Er war dafür zuständig, dem Wahlkampf vom Adrian Leimgrübler (FDP) einen frischen, jungen Anstrich zu geben, trieb es dabei aber manchmal etwas zu weit: Das hat für Stefano Lenherr nun Konsequenzen. Der ehemalige Dietiker Statthalter Leimgrübler, der nun erneut für das Amt kandidiert, hat den 24-jährigen Wahlkampfleiter New Media per sofort abgesetzt.

Im Schreiben, das der Limmattaler Zeitung vorliegt, lässt Leimgrübler Lenherr wissen: «Die Vorfälle haben sich gehäuft und du hast mehrere Anweisungen von mir missachtet oder mich über Schritte deinerseits nicht informiert.» Was «aber wirklich gar nicht» gehe, sei der Umstand, dass Lenherr mindestens eine Person für Leimgrüblers Unterstützungskomitee gemeldet hatte, die sich dazu nicht bereit erklärt hatte. «Ich distanziere mich in aller Form von diesem Vorgehen», schreibt Leimgrübler.

Schon vor dem ersten Wahlgang von vergangenem Sonntag wurde bekannt, dass Lenherr den Namen von Beat Zobrist, den er von einer früheren Anstellung bei McDonald’s in Schlieren kennt, der Liste angefügt hatte, worauf sich dieser beschwerte; der Name wurde darauf gelöscht.

«Überrascht und enttäuscht»

«Ich habe mich bei Herr Zobrist entschuldigt», sagt Leimgrübler auf Anfrage weiter. Da er sich nicht sicher sein könne, dass zwei weitere von Lenherr gemeldete Personen ihr Einverständnis gegeben hatten, will der im Dezember 2015 von der Justizdirektion entlassene ehemalige Statthalter auch diese aus der Liste streichen lassen.

Lenherr zeigte sich gestern «überrascht und enttäuscht» über die Absetzung. Natürlich habe er «nicht für jeden Satz auf Facebook» eine Bewilligung eingeholt, «aber bei den wichtigen Angelegenheiten habe ich das Okay von Adrian Leimgrübler immer abgewartet». Die Sache mit Zobrist sei zwar «blöd gelaufen», Lenherr findet aber, dass dabei «aus einer Mücke ein Elefant gemacht» worden sei.

Vor allem angesichts des enormem Zeitdrucks habe er gute Arbeit geleistet, sagt er von sich selbst, das habe schliesslich auch Leimgrüblers gutes Resultat im ersten Wahlgang gezeigt. «Die Art und Weise, wie ich nun abgeschoben werde, finde ich nicht ganz fair», sagt Lenherr, «ich hoffe aber weiterhin, dass Adrian Leimgrübler im zweiten Wahlgang gewinnt».

Wahlkampfvideo von Stefano Lenherr

Leimgrübler hat in seinem Brief auch gute Worte für den Schlieremer Jungunternehmer übrig, der ihm unter anderem einen Wahlkampfsong produziert hat: «Du hast dich sehr engagiert und auch vieles gut gemacht», schreibt er. «Was dir aber fehlt, ist das Verständnis für das Recht.» Es sei wohl Lenherrs jugendlichem Übermut geschuldet, ergänzt Leimgrübler am Telefon, dass er «manchmal Aktionen gestartet hat, ohne mit mir Rücksprache zu halten – obwohl das ganz klar so abgemacht war».

Die zweite Runde des Wahlkampfs tritt Leimgrübler mit guten Karten an: Aus dem ersten Wahlgang tritt er als Erstplatzierter vor seinen Mitstreitern Simon Hofmann (FDP) und Ramon Steffen (parteilos) hervor, auch wenn er das absolute Mehr klar verpasste. Für den weiteren Wahlkampf stehen ihm immer noch die Geroldswiler Heini und Daniel Surber von der Extern Marketing GmbH zur Seite – Vater Heini im klassischen Werbebereich, Sohn Daniel im Bereich Neue Medien.