Schlieren
Anwohner leiden unter Lärm – wegen Anlieferungen beim Shoppingcenter Lilie

Werner Fisler wohnt an der Uitikonerstrasse unweit des Shoppingcenters Lilie und wird nachts durch Anlieferungen geweckt. Dem Stadtrat ist die Problematik bewusst.

Anina Gepp
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Das einzige Geschäft, welches nachts von der Uitikonerstrasse her beliefert werde, sei die Apotheke, so die Grundeigentümerin des Shoppingpoints Lilie.

Das einzige Geschäft, welches nachts von der Uitikonerstrasse her beliefert werde, sei die Apotheke, so die Grundeigentümerin des Shoppingpoints Lilie.

Anina Gepp

Werner Fisler hat schlaflose Nächte. Seit er im Mai des letzten Jahres an die Uitikonerstrasse in Schlieren umgezogen ist, wird er mehrmals in der Woche von Lärm geweckt. Dieser wird von Sattelschleppern verursacht, die beim Shoppingcenter Lilie ihre Waren abliefern, wie Fisler sagt. «Die Chauffeure lassen leere Paletten fallen und geben sich keinerlei Mühe, die Nachtruhe einzuhalten», sagt er. «Ich kann verstehen, dass Frischprodukte früh morgens angeliefert werden. Aber dass der Lärm schon um 2.30 Uhr beginnt und sich bis 4.30 Uhr hinzieht, ist für mich und viele meiner Nachbarn unerträglich geworden.»

Der Stadtrat weiss Bescheid

Dem Stadtrat sei die Situation grundsätzlich bekannt, sagt Stephan Knobel, Abteilungsleiter Sicherheit und Gesundheit. Die genannte Zeit und dass es sich dabei um Sattelschlepper handle, sei jedoch neu, so der Stadtrichter. Die Anwohner hätten im Normalfall ein Recht auf Nachtruhe. «Sie sollten in jedem Fall die Notrufnummer 117 wählen. Nur so kann sofort gehandelt werden», sagt Knobel. Eine andere Möglichkeit sei es, das Nummernschild des Fahrzeugs sowie die Firmenanschrift zu notieren und diese zusammen mit der genauen Uhrzeit dem Abteilungssekretariat Sicherheit und Gesundheit zu melden.

Fisler kann diese Antwort nicht trösten. Die Stadtpolizei wolle ihm nicht helfen. Mittlerweile rücke nicht einmal mehr jemand aus, wenn er die 117 wähle, sagt er. Der Schlieremer hofft, dass die Lieferanten selbst ihren Fahrern bessere Manieren beibringen. «Die Chauffeure müssen sensibilisiert und darauf hingewiesen werden, dass Nachtruhe herrscht», sagt er.

Eigentümerin gesprächsbereit

Grundeigentümerin des Shoppingpoints Lilie ist die Firma J.F. Jost & Co. Diego Albertanti, stellvertretender Geschäftsleiter, bedauert, dass Anwohner unter Nachtlärm leiden. Gemäss Abklärungen mit den Geschäftsbetreibern könne jedoch dieser kaum von Zuliefern des Shoppingcenters stammen, sagt er. «Der Coop wird ungefähr um 6 Uhr beliefert, die Bäckerei und der Denner um 4.30 Uhr. Dies geschieht allerdings beim Lilienweg, also auf der anderen Seite des Shoppingcenters», so Albertanti.

«Die Anwohner haben ein Recht auf Nachtruhe. Sie sollten in jedem Fall die Notrufnummer 117 wählen.»

Stephan Kobel, Abteilung Sicherheit und Gesundheit Stadt Schlieren

Es habe vor ein paar Jahren einmal eine Lärmklage eines Anwohners gegeben. Darauf habe man aber sofort reagiert und seither seien die Palettenwagen dank neuen Flüsterrollen leiser. «Wir sind da bemüht, Lösungen zu finden», sagt Albertanti. Das einzige ihm bekannte Geschäft, welches auf der Vorderseite des Zentrums mitten in der Nacht Anlieferungen bekomme, sei die Apotheke. Diese werde jedoch mit einem kleineren Lieferwagen beliefert.

Da er weder von der Stadt noch von der Polizei Unterstützung bekomme, habe er inzwischen selbst Nachforschungen angestellt, sagt Fisler. Hierfür hat der ehemalige SP-Gemeinderat die Transportunternehmen, die die Waren anliefern, ausfindig gemacht. Von den genannten Firmen hat auf Anfrage der Limmattaler Zeitung aber einzig das Unternehmen Planzer, welches in der Nacht mit Fahrzeugen von «Quali Night» unterwegs ist, Stellung genommen. «Wir sind in der Nacht nur mit kleinen Lieferwagen von 3,5 Tonnen unterwegs», sagt Dominic Stauffer von Quali Night AG.

Diese Nachtlieferungen seien Express- oder Ersatzlieferungen für die Automobil-, Telekommunikation-, Medizinal-, Agrar- und Technikerbranche. Alle Nachtlieferwagen seien mit extra geräuscharmen und gummierten Hebebühnen ausgerüstet. «Unsere Mitarbeiter werden geschult. Sie sollen kein lautes Radio einstellen, den Motor ausmachen und nicht ausserhalb des Fahrzeugs telefonieren», sagt Stauffer. Jedoch entstehe, wo gearbeitet werde, auch immer Lärm, räumt er ein. Reklamationen würden aber sehr ernst genommen. «In jedem Fall gehen wir damit auf unsere Kunden zu, um einen alternativen Abstellplatz zu eruieren», so Stauffer.

«Nicht ernst genommen»

Doris Wicki, die 250 Meter Luftlinie von Fisler entfernt an der Gartenstrasse wohnt, unterstützt ihren entfernten Nachbar in seinem Anliegen. Auch Wicki, die ebenfalls früher im Parlament sass, leidet unter dem Lärm. «Die Stadt nimmt es auf die leichte Schulter, ich fühle mich nicht ernst genommen», sagt sie. Auf ihre letzte schriftliche Anfrage habe sie keine Antwort bekommen. Es gehe nicht darum, dass es keine Lösung gebe. «Man ist gar nicht gewillt, eine zu finden», so Wicki.