Oberengstringen
AOZ-Kündigung: «Nebenkosten haben sich verdoppelt»

Die Vorwürfe der unbegründeten AOZ-Kündigung lässt die Gemeinde nicht auf sich sitzen.

Alex Rudolf
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Oberengstringen löste seine Verträge mit der Asylorganisation Zürich auf.

Oberengstringen löste seine Verträge mit der Asylorganisation Zürich auf.

Alex Rudolf

Die Fronten zwischen der Asylorganisation Zürich (AOZ) und Oberengstringen sind verhärtet. Nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass die Gemeinde ihr Mandat auf Ende Jahr kündigt, weil sie die Integrationsleistung wie auch die Kostentransparenz bei der AOZ kritisiert, nahm AOZ-Direktor Thomas Kunz in einem Interview Stellung. Darin monierte er, dass er vor der Kündigung keinerlei Kritik vonseiten Oberengstringens vernommen habe und die AOZ bei Erläuterungen zur Kostenaufteilung gerne behilflich gewesen wäre.

«Thomas Kunz ist anscheinend nicht über alles informiert, was bei der AOZ geschieht», sagt der Oberengstringer Sozialvorstand Kurt Leuch. Er sei mit der für Oberengstringen verantwortlichen AOZ-Leiterin seit vielen Monaten in Kontakt gestanden. «Wir brachten unsere Kritik an der Betreuung mehrmals vor», so Leuch. Doch die Antwort habe gelautet, dass im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde die Betreuungszeit ausgenutzt sei: «Für mehr Betreuung brauche es mehr finanzielle Mittel», hiess es, so Leuch. In Anbetracht der Schäden, der 2012 angeschaffte Waschturm sei zwei Jahre später bereits schrottreif gewesen, war dies keine Option.

Von 19 000 auf 38 000 Franken

Auch auf den Vorwurf der Intransparenz in Bezug auf die Kostenverteilung gehe Thomas Kunz zu wenig ein, findet Leuch. «Seitens AOZ geben wir uns Mühe, den Gemeinden die Informationen zu geben, die sie von uns erwarten», sagte Kunz gegenüber dieser Zeitung. Leuch sieht dies anders. Er habe sich im Frühling dieses Jahres nach einzelnen Kostenpunkten erkundigt. Unter anderem habe die Exekutive nicht nachvollziehen können, wie der Punkt «Nebenkosten/Unterhalt Immobilien» zwischen 2013 und 2014 von knapp 19 000 auf rund 38 000 Franken steigen konnte. Die Antwort: «Weil die Betriebsrechnung zulasten der AOZ gehe und die Verantwortliche auf den zusätzlichen Aufwand verzichten wollte, den der Vergleich aller Rechnungen von 2013 mit 2014 gebracht hätte, war diese Verdoppelung der Kosten erledigt», so Leuch. Der Gemeinderat sei ob dieser Antwort wenig erfreut gewesen, fährt er fort. Die AOZ habe auf die für alle Gemeinden geltende Pauschalabgeltung verwiesen. Somit sei es das unternehmerische Risiko der AOZ, Defizite und Gewinne im Ausgleich zu halten. Weiter würden keine internen buchhalterischen Einzelheiten gegenüber der Kundschaft ausgewiesen. Dies ist für Leuch unverständlich und «entspricht nicht der Leistungsvereinbarung».

Integration ist schwierig

Mit 89 zugeteilten Asylsuchenden ist die Stadt Schlieren der grösste AOZ-Kunde im Bezirk Dietikon. Claude Chatelain, in der Sozialabteilung verantwortlich für das Asylwesen, sagt klar: «Auch wir haben Probleme bei der gesellschaftlichen Integration von Asylsuchenden, wie sie von Kurt Leuch geschildert wurden. Doch sehen wir die Schuld nicht bei der AOZ», sagt er auf Anfrage. «Diejenigen Menschen, die vorläufig aufgenommen werden und somit die Gruppenunterkunft verlassen, kommen teilweise aus einem anderen Kulturkreis. Integration dauert bei dieser Klientel länger», so Chatelain. Genau dies sei das Problem. Im Vergleich zu noch vor zwei Jahren würde vielen Asylsuchenden bereits nach wenigen Monaten oder gar Wochen der Status «Vorläufig aufgenommen» erteilt. «Früher vergingen meist Jahre, bis es so weit war», sagt er. Die AOZ versuche, diese Menschen so gut wie möglich auf ein Leben in der Schweiz vorzubereiten, doch fehle nun mal die Zeit dazu. Was die Kosten betrifft, hat Chatelain keine Bedenken. Laut Leistungsvereinbarung erhält die AOZ das Geld, das die Gemeinden von Bund und Kanton für die Asylsuchenden erhalten. «Dabei handelt es sich um ein Nullsummenspiel.»

Doch hat sich auch schon Schlieren damit befasst, das Asylwesen wieder intern zu bewirtschaften. Beim Kostenvergleich im Jahr 2013 stellte sich heraus, dass die AOZ-Mandate zwar jährlich rund 15 000 Franken mehr kosten. Der Stadtrat kam aber zum Schluss, dass die Vorteile überwiegen. «Die Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter und das flexible Personalmanagement haben uns überzeugt», so Chatelain.