Schlieren

Anwohner fordern: Limmattalbahn soll unter Spitalquartier hindurch

Die Limmattalbahn auch unterirdisch? Diese Frage muss die Delegation jetzt prüfen.

Die Limmattalbahn auch unterirdisch? Diese Frage muss die Delegation jetzt prüfen.

Die Anwohner wollen keinen oberirdischen Streckenabschnitt in ihrer Nachbarschaft – von Reitmen bis Luberzen. Deshalb spricht man nun von einem Tunnel.

Etwas über hundert Anwohner fanden sich zur Orientierungsveranstaltung der Interessengemeinschaft (IG) Spitalgebiet im Bühnensaal des Spitals Limmattal ein. Unter dem Titel «Limmattalbahn, so nicht!» wandten sie sich an Daniel Issler und Martin Kuhn von der Limmattalbahn AG (LTB AG), um zu signalisieren, dass sie die geplante Linienführung durch ihr Quartier so nicht akzeptieren wollen.

Insbesondere die oberirdische Führung der Bahn im Bereich der Spitalstrasse sorgt seit der Veröffentlichung der Vorprojekt-Pläne für rote Köpfe. Nach den einleitenden Referaten von Issler, Kuhn und Peter Suter, Mitinitiant und Altgemeindeparlamentarier (SVP), wurde dem Publikum die Möglichkeit geboten, Fragen und Anregungen an die Verantwortlichen zu richten.

Einfluss über Behördendelegation

Suter machte am Mittwochabend gleich schon zu Beginn seines Referates klar, dass bei diesem Anlass nicht über Sinn oder Unsinn der Limmattalbahn an sich diskutiert werden solle. Das Ziel bestehe vielmehr darin, dass die Quartiereinwohner gemeinsam Kritikpunkte und Forderungen formulieren würden, die dann über die Behördendelegation innerhalb des Projekts an die LTB AG getragen werden könnten.

Stadtpräsident Toni Brühlmann (SP), der Schlieren in der Delegation vertritt, erklärte sich bereit, die Anliegen der Anwohner auf den Tisch zu bringen: «Selbstverständlich werde ich dieses Problem in die Behördendelegation mitnehmen. Es ist klar, dass wir die bestmögliche Lösung für das Spitalquartier anstreben werden.»

Weil für die IG in der jetzigen Projektphase keine andere Möglichkeit zur Einflussnahme existiert, hat sie sich dazu entschieden, den indirekten Weg über die Behördendelegation zu beschreiten.

Unterirdische Station nicht geplant

Suter sieht den Knackpunkt an der Linienführung im Spitalquartier darin, dass die Bahn gemäss Vorprojekt vom Reitmen her nur bis zur Einmündung in die Spitalstrasse unterirdisch verlaufen würde. Danach führen die doppelspurigen Gleise gemäss Vorprojekt oberirdisch entlang der Spitalstrasse bis nach Urdorf. Die Quartierbewohner befürchten, dass das Trassee nahe an die Wohnhäuser gelegt werden müsste, zu einer Senkung der Lebensqualität führen würde, so Suter. Deshalb käme für die IG nur eine Linienführung unter der Erdoberfläche infrage.

Die IG Spitalquartier zweifelt grundsätzlich daran, dass es notwendig sei, das Spital an die LTB anzuschliessen. «Die drei Buslinien, die hier vorbeiführen, werden schon heute kaum genutzt», so Suter.

An eine Linienführung ohne Anschluss von Spital und Kantonsschule wäre gemäss Issler nicht zu denken. In seinem einleitenden Referat wies er darauf hin, dass diese zwei Haltestellen im kantonalen Richtplan vorgesehen, und deshalb kaum zu verhindern seien. Ebenso wenig käme es gemäss Vorprojekt infrage, das gesamte Quartier zu untertunneln und eine unterirdische Haltestelle beim Spital einzurichten, so Issler: «Diese Lösung würde zu betrieblichen Schwierigkeiten und zusätzlichen Kosten führen.» Ausserdem sei eine unterirdische Haltestelle weniger attraktiv und vermittle den Benutzern ein weit weniger sicheres Gefühl, erklärte er.

Stossrichtung ist klar

In der Diskussion im Anschluss an die Referate betonten die meisten Votanten, wie etwa Stadtparlamentarier Thomas Grädel (SVP), dass eine Linienführung über die Spitalstrasse für sie undenkbar sei. Ein Tunnel zwischen Reitmen und Luberzen sei die einzig mögliche Variante, um das Spital und die Kantonsschule an die Linie anzuschliessen. Ein Anwohner, der für die VBZ arbeitet, merkte zudem an, dass eine unterirdische Haltestelle weder unattraktiver, noch weniger sicher sein müsse, als eine oberirdische.

Gemeindeparlamentarierin Heidemarie Busch (CVP) wies die Vertreter der LTB AG darauf hin, dass es unangenehm sei, von den baulichen Tätigkeiten im eigenen Wohnquartier erst über vorgelegte Baupläne zu erfahren. Issler entgegnete, dass man im Verhältnis zu vergleichbaren Projekten sehr früh informiere. In den Monaten Mai bis Juli dieses Jahres würden zudem Gespräche mit sämtlichen Grund- und Stockwerkeigentümern im Quartier geführt, um zu evaluieren, mit welchen Änderungen am Vorprojekt man ihren Wünschen aufseiten der LTB AG entgegenkommen könnte.

«Optimale Lösung»

Am Ende der Veranstaltung zeigte sich Stadtrat Jean-Claude Perrin (SVP) zufrieden mit dem Orientierungsanlass: «Es war ein wichtiger demokratischer Akt.» Schade sei nur, dass es am Ende nicht zu einer Zusammenfassung konkreter Forderungen gekommen sei.

Die Stossrichtung wurde gemäss Stadtpräsident Brühlmann aber klar ersichtlich: «Für die Bewohner des Spitalquartiers besteht die optimale Lösung in einem Tunnel unter dem Quartier hindurch.» Ob eine solche Variante über die Behördendelegation erreicht werden könne, werde sich weisen, so Brühlmann: «Die LTB AG wird aber sicher überprüfen müssen, ob für das Spitalquartier keine bessere Lösung gefunden werden kann.»

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