Beton ausgefüllt wurden. So entstanden im Boden zwei Bohrpfahlwände, die die Decke des Tunnels tragen werden. Derzeit legen die Bauarbeiter auf dem Boden abschnittweise Schaltafeln aus und errichten rundherum Wände. In diesem hölzernen Becken werden dann Bewehrungseisen und Beton platziert. Der Beton dieses Deckenabschnitts muss dann 28 Tage lang erstarren, bis er die gewünschte Druckfestigkeit erreicht hat. So entsteht Schritt für Schritt die Decke des Tunnels. Wenn sie fertiggestellt ist, wird ab April oder Mai die Erde unter der Decke entfernt und so der Tunnel ausgehoben.

Aufgrund des Regens Anfang Woche waren Teile der Baustelle überflutet. Damit der Betrieb weitergeführt werden konnte, musste das Wasser mit zwei Pumpen entfernt werden. «Arbeiten muss man immer. Egal, ob es sonnig ist, regnet oder schneit», sagt Vorarbeiter Volker Hörenz. Er ist die rechte Hand des Poliers und arbeitet seit 42 Jahren auf dem Bau. Das Wetter mache ihm nichts aus. «Sonst hätte ich ins Büro gehen können», sagt Hörenz.

Auch für den Baumaschinenführer Hardy Amstad, der fast gleich lange dabei ist wie Hörenz, kommt das Arbeiten am Schreibtisch nicht in Frage. Obwohl er seit einem Unfall am linken Bein eine Prothese trägt, arbeitet er immer noch mit dem Bagger auf dem Bau. Er würde nicht wollen, dass er im Sommer bei schönem Wetter im Anzug herumlaufen müsse. Für die Wintermonate ist sein Bagger mit einer Heizung ausgerüstet. Aus Solidarität zu den Kollegen nutzt er diese jedoch nur spärlich. «Ich kann ja auch eine Jacke anziehen. Um bei Kälte den Bagger richtig bedienen zu können, ist die Heizung aber hilfreich», sagt er.

Die Bauarbeiter sind für den Winter gut ausgerüstet

In 40 Jahren konnte Amstad nur zweimal wegen schlechten Wetters nach Hause gehen, das letzte Mal vor mehr als 20 Jahren. Wegen starkem Schneefall seien die Bauarbeiten damals für drei Wochen eingestellt worden. «Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn mehr macht, mit dem Bagger weiterzuarbeiten. Dann macht man lieber nichts, als dass man Sachen kaputt macht», sagt er. Im Sommer zu arbeiten, sei aber extremer. Dann würde man von der Sonne und dem erhitzten Untergrund gleichzeitig gebraten.

«Im Sommer steht allen Mitarbeitern unbegrenzt Wasser zur Verfügung. Für den Winter bekommen alle gute Kleidung. Und es gibt einen beheizten Trocknungscontainer», sagt Bauführer Fabio Wälter. Dem schönen Wetter traut er nicht wirklich: «Die Jahreszeiten verschieben sich. Es kann gut sein, dass es im Februar oder März stark zu schneien beginnt.»

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