Unterengstringen soll weiterhin mit Schlierens Mandatsführung im Erwachsenenschutzrecht betraut bleiben. Dazu beantragt der Stadtrat einen Kredit in der Höhe von 1,3 Millionen Franken. Bereits seit April 2014 übernehmen die Unterengstringer Behörden die Führung dieser Aufgabe. Nun sollen die Verträge verlängert und neu verhandelt werden, da einerseits die Kosten, aber auch die Anzahl Fälle seit 2014 gestiegen sind. So erhielt Unterengstringen bislang 4500 Franken pro Jahr und betreutem Fall. Ab Januar 2017 sollen es 4850 Franken sein.

Diese Entwicklung wird durch kurzfristige Stellvertreterlösungen, aber auch mit höheren Gemeinkosten begründet. Bemerkenswert ist, wie stark die Fallzahlen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Waren im Jahr 2013 lediglich 38 Mandate zu verzeichnen, stieg diese Zahl ein Jahr später auf 51. Im Jahr 2015 waren es bereits 75. Erst in diesem Jahr wurde der Aufwärtstrend gebrochen: Seit Januar befinden sich konstant 76 Schlieremer und Schlieremerinnen in einem Mandat in Unterengstringen. Für die kommenden Jahre rechnet der Stadtrat jedoch mit einem weiteren Wachstum: «Rein rechnerisch hat sich die Zahl der Mandate in den vergangenen fünfeinhalb Jahren um 32 erhöht. Es besteht also die Möglichkeit, dass im Jahr 2020 Schlieren rund 90 Mandate aufweist», so der Stadtrat.

Gute Noten für Zusammenarbeit

Die Bilanz über die Zusammenarbeit mit Unterengstringen fällt derweil durchaus positiv aus. Zu diesem Schluss kommt die Beratungsstelle Federas, die von der Stadt Schlieren mit einer Auswertung beauftragt wurde. So habe die Fallführung während der Testphase zu keiner Reklamation geführt. Vom Aufsichtsorgan, der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), sei die Fachlichkeit gar ausdrücklich gelobt worden. Auch beurteilt die Federas die Erhöhung der Kosten als nachvollziehbar und weiterhin günstig. Der Abschluss eines neuen Anschlussvertrages wird deshalb empfohlen.

Ob dieser Befund auch das Schlieremer Parlament dazu bewegen wird, dem für den Anschlussvertrag notwendigen Kredit zu genehmigen, zeigt sich in den kommenden Monaten. Fest steht jedoch: Bei der letzten Parlamentsdebatte über die Mandatsführung schieden sich die Geister. So lehnte das Stadtparlament im Jahr 2013 einen Anschluss an das Mandatszentrum Dietikon ab, weil dies zu teuer gewesen wäre. Knapp ein Jahr später folgte der Anschluss an Unterengstringen, dessen Vormundschaftsbehörde fortan die Schlieremer Beistandschaften koordinierte.

Wenige Monate später forderte Gemeinderat Jürg Naumann (QV) jedoch, den Vertrag zu kündigen, und den Betrieb wieder in Schlieren abzuwickeln. Nebst einer besseren Kostenkontrolle sei es auch im Sinn der Klienten, wenn die Betreuung in Schlieren abgewickelt werde, da so ein persönlicherer Kontakt möglich sei. Dem pflichteten auch CVP- und EVP-Exponenten bei. Die restlichen Parteien sprachen sich zwar nicht direkt für die Auslagerung nach Unterengstringen aus, wohl aber für die Testphase und die darauffolgende Auswertung. Der Standort sei nicht entscheidend für die Qualität der Betreuung, sagte etwa Priska Randegger (FDP).

Heisse Debatte erwartet

So erwartet der Schlieremer Sozialvorsteher Christian Meier (SVP) auch eine heisse Debatte um den neuen Anschlussvertrag. Den Weg, den der Stadtrat nun beschreiten wolle, sei aber der beste. «Trotz des markanten Zuwachses von Schutzwürdigen verfügt Schlieren noch über zu wenige von ihnen, als dass ein eigenes Zentrum sinnvoll wäre», so Meier. Das Argument, dass Schlieren als Stadt den Erwachsenenschutz selber ausführen müsse, reiche nicht aus. Dank der Zusammenarbeit mit dem Nachbar Unterengstringen würden sich – trotz der Kostensteigerung – noch immer Minderausgaben ergeben.